PwC-Studie: Anspruchsvolle Konsumenten, nachhaltige Entwicklungspolitik - Chinas Automobilindustrie in voller Fahrt

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Der chinesische Automarkt ist der größte der Welt und wächst auch in Zukunft rasant. Bis 2017 soll sich die Fahrzeugproduktion nahezu verdoppeln. Wie Automobilproduzenten und Zulieferer auch in Zukunft vom Boom profitieren können, zeigt die PwC-Studie "Automobilindustrie und Mobilität in China: Plan, Wunsch und Realität".

Bei der Automobilproduktion belegt China weltweit den Spitzenplatz. In chinesischen Werkshallen rollten 2010 rund 14,5 Millionen Fahrzeuge von den Bändern, deutlich mehr als in Ländern wie Japan, USA oder Deutschland. Ein Ende des rasanten Wachstums ist nicht in Sicht. Nach der jüngsten PwC-Prognose wird sich die Produktion bis 2017 auf 27 Millionen Fahrzeuge nahezu verdoppeln. Der Markt ist noch längst nicht gesättigt. In Peking, der Stadt mit der höchsten Autodichte Chinas, besitzen heute von 1.000 Einwohnern 171 ein eigenes Fahrzeug. Zum Vergleich: In den USA sind es mehr als 800, in Deutschland mehr als 500.

Umfangreiche Analyse des chinesischen Automobilmarkts

Doch was sind die Erfolgsfaktoren für den chinesischen Markt? Mit welchen Produkten können deutsche Automobilproduzenten und Zulieferer in China erfolgreich sein? Die PwC-Studie "Automobilindustrie und Mobilität in China: Plan, Wunsch und Realität" liefert die Antwort. Dazu analysierten die Experten nicht nur die Situation der Automobilindustrie, sie nahmen auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unter die Lupe. Zudem befragte PwC in einer umfangreichen Feldstudie chinesische Konsumenten vor Ort nach ihren Wünschen in Sachen Auto.

In China ist das Auto ein Statussymbol

China ist im Autofieber. Mit dem zunehmenden Wohlstand steht der fahrbare Untersatz auf der Wunschliste der wachsenden Mittel- und Oberschicht ganz oben. "Für viele Chinesen ist das Auto Ausdruck von Individualität und gleichzeitig ein Zeichen für persönlichen Erfolg", sagt Felix Kuhnert, Partner und Automotive Leader Europe bei PwC. Das Auto ist ein wichtiges Statussymbol und Chinesen gelten zudem als sehr markenbewusst. "Die deutschen Premiumhersteller sind in China bestens aufgestellt und profitieren dabei vom stark wachsenden Markt für Luxusautos", so Kuhnert. Das Wachstumspotenzial ist immens: Der Marktanteil von Luxusfahrzeugen liegt bei 5,9 Prozent. In den USA und Europa liegt die Quote bei zwölf und 18 Prozent.

Langfristige China-Strategie gefragt

Unternehmen müssen in China die Rahmenbedingungen beachten: "Nur wer die chinesische Gesetzgebung versteht und sie zu nutzen weiß, kann eine erfolgreiche China-Strategie entwickeln", sagt Felix Kuhnert. So erlaubt China seit 2007 das Leasing von Fahrzeugen. "Das eröffnet neue Absatzwege für deutsche Produzenten", so Kuhnert. Die Studie erläutert auch neue Finanzierungsmöglichkeiten wie zum Beispiel die Platzierung von Anleihen auf dem chinesischen Kapitalmarkt.

Elektrofahrzeuge rücken in den Fokus

Auf nachhaltiges Wachstum setzt der 12. Fünfjahresplan der chinesischen Regierung. Darin nimmt die Automobilindustrie eine zentrale strategische Rolle ein. Ein wichtiges Ziel ist die Entwicklung neuer Antriebstechnologien wie zum Beispiel der Elektromotor: "Auf dem Markt für Elektroautos können sich deutsche Unternehmen langfristig positionieren und sich Marktanteile sichern", sagt Kuhnert.

Ganz oben auf der Agenda steht auch der Ausbau der Infrastruktur. So will die chinesische Zentralregierung in den kommenden Jahren 500 bis 600 Milliarden Euro in den Ausbau von Straßen stecken. Es droht ein Verkehrschaos, denn das derzeitige Straßennetz kann das starke Wachstum nicht länger bewältigen. Neue Mobilitätskonzepte sind gefragt, die auch deutschen Unternehmen neue Chancen eröffnen, meint PwC-Automobilexperte Kuhnert: "Die Produzenten können auch in China vom reinen Autobauer zum integrierten Mobilitätsanbieter avancieren, die zum Beispiel Car Sharing und andere Dienstleistungen anbieten."

Erfolgsfaktoren für den chinesischen Markt

Produktion: Weitere Verlagerung steht an

In den kommenden Jahren baut China seine Rolle als wichtigster Produktionsstandort weiter aus. Ausländische Hersteller profitieren vom Wachstum in China, diese dürften bis 2017 rund 16,9 Millionen Einheiten produzieren und somit 63 Prozent des Gesamtmarktes einnehmen. Eine weitere Verlagerung der Produktion zeichnet sich ab. Das betrifft auch deutsche Hersteller, die neue Werke bauen oder bestehende Kapazitäten vor Ort ausbauen. Bei Premiumfahrzeugen, die die Hersteller in hoher Stückzahl fertigen, gewinnt die Produktion in China an Bedeutung.

Kapitalbedarf: Neue Finanzierungsquellen verwenden

Mit dem hohen Wachstum in China steigt der Finanzierungsbedarf. Bislang finanzierten Unternehmen Investitionen aus den laufenden Einnahmen. Nun gewinnen alternative Finanzierungsquellen an Bedeutung. "Dim-Sum-Anleihen" eröffnen auch ausländischen Unternehmen den Zugang zum chinesischen Kapitalmarkt. So begab Volkswagen als erstes ausländisches Automobilunternehmen eine solche Anleihe.

Premium-Exporte: Deutsche Luxusfahrzeuge gefragt

Der Markt für Premiumfahrzeuge wächst in China überdurchschnittlich stark. Deutsche Luxusautohersteller besitzen in China einen exzellenten Ruf. "Made in Germany" ist ein Gütesiegel, für das Chinesen auch gerne mehr Geld ausgeben. Trotz hoher Zölle bleibt dieser Markt auch in Zukunft sehr interessant. Hochwertige Luxusautos exportieren die Hersteller weiter aus Deutschland.

Forschung und Entwicklung: Hohes Innovationspotenzial nutzen

China will die Ausgaben für Forschung und Entwicklung massiv anheben. Das ist das erklärte Ziel der Regierung. Das Potenzial ist enorm, doch der mangelnde Schutz geistigen Eigentums ist für viele ausländische Investoren ein großes Hindernis. Deswegen rechnen PwC-Experten in China kurz- bis mittelfristig nicht mit Innovationen für den weltweiten Markt. Die Automobilhersteller konzentrieren sich auch in Zukunft auf Erfindungen, die vor allem in China zum Einsatz kommen.

Mitarbeiter: Personal langfristig binden

China hat sich in wenigen Jahren zum größten Produktionsstandort für Autos entwickelt. Die Ausbildung von qualifiziertem Personal konnte dieser Entwicklung nicht Schritt halten. Unternehmen können freie Stellen oft nicht mit gut ausgebildeten Fachkräften besetzen. Deswegen müssen auch deutsche Unternehmen vor Ort Strategien entwickeln, um Mitarbeiter langfristig zu binden. Dazu zählen eine lukrative Vergütung, Familienfreundlichkeit oder das gezielte Anwerben von Nachwuchskräften an den Hochschulen.

Finanzierung und Leasing: Neue Käuferschichten erschließen

Ein Auto zu leasen oder per Kredit zu finanzieren, ist in westlichen Ländern selbstverständlich. In China ist das jedoch bisher die Ausnahme. Chinesen zeichnen sich durch eine hohe Sparquote aus. Sie bezahlen ihr Auto in der Regel sofort. In Zukunft zeichnen sich jedoch neue Absatzwege ab. Denn auch Leasing ist mittlerweile erlaubt. Deutsche Anbieter könnten so neue Kundenschichten erschließen.

Quelle: Automobilindustrie und Mobilität in China: Plan, Wunsch und Realität