„Der grenzüberschreitende Online-Handel ist gleichzeitig Chance und Risiko für deutsche Online-Händler“

Schuhe aus dem französischen Online-Shop, das neue Smartphone aus den USA, Sportklamotten aus Großbritannien – das Internet macht es möglich. Deutsche Online-Shopper bestellen immer häufiger bei ausländischen Händlern im Internet. Was bedeutet das für die deutschen Online-Händler? Wie können sie sich im weltweiten Wettbewerb behaupten? Inwiefern profitieren sie vom Trend zum grenzüberschreitenden Einkaufen? Mehr dazu im Gespräch mit Gerd Bovensiepen, Leiter des PwC-Geschäftsbereichs Handel und Konsumgüter.

Laut Ihrer Befragung haben mehr als die Hälfte der deutschen Online-Käufer bereits einmal etwas in einem ausländischen Online-Shop gekauft. Was bedeutet diese Entwicklung für die Online-Händler hierzulande?

Gerd Bovensiepen

Gerd Bovensiepen: Deutsche Online-Händler müssen auf der Hut sein, ihre Kundschaft nicht an die Konkurrenz aus dem Ausland zu verlieren. Der beste Weg, die Kunden an die inländischen Shops zu binden, ist zum einen ein wettbewerbsfähiger Preis. Noch wichtiger ist jedoch ein breites und attraktives Produktangebot. Denn die große Mehrheit der Auslands-Shopper gab an, dass sie auf den Kauf bei einem ausländischen Online-Anbieter verzichten, wenn die gewünschte Ware auch in einem deutschen Shop zu kaufen ist.

Wie wurden die deutschen Käufer auf die ausländischen Shops aufmerksam?

Bovensiepen: Sechs von zehn Käufer haben den ausländischen Shop selbst gefunden, weil sie aktiv nach einem bestimmten Produkt gesucht haben. Aber auch Links und Werbung auf anderen Webseiten, Empfehlungen aus dem Familien- und Freundeskreis oder Social-Media-Plattformen spielen eine Rolle. Dieses Wissen können deutsche Online-Händler nutzen und ihre Läden und Produkte verstärkt über diese Kanäle im Ausland bewerben.

Welche Erfahrungen haben die Auslands-Shopper mit ihren Bestellungen im Internet gemacht?

Bovensiepen: Rund zwei von drei Online-Shopper gaben an, dass sie mit ihren Einkäufen im Ausland zufrieden waren. Probleme gab es bei etwa einem Drittel. Hier kam es beispielsweise zu längeren Lieferzeiten oder unerwarteten Zollgebühren. Eine gute Produktqualität attestierte jedoch nur etwas mehr als die Hälfte der Auslands-Shopper. Beim Thema Qualität können deutsche Online-Händler also auch ansetzen, um die Wettbewerber aus dem Ausland auf Distanz zu halten.

Welche Erwartungen haben deutsche Käufer an die ausländischen Online-Shops?

Bovensiepen: Die wichtigsten Anforderungen, die deutsche Online-Käufer an ausländische Shops stellen, sind eine sichere Zahlungsabwicklung, Hinweise auf anfallende Zollgebühren, geringe Versandkosten und Informationen zum Thema Garantie und Widerruf. Deutsche Online-Shopper wünschen sich zudem Preisangaben in Euro und möchten mit ihrer bevorzugten Zahlungsmethode bezahlen. Vor allem Online-Shopper ab 40 Jahren erwarten, dass ausländische Online-Shops in deutscher Sprache verfügbar sind.

Wie stehen die Internet-Nutzer in anderen europäischen Ländern zum Thema Einkaufen in ausländischen Online-Shops? 

Bovensiepen: Unserer aktuellen Total Retail-Studie zufolge zeigt sich dort ein ganz ähnliches Bild wie in Deutschland. So planen beispielsweise 90 Prozent der italienischen Online-Shopper in den nächsten zwölf Monaten einen Einkauf bei einem ausländischen Online-Shop. Auch in anderen europäischen Ländern wie der Schweiz oder Spanien liegt dieser Prozentsatz bei deutlich über 80 Prozent. Diese Zahlen machen deutlich: Der grenzüberschreitende Handel bietet immenses Potential für deutsche, aber eben auch für ausländische Händler. Zusammengefasst lässt sich also sagen: Für deutsche Online-Händler verschärft der grenzüberschreitende Handel den Wettbewerb, er eröffnet aber auch den Zugang zu neuen Kundengruppen im Ausland.