Leitlinien für die Corporate Governance in Unternehmen im Familienbesitz will der Governance Kodex für Familienunternehmen aufzeigen, den eine private Initiative kürzlich in einer neuen Version vorgestellt hat. Aufsichtsgremien sollten auch Familienunternehmer ab einer gewissen Größe und Komplexität installieren, meinen die Kodex-Autoren: Ein solches Gremium könne helfen, Qualität und Objektivität bei der Beratung und Kontrolle der Unternehmensführung zu sichern. Allerdings sollten Inhaber die Aufgaben und Kompetenzen der Aufseher definieren.
Die Autoren des Governance Kodex für Familienunternehmen legen auch den Inhabern von Unternehmen, die nicht gesetzlich dazu verpflichtet sind, nahe, ein Aufsichtsgremium einzurichten. Besteht ein solches Gremium, sollten dessen Aufgaben genau festgelegt und von den Zuständigkeiten abgegrenzt werden, die bei den Inhabern verbleiben sollen.
Kodex formuliert Anforderungen an Mitglieder in Aufsichtsgremien von Familienunternehmen
Den Inhabern von Familienunternehmen empfehlen die Mitglieder der Kodex-Kommission aus Wissenschaft und Praxis, familienunabhängigen Sachverstand in das Gremium zu holen; dies könne die Qualität der Arbeit verbessern. Festgelegt werden sollte nach Ansicht der Kodex-Autoren, in welchem Umfang die Familie im Aufsichtsgremium vertreten sein soll. Außerdem sollten dem Aufsichtsgremium jederzeit Mitglieder angehören, die über die zur ordnungsgemäßen Wahrnehmung der Aufgaben erforderlichen Kompetenzen verfügen.
Der Kodex für Familienunternehmen ist aus einer privaten Initiative entstanden. Mitglieder sind namhafte Persönlichkeiten, die entweder selbst Familienunternehmer sind oder sich wissenschaftlich mit Familienunternehmen befassen. Die Kommission will mit ihrem Kodex ausdrücklich eine Alternative zum Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) schaffen, da dieser nicht für die Belange von Familienunternehmen geeignet sei.
Themen, die bei börsennotierten Unternehmen heiß diskutiert wurden, greift jedoch auch der Kodex für Familienunternehmen auf: Wie der DCGK, den eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission ständig weiterentwickelt, rät auch der Governance Kodex für Familienunternehmen, eindeutig festzulegen, unter welchen Voraussetzungen Mitglieder der Unternehmensführung nach ihrer Amtszeit den Vorsitz im Aufsichtsgremium übernehmen können. Zudem soll eine Altersgrenze festgelegt und bei der Besetzung auf Unabhängigkeit vom Unternehmen und dessen Führung geachtet werden.
Die im Juni 2010 vorgestellte Version des Governance Kodex für Familienunternehmen ist eine Überarbeitung der ersten Ausgabe des Kodex aus dem Jahr 2004. Dafür wurden die ursprünglichen Vorgaben auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft und weiterentwickelt. Der Kodex ist weiterhin fokussiert auf Familien als Unternehmenseigentümer. Im Zentrum stehen Besonderheiten von Familienunternehmen, etwa die Frage, ob das Unternehmen auch operativ von den Inhabern geführt werden soll. Weitere Schwerpunkte sind die Nachfolgeplanung, die familieninternen Strukturen und die Ergebnisverwendung.