'Der Pfad führt aufwärts, aber er kann holprig werden'

Nach wie vor auf einem Wachstumspfad sieht Felix Kuhnert, Partner und Leiter des Bereichs Automotive bei PwC in Deutschland und Europa, die Automobilindustrie. Rund 108 Millionen Autos und Transporter könnten nach PwC-Analysen im Jahr 2018 weltweit von den Bändern rollen – ein Anstieg von über 35 Prozent gegenüber der Jahresproduktion von 74,7 Millionen Einheiten im Jahr 2011 und voraussichtlich 79,6 Millionen Einheiten im Jahr 2012. "Doch der Weg wird kein leichter sein", warnt PwC-Experte Kuhnert: "Automobilbauer müssen sicherstellen, dass sie jederzeit flexibel auf Konjunkturschwankungen reagieren können."

Im Gespräch mit Felix Kuhnert, Partner und Leiter des PwC-Bereichs Automotive in Deutschland und Europa


Felix Kuhnert

Berichte über mögliche Produktionskürzungen trübten die Vorfreude auf den Pariser Automobilsalon 2012, das PwC-Prognoseinstitut "Autofacts" sieht für den September 2012 in EU und EFTA um fast elf Prozent niedrigere Zulassungszahlen. Sind die guten Jahre für die Autobranche vorbei?

Felix Kuhnert: Trotz konjunktureller Risiken zeigen die Berechnungen unseres Prognoseinstituts Autofacts auch: Die weltweite Automobilproduktion hat das Potenzial, in den Jahren 2011 bis 2018 im Durchschnitt um 5,6 Prozent pro Jahr zu wachsen. Das Jahr 2012 dürfte der Tiefpunkt in Europa gewesen sein. Doch die Branche kann auf dieses Wachstum keinesfalls blind vertrauen.

Die Sorgen um die Konjunktur in Europa sind schließlich enorm...

Kuhnert: Auch wir sehen die erheblichen Downside-Risiken durch einen erneuten konjunkturellen Einbruch, den sogenannten Double-Dip. Das Wachstum der kommenden Jahre wird allerdings nach unseren Prognosen zu vier Fünfteln von den Emerging Markets getragen, gut 40 Prozent des Wachstums dürfte allein die Volksrepublik China beitragen.

Auch um Chinas Wirtschaftswachstum sorgen sich nicht wenige Beobachter...

Kuhnert: Deswegen müssen Autobauer sicherstellen, dass sie auf konjunkturelle Schwankungen jederzeit flexibel reagieren können. Sie müssen ihre Organisation jederzeit kurzfristig anpassen können, wenn die Nachfrage von den vorausgeplanten Szenarien abweicht. Autobauer brauchen detaillierte Frühwarnsysteme und Maßnahmenpläne, die sie immer wieder – rollierend – anpassen müssen. Ohne ein ausgefeiltes Financial Risk Management geht es nicht mehr.

Wie sind in einem solch volatilen und labilen Umfeld Investitionen denkbar, die in der Automobilindustrie ja immer langfristig angelegt sind?

Kuhnert: Es wird darauf ankommen, bei allen Investitionen die größtmögliche Flexibilität zu erreichen. Das bedeutet zum Beispiel auch, auf einer Plattform eine große Vielzahl von Architekturen bauen zu können und mit überschaubarem Aufwand zum Beispiel Sportwagenfans, Geländewagenfahrer und Anhänger ganz neuer Mischformen bedienen zu können.

Wie können sich Unternehmen aus der Automobilbranche Ihrer Ansicht nach fit machen – oder fit halten – für die kommenden volatilen Jahre?

Kuhnert: Vieles wird sich in den Nischen entscheiden; die Herausforderung wird darin bestehen, mit innovativen Konzepten neue Käuferschichten zu erschließen. Außerdem ausschlaggebend wird nach meiner Einschätzung die Qualität der Planung sein: Im engen Schulterschluss müssen CEO und Chief Financial Officer unterschiedliche Szenarien durchspielen und ihre jeweiligen Reaktionsmöglichkeiten ausloten. Flexibilität ist das Mittel der Wahl, mit dem sich Volatilität beherrschen lässt.