Euro-Krise trübt Stimmung der Firmenchefs

Die Euro-Krise bringt den weltweiten Konjunkturmotor ins Stocken. Nur 15 Prozent der Managerelite rechnet 2012 mit einer Verbesserung der Weltwirtschaft. Dagegen schätzen die Topmanager die Aussichten für ihr Unternehmen deutlich optimistischer ein, wie der CEO Survey 2012 von PwC zeigt.

Euro-Krise, hohe Staatsschulden, Rezessionsgefahr – die wirtschaftliche Lage ist 2012 von großer Ungewissheit geprägt. Das spiegelt sich in der Stimmung der Unternehmenschefs rund um den Globus wider. Die Hälfte der Topmanager geht 2012 von einer schwächeren wirtschaftlichen Dynamik aus, wie aus dem CEO Survey 2012 von PwC hervorgeht. Nur 15 Prozent der befragten 1.258 Firmenchefs rechnet mit einer positiven Entwicklung der Weltwirtschaft im laufenden Jahr.

Deutsche CE0s zeigen großen Optimismus

Dagegen bewerten die Topmanager die Perspektiven ihrer Unternehmen deutlich optimistischer. Immerhin 40 Prozent der Firmenchefs sind sehr zuversichtlich für das Wachstum der Umsätze im laufenden Jahr. In Europa sind allerdings nur 27 Prozent der Firmenchefs für 2012 positiv gestimmt. Sie fürchten negative Auswirkungen der Euro-Krise. Dafür präsentieren sich die deutschen Firmenchefs in guter Laune: Fast die Hälfte geht 2012 von einem Anstieg der Umsätze aus. "Das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit ist so groß, dass Deutschland zum Optimismus-Weltmeister avanciert", sagt Professor Dr. Norbert Winkeljohann, Sprecher des Vorstands von PwC Deutschland (siehe Interview).

Grafik 1: Wie zuversichtlich beurteilen Sie die Aussichten für das Umsatzwachstum Ihres Unternehmens innerhalb der nächsten 12 Monate?

Wie zuversichtlich beurteilen Sie die Aussichten für das Umsatzwachstum Ihres Unternehmens innerhalb der nächsten 12 Monate?

Geht es nach dem Stimmungsbild der deutschen Unternehmenschefs, spielen die aktuellen Unsicherheiten mittelfristig keine entscheidende Rolle mehr. Fast drei Viertel der deutschen Top-Manager schätzt die Umsatzentwicklung in den kommenden drei Jahren sehr positiv ein. Damit sind sie fast schon wieder so zuversichtlich wie im Vorjahr. Sie blicken wesentlich positiver in die Zukunft als die Konkurrenz rund um den Globus.

Grafik 2 : Wie zuversichtlich beurteilen Sie die Aussichten für das Umsatzwachstum Ihres Unternehmens innerhalb der nächsten 36 Monate?

Wie zuversichtlich beurteilen Sie die Aussichten für das Umsatzwachstum Ihres Unternehmens innerhalb der nächsten 36 Monate?

Auch die schnell wachsenden Schwellenländer sind von der Euro-Krise und einer möglichen Rezession betroffen. So fällt der Anteil der chinesischen Firmenchefs, die für 2012 sehr optimistisch sind, um mehr als 20 Prozentpunkte auf 51 Prozent. Nur noch 55 Prozent der indischen CEOs sind für das laufende Jahr sehr zuversichtlich – im Vorjahr waren es noch 88 Prozent. Für die Unternehmen bleiben die Schwellenländer zentrale Absatzmärkte: Die CEOs nannten als bedeutendstes Land für ihre Geschäftstätigkeit außerhalb der Heimatlandes mit 30 Prozent China. Deutschland rückte auf den fünften Platz vor.

Unternehmen wollen Präsenz in wichtigen Märkten ausbauen

70 Prozent der befragten CEOS gaben an, ihre Kundenbasis in wichtigen Märkten ausbauen zu wollen. Die Strategie besteht aber nicht darin, an einem Standort zu produzieren und die Produkte weltweit zu verkaufen. Der Trend geht zu Dezentralisierung und lokalen Angeboten für einzelne Märkte. So wollen 20 Prozent der befragten deutschen Firmenchefs spezielle Produkte für einzelne Märkte entwickeln und 39 Prozent Produkte und Dienstleistungen den jeweiligen Gegebenheiten anpassen. Im Fokus steht dabei die aufstrebende Mittelschicht in den Schwellenländern, die stark wächst und über steigende Kaufkraft verfügt.

Unternehmen stocken auch in der Krise Personal auf

Trotz der großen Unsicherheiten halten die CEOs an ihren Mitarbeitern fest. Die Zahl der Beschäftigten stieg bei jedem zweiten Unternehmen in den vergangenen Monaten. Der Trend hält auch dieses Jahr an: Trotz der Konjunktursorgen rechnet nur 18 Prozent der Topmanager mit einem Personalabbau 2012. Immerhin 63 Prozent der deutschen CE0s sorgen sich um die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte. Ein Engpass besteht in Deutschland vor allem bei Mitarbeitern für die Produktion und das mittlere Management. Daher wollen 88 Prozent der deutschen Unternehmenschefs gezielt in eigene Ausbildungsprogramme investieren. Auch die Rekrutierung von Personal außerhalb Deutschlands gewinnt in Zukunft an Bedeutung: 69 Prozent glauben an die Öffnung des weltweiten Arbeitsmarktes.