Wachstumsaussichten auf Vorjahresniveau

11 Januar, 2017

Die Prognosen der weltweiten Top-Manager für das Weltwirtschaftswachstum bleiben auf Vorjahresniveau. Deutschlands Vorstandsetagen sind mit Blick auf das globale Wirtschaftswachstum sogar noch ein bisschen optimistischer, die eigene wirtschaftliche Lage beurteilen sie im weltweiten Vergleich jedoch pessimistischer.

Im Gespräch mit Norbert Winkeljohann

Wie ist derzeit die Stimmung unter den CEOs weltweit?

Norbert Winkeljohann: Trotz aller Unsicherheiten sind 29 Prozent der Top-Manager weltweit zuversichtlich, dass die globale Wirtschaft im kommenden Jahr wächst. Das entspricht dem Niveau des Vorjahres. Die eigene Geschäftsentwicklung innerhalb der nächsten drei Jahre beurteilt jeder zweite CEO optimistisch. Zwei von fünf CEOs gaben an, sehr zuversichtlich zu sein, dass das eigene Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten wächst. Im vergangenen Jahr hatte das nur ein knappes Drittel der Vorstandschefs angegeben.

Wie sieht die Stimmungslage bei deutschen Vorstandschefs aus?

Winkeljohann: Bei der Beurteilung der Weltkonjunktur zeigen sich deutsche Manager im globalen Vergleich sogar noch etwas optimistischer: Ein knappes Drittel rechnet mit einer Belebung der Weltkonjunktur. Nur jeder Zehnte erwartet eine Rezession, weltweit rechnen 17 Prozent der Entscheider mit einem Rückgang.

 

 

Wie beurteilen die deutschen Vorstandschefs das Jahr 2017 im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage des eigenen Unternehmens?

Winkeljohann: Bei der Beurteilung der eigenen wirtschaftlichen Lage zeigen sich die deutschen Firmenlenker deutlich pessimistischer als der globale Durchschnitt: Nur ein knappes Drittel ist sehr zuversichtlich, in den kommenden zwölf Monaten Wachstum für sein eigenes Unternehmen erzielen zu können. Das sind sieben Prozentpunkte weniger als der globale Durchschnitt. Fast jeder Vierte äußert sich wenig oder überhaupt nicht zuversichtlich. Noch drastischer ist der Unterschied beim Drei-Jahres-Ausblick: Nur 27 Prozent der deutschen Top-Manager sind zuversichtlich, dass das eigene Unternehmen in den kommenden 36 Monaten wächst. Das sind 18 Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr und 24 Prozentpunkte weniger als im globalen Durchschnitt. Wie getrübt die Stimmung ist, zeigt auch, dass 88 Prozent der deutschen CEOs angaben, in den kommenden zwölf Monaten Kostensenkungsprogramme umsetzen zu wollen, weltweit sind es 62 Prozent.

Was bereitet den deutschen Firmenlenkern am meisten Sorgen?

Winkeljohann: Sorgen bereiten den deutschen Top-Managern vor allem geopolitische Unsicherheiten, Überregulierung, Protektionismus und die Zukunft der Eurozone. Für Unternehmer wird 2017 ein unsicheres Jahr. Was will Donald Trump? Löst sich Großbritannien wirklich vom Kontinent? Ist der Euro zu retten? All diese Unsicherheiten schlagen sich deutlich in den Ergebnissen nieder. Dennoch: Ein bisschen mehr Selbstvertrauen unter den deutschen Firmenlenkern wäre wünschenswert.

 

 

Wir gehen also schwierigen Zeiten entgegen?

Winkeljohann: Wir sind mittendrin, und das wird sich in diesem Jahr nicht ändern.

Der Global CEO Survey erscheint in diesem Jahr zum 20ten Mal. Was hat sich seit den Anfängen verändert?

Winkeljohann: In den zwei Jahrzehnten seit dem ersten PwC Global CEO Survey konnten 1 Milliarde Menschen aus tiefer Armut befreit werden. Die weltweiten Handelsströme haben sich vervierfacht, Kapitalströme verfünffacht. Und das Internet mutierte vom Nischendasein zum Motor des technologischen Fortschritts und der Globalisierung. Beides bringt die Welt zusammen. In jüngster Zeit wächst aber auch das Trennende. Seit 6-7 Befragungswellen von den CEOs vorhergesehen, jetzt wird es deutlich spürbar: Der Rückzug ins Nationale, kulturelle und politische Abschottung nehmen zu. Für globale Player ein echtes Problem.

 

 

Wo zeigt sich diese Skepsis?

Winkeljohann: Zweifel über ihren positiven Einfluss äußern Entscheider beispielsweise bei der Schließung der Lücke zwischen Arm und Reich, der Fairness globalen Steuerwettbewerbs und der Bekämpfung des Klimawandels und Ressourcenknappheit. Deutlich über die Hälfte der Befragten stimmen der These zu, dass es schwerer wird, die richtige Balance zwischen freiem und offenem globalem Handel einerseits und zunehmender nationaler Abschottung andererseits zu finden. In Deutschland stimmen der These sogar fast zwei Drittel aller Befragten zu. Gerade weil wir als Exportnation den Trend zur nationalen Abschottung mit Sorge sehen, sollten wir uns vorbehaltlos und in enger Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft für freie Märkte und offenen Austausch einsetzen.

Gibt es im CEO Survey auch Hinweise auf die Beschäftigungssituation?

Winkeljohann: Die Hälfte aller CEOs weltweit will im kommenden Jahr mehr Personal in ihrem eigenen Unternehmen einstellen. In Deutschland sind die CEOs etwas pessimistischer: 44 Prozent der CEOs planen, zusätzliche Stellen zu schaffen. Ein knappes Drittel (31 Prozent) der CEOs weltweit gab an, 2017 keine zusätzlichen Einstellungen vorzunehmen. Das entspricht auch der Einschätzung der deutschen CEOs (27 Prozent). Im globalen Vergleich rechnen mehr deutsche CEOs mit Stellenabbau: Ein knappes Drittel der deutschen Firmenlenker gab an, im kommenden Jahr Stellen abzubauen. Weltweit gaben das nur 16 Prozent an. Einig sind sich die Vorstandschefs darüber, dass Digitalisierung und innovative Technologien in Zukunft einen wesentlichen Einfluss auf das Personalwesen, insbesondere den Beschäftigungszahlen, von Unternehmen haben werden. Vier von fünf Befragten sind davon überzeugt, dass es in einigem oder sogar großem Umfang zu Jobverlusten kommen wird. Dieser Trend sollte von etablierten Volkswirtschaften wie Deutschland auch im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung gesehen werden.

In diesem Jahr wurden erstmals auch Konsumenten zu den zentralen Themen des CEO-Surveys befragt. Welche Einschätzung haben die Verbraucher?

Winkeljohann: In den kurzfristigen Wachstumserwartungen sind die Verbraucher sogar etwas optimistischer als die CEOs. Allerdings ist über die Hälfte der Befragten überzeugt, dass Wachstumsraten für ihr persönliches Wohlergehen unerheblich sind.

Contact us

Prof. Dr. Norbert Winkeljohann
Tel.: +49 69 9585-2432
E-Mail

Katharina Ruppel
PwC Communications
Tel.: +49 211 981-1907
E-Mail

Follow us