Viele Unternehmen betreten mit Cloud Computing Neuland. Worauf müssen sie bei der Einführung achten? Welche Abteilungen müssen zusammenarbeiten? PwC-Expertin Cordula Golkowsky kennt die Antworten.
Golkowsky: Bei Cloud-Computing-Projekten müssen mehrere Abteilungen übergreifend zusammenarbeiten. Denn Cloud Computing ist nicht nur eine Sache der IT. Auch Fachleute aus Bereichen wie zum Beispiel Vertragsgestaltung, Compliance, Datenschutz oder Informationssicherheit müssen eng kooperieren. Das ist allerdings noch zu selten der Fall. Nach einer Umfrage von PwC unter Cloud Providern haben drei Viertel der potenziellen Nutzer keine eigene Cloud-Strategie. Viele Unternehmen befinden sich noch in einer Art Experimentierstadium. Eine klare Strategie ist aber notwendig, damit Cloud Computing zum Erfolg führt und tatsächlich hilft, die geplanten Ziele wie beispielsweise Kostenreduktion, Business Agilität sowie verbesserte Time2Market und Innovationspotentiale zu erreichen. Der IT-Abteilung kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Sie steht in einer Beratungs- und Integrationsfunktion für das gesamte Unternehmen.
Golkowsky: Weil Cloud Computing viele Aspekte berührt, sollte ein Projektleiter die Arbeiten zentral koordinieren. Oft betreiben Nutzer Flickwerk. Sie initiieren nicht selten unterschiedliche Cloud-Projekte an verschiedenen Stellen einer Organisation, die oft nicht zusammenhängen oder gar Doppelaufwände verursachen. Dies steht dann dem eigentlichen Nutzen von Cloud Computing entgegen, weil Leistungen unkoordiniert bezogen und wichtige Aspekte wie Compliance oder Datenschutz nicht angemessen berücksichtigt werden. Um dem vorzubeugen, könnten Unternehmen die Stelle eines "Cloud Officers" einrichten. Er zeichnet sich durch eine klar definierte Aufgabe aus und stimmt den Bedarf der einzelnen Fachabteilungen mit der IT ab. Dabei bildet er eine Schnittstelle zu wichtigen Unterstützungsfunktionen wie Rechtsabteilung, IT-Sicherheit oder Corporate Compliance. In kleineren Unternehmen können diese Aufgaben beispielsweise von einem IT-Leiter übernommen werden.
Golkowsky: Zunächst sollten folgende Fragen geklärt werden: Welche Ziele möchte das Unternehmen erreichen? Welche Daten und Prozesse sollen in die Cloud verlagert werden und eignen sich diese dafür? Welche Anbieter stehen zur Auswahl und wie sollen diese gesteuert bzw. überwacht werden? Wie erfülle ich Datenschutz und Compliance-Vorgaben? Nach dieser gründlichen Analyse sollte eine Wirtschaftlichkeitsrechnung folgen, die Kosten und Nutzen beziffert. Wurde an alle notwendigen Voraussetzungen gedacht? PwC hat für Nutzer und Anbieter ein Reifegradmodell zur Positionsbestimmung entwickelt, das aufzeigt, welche Aufgaben noch zu erledigen sind, um Cloud Computing Gewinn bringend zu nutzen – beispielsweise im Hinblick auf Strategie, Compliance oder Datenschutz. Wir nennen dieses Reifegradmodell "Readiness4Cloud".
Golkowsky: Derzeit, das zeigen unsere Gespräche, verwenden Nutzer Cloud Computing hauptsächlich für Unterstützungsprozesse wie Einkauf, Personal, IT und Rechnungswesen. Reine branchenspezifische Lösungen sind aktuell noch kaum vorhanden.
Golkowsky: Den passenden Anbieter zu finden, ist nicht einfach. Gibt es doch unzählige Definitionen von Cloud Computing und zahlreiche Provider. Die Services am Markt sind derzeit nur schwer vergleichbar. PwC hat einen guten Überblick über den Markt und berät potenzielle Nutzer unabhängig. Wir ermitteln mit den potenziellen Nutzern ihre Anforderungen. Anschließend selektieren wir gemeinsam eine Reihe von geeigneten Anbietern und unterstützen auch bei Gesprächen und Verhandlungen mit Providern.
Cloud Computing verändert die IT-Landschaft. Doch worauf müssen Anbieter und Nutzer achten? Welche Besonderheiten gelten für Vertrag und Datenschutz? Verschaffen Sie sich einen Überblick, worauf es ankommt.