China kauft im Ausland ein – Deutsche Unternehmen rücken 2012 in den Fokus

Staatliche und private Investoren aus China bleiben im Ausland auf Einkaufstour. Der Gesamtwert der angekündigten Auslandsbeteiligungen erreichte 2012 mit mehr als 65 Milliarden US-Dollar einen Rekordstand. Deutlich häufiger engagierten sich chinesische Käufer in Europa und insbesondere in Deutschland. Über die Hintergründe und die weiteren Perspektiven sprechen die PwC-Experten Jens-Peter Otto und Volker Strack.

Jens-Peter Otto
Jens-Peter Otto

Der Gesamtwert der Fusionen, Beteiligungen und Unternehmenskäufe in China ist 2012 deutlich gesunken. Ist das 'Reich der Mitte' kein attraktiver Investitionsstandort mehr?

Jens-Peter Otto: Doch, für eine Beteiligung an chinesischen Unternehmen gibt es nach wie vor sehr gute Gründe. Derzeit kommen allerdings verschiedene Entwicklungen zusammen, die das Klima für Mergers & Acquisitions belasten. So hat das schwächere Wirtschaftswachstum in China die Konsolidierung im Inland verzögert. Zudem kommen weniger Impulse aus dem Ausland: Insbesondere europäischen Konzernen fehlen derzeit oft die Mittel, um neue Beteiligungen in China einzugehen. Mittelfristig werden wir aber mit Sicherheit wieder mehr Beteiligungen und höhere M&A-Volumina in China sehen.

In Europa und vor allem in Deutschland engagieren sich chinesische Investoren derzeit stärker denn je. Droht jetzt der oft befürchtete 'Ausverkauf'?

Otto: Diese Sorge halten wir für eine populistische Übertreibung. Das gesamte chinesische M&A-Volumen im Ausland hat 2011 um rund ein Drittel zugelegt, allerdings hat der Anstieg auch besondere Ursachen. So ist das Preisniveau in Europa im Zuge der Krise deutlich gesunken, was Beteiligungen aus chinesischer Sicht attraktiver gemacht hat. Zudem ist das Investitionsklima in Asien derzeit durch den "Inselstreit" zwischen China und Japan belastet, so dass derzeit auch aus politischen Gründen mehr Kapital für Investitionen in Europa verfügbar ist. In Deutschland gab es 2012 zwar mehr Deals als in jedem anderen europäischen Land, mit insgesamt 15 Transaktionen im Gesamtwert von rund 1,6 Milliarden Euro kann von einem 'Ausverkauf' aber wirklich keine Rede sein.

Volker Strack
Volker Strack

Volker Strack: Hinzu kommt, dass sich auch der Charakter der chinesischen Auslandsinvestitionen verändert. Bislang traten außerhalb Chinas vor allem Staatsfonds bzw. –unternehmen als Investoren auf, die sich nicht zuletzt aus geopolitischem Kalkül auf den Energie- und Rohstoffsektor konzentriert haben. Mittlerweile hat auch die Privatwirtschaft das Ausland entdeckt – chinesische Unternehmer kaufen Marken und Know-How in Nordamerika und Europa, um es auf den chinesischen Markt zu bringen. Mitunter sind die Produkte auch bereits vorhanden, und über die Akquisition soll der Marktzugang im Ausland gelingen.

Die konjunkturellen Perspektiven für die Weltwirtschaft sind 2013 eher verhalten. Wie wird sich das auf das M&A-Klima in China auswirken?

Strack: Wir gehen davon aus, dass sich das Konsolidierungstempo in China in den kommenden Monaten und Jahren steigert. Die chinesischen Auslandsbeteiligungen dürften das Rekordniveau von 2012 sogar wieder übertreffen. Denn erstens gibt es in vielen chinesischen Industriebranchen eindeutig Überkapazitäten, die durch Übernahmen oder Fusionen abgebaut werden könnten. Zweitens werden die führenden chinesischen 'Local Player' die Chance nutzen, durch Übernahmen im In- und Ausland zum 'Global Player' aufzusteigen, und drittens dürften sich bei fortschreitender wirtschaftlicher Erholung in Europa und den USA auch wieder mehr ausländische Konzerne für M&A in China interessieren.