Wir werden weiter mehr Fusionen und Übernahmen sehen

Die Kriegskassen der Unternehmen für Fusionen und Übernahmen scheinen gut gefüllt: "Schon im Jahr 2013 werden wir wieder so viele Fusionen und Akquisitionen sehen wie vor der Wirtschafts- und Finanzkrise", gibt sich Volker Strack, der bei PwC den Bereich "Transactions" leitet, optimistisch: Private-Equity-Häuser kehren an den Markt zurück - als Käufer und als Verkäufer - und Unternehmen schalten nach der Krise wieder auf Wachstum durch Zukäufe um, beobachtet er. "Der Rückstau löst sich auf", erklärt Volker Strack im Interview.


Volker Strack

Das Jahr 2010 lag in Deutschland mit etwa 450 Fusionen und Akquisitionen nur leicht über dem Niveau des Krisenjahres 2009. Trotzdem glauben Sie an Wachstum der Unternehmen und eine steigende Zahl von Fusionen und Übernahmen?

Volker Strack: Ja! Wir halten die Zahl von fast 570 Transaktionen im Jahr 2011 für möglich. Die Erholung des M&A-Markts, die sich im Jahr 2010 angedeutet hat, wird sich im laufenden Jahr fortsetzen.

Worauf stützen Sie diese optimistische Prognose?

Strack: Zum einen auf historische Erfahrungswerte: Die Gesamtwirtschaft wächst wieder, und in Wachstumsphasen versuchen Unternehmen, sich durch Zukäufe zu vergrößern. Regressionsanalysen früherer Aufschwungphasen zeigen zum Beispiel für die USA, dass eine Veränderung des Bruttoinlandsprodukts von einem Prozent einen Ausschlag von 10,6 Prozent bei den M&A-Aktivitäten auslöst. Zum anderen sehen wir, dass die Private-Equity-Häuser ihre Zurückhaltung abgelegt haben: Sie hatten lange ihre Portfolios stabil gehalten; für Verkäufe von Unternehmen in ihren Portfolios waren die Ausstiegsoptionen de facto verschlossen, für Zukäufe fehlten entsprechende Finanzierungsstrukturen. Dieser Rückstau löst sich derzeit auf und hat insbesondere zu Jahresbeginn zu einer erhöhten Aktivität der Finanzinvestoren geführt. Nach dieser ersten Welle beobachten wir im zweiten Quartal wieder eine gewisse Beruhigung. Es zeigt sich, dass der Markt noch nicht vollständig zu alten Rahmenbedingungen zurückgefunden hat. Dennoch bleiben wir für das Gesamtjahr 2011 optimistisch.

Kehren also mit dem Aufschwung auch die Finanzinvestoren zurück nach Deutschland?

Strack: Die Finanzierung ist für die Private-Equity-Häuser nicht mehr so einfach wie früher; Geldgeber der Private-Equity-Fonds akzeptieren die extremen Leverage ratios, die hohe Verschuldung bei geringem Eigenkapital, nicht mehr so einfach. Das dürfte die Aggressivität, für die manche Häuser bekannt waren, doch dämpfen. Das ändert nichts daran, dass Private-Equity-Firmen an den Markt zurückgekehrt sind und derzeit den Ton angeben. Dagegen sind strategische Investoren noch etwas zurückhaltender. Obschon die Kriegskassen vielfach gut gefüllt sind, ist die Aktivität sowohl auf Käufer- wie Verkäuferseite noch vergleichsweise verhalten.

Ist die wirtschaftliche Erholung denn schon stabil genug, um von einem nachhaltigen Anstieg der Deal-Aktivität auszugehen?

Strack: Viele Unternehmen erwirtschaften nach der Krise wieder gute Ergebnisse und verfügen über gefüllte Kriegskassen. Aber selbst in unserem Worst-Case-Szenario, dem sogenannten Double-Dip, rechnen wir langfristig noch mit einer steigenden Anzahl von Transaktionen. In diesem schlimmsten Fall gehen wir davon aus, dass die vielen staatlichen Konjunkturprogramme versagen, die Schuldenkrise und das Platzen einer Immobilienblase in China den Konjunkturhimmel wieder verdüstern und die Finanzinstitute ihre Kreditvergaben wieder deutlich zurückfahren. Sollte ein solches Szenario im Jahr 2011 eintreten, würden wir 2012 nochmal auf das Krisenniveau von 2009 zurückfallen, rechnen aber auch dann noch mit einer späteren Erholung. Wir glauben, es kann gar nicht so schlimm kommen, dass nicht wieder mehr Unternehmen Wachstum durch Fusionen und Übernahmen anstreben und Private-Equity-Häuser ihr anvertrautes Kapital investieren wollen.

In welchen Bereichen erwarten Sie die meisten Transaktionen?

Strack: Vor allem im Immobiliensektor und im Finanzbereich wird die Zahl der Transaktionen signifikant ansteigen. Daneben richten die Private-Equity-Häuser ihr Augenmerk auch auf Industrie- und Automobil-Unternehmen.

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