Deutschland wird bis 2050 im internationalen Vergleich zur ökonomischen Mittelmacht

06 Februar, 2017

Der deutsche Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung wird bis zur Jahrhundertmitte auf 2,0 Prozent sinken, prognostiziert die PwC-Studie „The World in 2050“ - 2040 werden die sieben größten Schwellenländer ungefähr doppelt so viel produzieren wie die G7-Staaten

Die deutsche Rolle in der Weltwirtschaft wird sich bis zur Mitte des Jahrhunderts dramatisch verändern. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „The World in 2050“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Demnach wird der deutsche Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung von derzeit 3,4 Prozent auf nur noch 2,0 Prozent sinken. Während die Bundesrepublik unter den weltgrößten Volkswirtschaften momentan Platz 5 belegt, könnte sie gemessen an der Kaufkraft bis 2050 auf Rang 9 abrutschen – noch hinter Ländern wie Mexiko oder Indonesien. Wie eklatant der Bedeutungsverlust sein wird, zeigt sich exemplarisch im Vergleich zu Indien: Aktuell ist das indische Bruttoinlandsprodukt gerade mal gut doppelt so hoch wie das deutsche. 2050 dürfte es siebenmal so groß sein.     

Die G7 werden ihren Namen schon bald nicht mehr verdienen

„Im relativen Abstieg Deutschlands spiegeln sich die tektonischen Verschiebungen, die wir in der Weltwirtschaft seit Jahren erleben – und die sich bis zur Mitte des Jahrhunderts noch einmal deutlich verstärken werden“, erklärt Norbert Winkeljohann, Vorstandssprecher von PwC in Deutschland. So produzierten die sieben großen Industrienationen Mitte der 1990er-Jahre noch doppelt so viele Waren und Dienstleistungen wie die sieben größten Schwellenländer. 2015 lagen die beiden Gruppen schließlich zum ersten Mal gleichauf. Und schon 2040 könnte sich das Verhältnis laut der PwC-Studie verkehrt haben. Die führenden Schwellenländer erzielen dann also zweimal so viel Output wie die G7. „Vor allem aufgrund des weiteren Aufstiegs Chinas und Indiens rechnen wir damit, dass die sieben führenden Emerging-Markets-Länder zur Jahrhundertmitte für die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung stehen. Die G7 dagegen werden nur noch gut ein Fünftel ausmachen“, sagt Winkeljohann.

Beim BIP pro Kopf bleiben die Industrieländer weit voraus

Während PwC für die großen Industrieländer bis 2050 mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 1,6 Prozent rechnet, dürften die führenden Emerging Markets im Schnitt um 3,5 Prozent zulegen. Das allerdings liegt nicht nur an deren steigender Produktivität, sondern vor allem am Bevölkerungswachstum – was eine höhere Nachfrage nach Gütern und ein größeres Arbeitskräftepotenzial mit sich bringt. Im Umkehrschluss heißt dies aber auch, dass die Schwellenländer, was die Wirtschaftsleistung pro Kopf angeht, hinter den klassischen Industrienationen zurückbleiben werden: „Auch wenn die ökonomische Bedeutung Deutschlands abnimmt, wird der Wohlstand weiter wachsen“, sagt Winkeljohann.

Deutschland als Vorbild für viele Schwellenländer

„Tatsächlich könnte das deutsche Wirtschaftsmodell für viele Schwellenländer in den kommenden Jahren sogar zum Vorbild werden“, glaubt Winkeljohann. So ist zu zum Beispiel die soziale Ungleichheit in China in den vergangenen 35 Jahren deutlich stärker gestiegen als hierzulande, zeigt die PwC-Studie. „Um ihre großen Potenziale auszuschöpfen und breite Bevölkerungsschichten am wachsenden Wohlstand partizipieren zu lassen, müssen die Emerging Markets ihre Investitionen in Technologie, Infrastruktur und vor allem Bildung deutlich ausweiten. In manchen dieser Bereichen können die Schwellenländer durchaus von Deutschland lernen – etwa was unser duales Ausbildungssystem betrifft“, so Winkeljohann.  

Klimafrage und demographischer Wandel als Schlüsselthemen

Überhaupt betont die PwC-Studie, dass das prognostizierte globale Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 2,5 Prozent bis 2050 entsprechende politische Maßnahmen voraussetzt: „Die langfristige Wirtschaftsleistung wird sich nur dann nachhaltig steigern lassen, wenn die Regierungen die großen globalen Herausforderungen entschieden angehen – also etwa den Klimawandel und den demographischen Wandel“, betont Winkeljohann. Zu einer vorausschauenden Politik gehöre die Förderung CO2-armer Technologien genauso wie zum Beispiel die Entwicklung neuer Konzepte für altersgerechte Arbeit.

Hintergründe zur Studie:

Für die PwC-Studie wurden insgesamt 32 Länder untersucht, die zusammen 85 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung ausmachen. Das BIP wurde anhand der Kaufkraft bemessen, weil sich damit eine bessere Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Ländern ergibt, als wenn die Wechselkurse zugrunde gelegt werden. Die grundsätzlichen Aussagen zu Deutschland haben allerdings unabhängig von diesem Konzept Bestand. Würde man das BIP an den Wechselkursen bemessen, stünde Deutschland unter den weltgrößten Volkswirtschaften zurzeit auf dem vierten statt auf dem fünften Platz – und würde der Prognose zufolge bis 2050 auf Platz 7 (statt auf Rang 9) zurückfallen.


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