„Mobile Payment in Deutschland braucht sichere und einfache In-App-Lösungen“

23 Mai, 2017

PwC hat den „Mobile Payment Report 2017 – What customers really want“ veröffentlicht. Die repräsentative Studie zeigt, welche Faktoren mobiles Bezahlen in Deutschland massenmarktfähig machen können. PwC-Partner und Customer Practice Leader Prof. Dr. Nikolas Beutin und Studien-Co-Autorin Dagmar Schadbach über den Hang der Deutschen zum Bargeld, Angst vor Datenmissbrauch und einen einheitlichen Standard als Bedingung für den Durchbruch des mobilen Bezahlens.

Was ist Mobile Payment?

Wo das bargeldlose Bezahlen von Produkten und Dienstlestungen heute möglich ist.

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Herr Prof. Beutin, fangen wir mal klein an: Ihre Studie zeigt, dass erst 13 Prozent der Smartphone-Nutzer in Deutschland Mobile Payment anwenden, obwohl mobiles Bezahlen schon seit 17 Jahren möglich ist. Wie erklären Sie das?

Nikolas Beutin: Unsere Studie zeigt klar, welche Hemmnisse der Verbraucher hat, wenn es um den Umstieg auf mobiles Bezahlen geht. Zwei Beispiele: 79 Prozent der Studienteilnehmer fürchten, dass ihre Daten gehackt und missbraucht werden könnten. Ihnen fehlt es – wie schon unsere Studien der vergangenen Jahren zeigten – immer noch an Vertrauen in den Datenschutz. Eine Mehrheit vermisst auch eine intuitive, schnelle, kostengünstige und integrierte Nutzbarkeit der Technologie in Apps, die weitere zusätzliche Services bieten.

Welche Art Services sind gemeint?

Nikolas Beutin: Zum Beispiel Rabatte, Gutscheine, Produktinformationen, Bewertungen, Store-Locator, Benutzerberichte, Chats, Onlineberatung, aber auch Geldtransfer- und Mobile-Banking-Funktionen. Um das große Potenzial von Mobile Payment in Deutschland heben zu können, sollten die Anbieter idealerweise zunächst einmal einen einheitlichen technologischen Standard entwickeln, wie es vor Jahren beispielsweise schon Girokarten- und Kreditkartenanbieter geschafft haben.

Ein einheitlicher Standard als Kooperationsprojekt im harten Wettbewerb um eine neue Technologie? Das klingt nach einer echten Herausforderung.

Dagmar Schadbach: Richtig, aber sie zu meistern würde sich lohnen. Denn 42 Prozent der Befragten, die Mobile Payment bislang noch ablehnen, wollen es nutzen, wenn die Bedingungen stimmen. Der fehlende Standard ist der größte Bremsklotz für den Durchbruch des mobilen Bezahlens. Die Verbraucher haben schließlich schon viele Mobile-Payment-Technologien und -Unternehmen kommen und gehen sehen, seit der erste Anbieter im Jahr 2000 auf den deutschen Markt kam. Der hohe Wettbewerbsdruck und das geringe Kundenwachstum zwangen viele aufzugeben.

Nikolas Beutin: Die Verbraucher in Deutschland sind wegen der starken Marktfragmentierung spürbar verwirrt, was dazu beiträgt, dass sie weiterhin viel lieber mit Giro- und Kreditkarten und vor allem mit Bargeld bezahlen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass noch 78 Prozent der Transaktionen im Einzelhandel mit Bargeld abgewickelt werden; das sind nur sechs Prozent weniger als 2008. Und auch unsere Studie zeigt, dass Bares immer noch die mit Abstand beliebteste Zahlungsform ist. Ein Vergleich: In Schweden werden nur noch etwa 20 Prozent der Einkäufe im Einzelhandel cash bezahlt.

Angenommen, die Anbieter schafften es, einen einheitlichen, schnellen und sicheren Mobile-Payment-Standard zu entwickeln: Wer hätte danach die größten Chancen am Markt?

Nikolas Beutin: Die Studie zeigt, dass Banken und Sparkassen bei den Verbrauchern das höchste Vertrauen genießen und dass Mobile Banking hoch im Kurs steht. Zudem haben die Banken durch ihre Kundenbasis wahrscheinlich die größtmögliche Reichweite.

Bei welchen Altersgruppen sehen Sie das größte Potenzial?

Dagmar Schadbach: Von den Befragten, die Mobile Payment bereits nutzen, ist fast die Hälfte 18 bis 35 Jahre alt. Dagegen bilden die über 35- bis 54-Jährigen die größte Gruppe unter den potenziellen Nutzern. Ganz klar: Wenn die Anbieter sich vor allem an den Wünschen dieser beiden Altersgruppen orientieren und ihnen ein integriertes mobiles Shopping-Erlebnis bieten, können sie Mobile Payment in Deutschland zu einem großen Erfolg machen.

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Prof. Dr. Nikolas Beutin
Customer Practice Leader PwC Europe
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Manager
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