Offshore-Windenergie kommt gewaltig in Fahrt

Die Nutzung der Offshore-Windenergie steht in diesem Jahr vor dem Durchbruch: Europaweit sollen bereits in zehn Jahren Hochseewindparks mit einer Gesamtleistung von 40 Gigawatt in Betrieb sein. Auch Deutschland wird seinen Beitrag zum Offshore-Boom leisten. Welche Teile der Wirtschaft von dem Aufschwung profitieren und welche Hindernisse dabei überwunden werden müssen, erläutert eine neue PwC-Studie.

Dabei wurde in dieser Untersuchung („Volle Kraft aus Hochseewind“) erstmals neben der Offshore-Windenergieindustrie im engeren Sinne die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigt – von der Anlagenplanung über die Finanzierung bis zu Montage und schließlich dem Rückbau. Auch Umsatz- und Beschäftigungseffekte in Zulieferbetrieben, deren Fokus nicht auf der Offshore-Windenergie liegt, sind in das Prognosemodell miteinbezogen worden.

Zu den Profiteuren des Booms zählen keineswegs nur die küstennahen Regionen. Derzeit arbeiten über 40 Prozent der Beschäftigten der Offshore-Windenergieindustrie in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Der Umsatzanteil dieser Länder liegt bei mehr als der Hälfte. Angesichts der starken Stellung der Flächenländer in der Zulieferindustrie für Offshore-Windkraftanlagen sollten diese in Zukunft auch überdurchschnittliche Umsatz- und Beschäftigungsgewinne verbuchen können.

Bundesländer profitieren auf unterschiedliche Weise von dem Boom

Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen

Auch belegt die Studie, dass Investitionen in die Offshore-Windenergie vor allem dem Mittelstand zugutekommen. Derzeit entfallen rund 90 Prozent der Wertschöpfung in der Branche auf kleine und mittelgroße Unternehmen. Insbesondere auf Ebene der Projektentwicklung und der Zulieferindustrie sowie bei Bau- und Serviceleistungen eröffnen sich dem Mittelstand weiterhin große Wachstumschancen.

Rahmenbedingungen müssen passen

"Trotz dieser erfreulichen Entwicklung darf indes nicht vergessen werden, dass die Branche dieses ehrgeizige Ziel nicht ohne politische Rückendeckung erreichen wird", erklärt Dr. Norbert Schwieters, Energy Leader Deutschland bei PwC.

Als wichtigste verbesserte politische Rahmenbedingung darf dabei die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gelten. Dank der erhöhten Einspeisevergütung hat dieses Gesetz schon in diesem Jahr das Potenzial, für einen forcierten Ausbau der Industrie zu sorgen. Derzeit gehen die befragten Marktteilnehmer im Durchschnitt davon aus, dass im Jahr 2021 vor Deutschlands Küsten Offshore-Windparks mit einer Gesamtleistung von 8,7 Gigawatt installiert sein werden.

Überproportionale Umsatzsteigerung

Kommt es zu diesem Ausbauniveau, rechnet die Studie mit einem deutschlandweiten Gesamtumsatz von rund 22,4 Milliarden Euro (2021). Dabei steigen die Umsätze die kommenden Jahre aufgrund der gewaltigen Anlaufinvestitionen nicht gleichmäßig, sondern in den ersten fünf Jahren überproportional um jährlich mehr als 20 Prozent. Insgesamt ist die Offshore-Dividende in diesem Wachstum breit gestreut. Neben der geografischen Streuung, können auch verschiedenste Wirtschaftszweige profitieren. Dennoch ist der wichtigste Wertschöpfungsbereich der Offshore-Windenergieindustrie der Anlagenbau. Und: Etwa 70 Prozent der Offshore-Windenergieindustrie zählen zum Mittelstand.

 
 

Bis zum Jahr 2016 wird der Umsatz der deutschen Offshore-Windenergieindustrie auf gut 17,8 Milliarden Euro steigen und sich damit gegenüber 2010 verdreifachen. Nicht berücksichtigt sind die Einnahmen aus der Einspeisevergütung.

 
 

Deutlich zu erkennen ist die dominierende Bedeutung der Anlagenfertigung. Um eine Million Euro Umsatz zu erwirtschaften, sind hier in der Regel ca. viermal so viele Mitarbeiter notwendig wie in der Projektplanung und -entwicklung. Ebenfalls personalintensiv, aber mit deutlich geringerem Umsatzvolumen sind die Wertschöpfungsstufen Transport, Montage und Netzanbindung.

Nach dem massiven Beschäftigungszuwachs bis 2016 wird sich die Entwicklung bis 2021 verlangsamen. In diesem Zeitraum werden voraussichtlich weitere rund 8.700 Arbeitsplätze entstehen. Für den Betrieb eines fertigen Windparks werden nur etwa 20 bis 50 Personen benötigt, sodass auf der Wertschöpfungsstufe Betrieb und Instandhaltung ein Personalzuwachs von gut 1.000 Beschäftigten im Jahr 2016 auf knapp 2.300 im Jahr 2021 zu erwarten ist.

 
 

Damit die Branche indes in den kommenden Jahren derart erfolgreich agieren kann, gilt es noch einige Investitionsrisiken zu umschiffen:

  • Finanzierungsrisiken: Derzeit sind an der Finanzierung eines Windparks bis zu 16 Banken beteiligt. Die Größe der Kreditgeberkonsortien führt zu Abstimmungsproblemen und entsprechenden Verzögerungen bei der Projektumsetzung.
  • Infrastruktur: Die für den Bau von Offshore-Windparks notwendige Infrastruktur stellt einen möglichen Engpass dar. Spezialschiffe für Transport und Montage der Anlagen und deren Komponenten sind knapp und teuer. Das gilt auch für die erforderlichen Hafenkapazitäten
  • Personal: Die angestrebten Ausbauziele lassen sich zudem nur mit ausreichend verfügbarem, qualifiziertem Personal erreichen. Bis 2021 benötigt die Branche Tausende zusätzliche Fachkräfte
  • Bürokratie: Schließlich behindern auch einige verwaltungstechnische Hürden und bürokratische Auflagen den zügigen Ausbau

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg hat sich bereits ein starkes Windenergie-Netzwerk entwickelt – das weiter wächst. Besondere Stärken liegen zudem in der Zulieferindustrie.

Bayern

Der Umsatz aus der Anlagenfertigung beziehungsweise Zulieferung wird in Bayern auf mehr als 1,2 Milliarden Euro und über 5.000 Beschäftigte steigen.

Berlin

Berlin erfreut sich einer hohen Zahl von Service- und Beratungsunternehmen. Ansonsten sind Umsatz und Beschäftigung dort eher gering.

Brandenburg

In Brandenburg haben erst wenige Unternehmen die Chancen der Offshore-Windenergie erkannt. Sowohl Umsatz als auch Beschäftigtenanzahl sind hier von geringer Bedeutung.

Bremen

Die überwiegend mittelständisch geprägten Marktteilnehmer in Bremen beschäftigten deutlich über 1.500 Menschen. Insbesondere in Bremerhaven finden sich wesentliche Hersteller von Anlagen und Komponenten (Fundamente, Rotorblätter) sowie zahlreiche Marktteilnehmer, die weite Teile der Wertschöpfungskette abdecken.

Hamburg

Die Nähe zu Nord- und Ostsee kommt Hamburg zugute. Bei den Marktteilnehmern der Hansestadt sind mehr als 1.800 Menschen beschäftigt, die einen Umsatz von über 550 Millionen Euro generieren.

Hessen

Mehr als 800 Menschen arbeiten in Hessen in der Offshore-Windenergie und erwirtschaften einen Umsatz von über 330 Millionen Euro. Hier sind vor allem die Zulieferindustrie sowie der Bankensektor stark vertreten.

Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern verfügt allgemein über eine verhältnismäßig geringe Dichte an Industrieunternehmen. Dennoch findet sich in der Offshore-Windenergie eine Vielzahl von Marktteilnehmern (insbesondere in der Region Rostock) aufgrund des Zuganges zur Ostsee.

Niedersachsen

In dem traditionell stark in der Windenergie vertretenen Bundesland Niedersachsen wird die gesamte Wertschöpfungskette von einer Vielzahl von Marktteilnehmern abgedeckt. Aktuell sind dort mehr als 2.000 Menschen beschäftigt und die Unternehmen dort setzen über 800 Millionen Euro um.

Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen: Das bevölkerungsreichste Bundesland ist ein traditionell starker Industriestandort und Heimat einer Vielzahl von Zulieferbetrieben in der Offshore-Windenergie. Die Marktteilnehmer in dem Bundesland generieren einen Umsatz von mehr als 1,2 Milliarden Euro.

Rheinland-Pfalz

Insgesamt sind in Rheinland-Pfalz rund 300 Menschen in der Offshore-Windenergie beschäftigt, sie generieren einen Umsatz von über 90 Millionen Euro. Besonders stark hier: die Zulieferindustrie.

Saarland

Saarland: Hier finden sich nur wenige Marktteilnehmer in der Offshore-Windenergie. Allerdings: Vor allem die Turm- und Fundamenthersteller beziehen ihre Rohprodukte häufig aus dem kleinsten Flächenland Deutschlands. Rund 700 Beschäftigte erwirtschaften einen Umsatz von mehr als 300 Millionen Euro.

Sachsen

In Sachsen gehört die Offshore-Windenergie zu einer marginalen Branche. Sie beschäftigt insgesamt nur knapp 100 Mitarbeiter und erzielt mit rund elf Millionen Euro weniger als einen Prozent des gesamten Umsatzes der deutschen Offshore-Windindustrie.

Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt ist neben der dominanten Zulieferindustrie vor allem der Dienstleistungssektor als starke Sparte in der Offshore-Windenergie zu nennen. Die Anzahl der Beschäftigten liegt über 250 und der Umsatz beträgt mehr als 180 Millionen Euro.

Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein ist das einzige Bundesland mit Zugang zu beiden deutschen Meeren. Obwohl die gesamte Wertschöpfungskette abgedeckt wird, beschäftigt eine geringe Anzahl von Industriebetrieben lediglich rund 400 Menschen in der Offshore-Windenergie, die einen Umsatz von über 140 Millionen Euro generieren.

Thüringen

In Thüringen gibt es nur wenige Marktteilnehmer in der Offshore-Windenergie. Die in der Branche aktiven sind entweder Zulieferer oder Serviceunternehmen die insgesamt einen Umsatz von 14 Millionen Euro erzielen und knapp 100 Mitarbeiter beschäftigen.

Offshore-Windenergie kommt gewaltig in Fahrt

Die Nutzung der Offshore-Windenergie steht in diesem Jahr vor dem Durchbruch: Europaweit sollen bereits in zehn Jahren Hochseewindparks mit einer Gesamtleistung von 40 Gigawatt in Betrieb sein. Auch Deutschland wird seinen Beitrag zum Offshore-Boom leisten. Welche Teile der Wirtschaft von dem Aufschwung profitieren und welche Hindernisse dabei überwunden werden müssen, erläutert eine neue PwC-Studie.

Dabei wurde in dieser Untersuchung („Volle Kraft aus Hochseewind“) erstmals neben der Offshore-Windenergieindustrie im engeren Sinne die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigt – von der Anlagenplanung über die Finanzierung bis zu Montage und schließlich dem Rückbau. Auch Umsatz- und Beschäftigungseffekte in Zulieferbetrieben, deren Fokus nicht auf der Offshore-Windenergie liegt, sind in das Prognosemodell miteinbezogen worden.

Zu den Profiteuren des Booms zählen keineswegs nur die küstennahen Regionen. Derzeit arbeiten über 40 Prozent der Beschäftigten der Offshore-Windenergieindustrie in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Der Umsatzanteil dieser Länder liegt bei mehr als der Hälfte. Angesichts der starken Stellung der Flächenländer in der Zulieferindustrie für Offshore-Windkraftanlagen sollten diese in Zukunft auch überdurchschnittliche Umsatz- und Beschäftigungsgewinne verbuchen können.

Hier kommt die Deutschlandkarte rein.

Auch belegt die Studie, dass Investitionen in die Offshore-Windenergie vor allem dem Mittelstand zugutekommen. Derzeit entfallen rund 90 Prozent der Wertschöpfung in der Branche auf kleine und mittelgroße Unternehmen. Insbesondere auf Ebene der Projektentwicklung und der Zulieferindustrie sowie bei Bau- und Serviceleistungen eröffnen sich dem Mittelstand weiterhin große Wachstumschancen.

Rahmenbedingungen müssen passen

"Trotz dieser erfreulichen Entwicklung darf indes nicht vergessen werden, dass die Branche dieses ehrgeizige Ziel nicht ohne politische Rückendeckung erreichen wird", erklärt Dr. Norbert Schwieters, Energy Leader Deutschland bei PwC.

Als wichtigste verbesserte politische Rahmenbedingung darf dabei die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gelten. Dank der erhöhten Einspeisevergütung hat dieses Gesetz schon in diesem Jahr das Potenzial, für einen forcierten Ausbau der Industrie zu sorgen. Derzeit gehen die befragten Marktteilnehmer im Durchschnitt davon aus, dass im Jahr 2021 vor Deutschlands Küsten Offshore-Windparks mit einer Gesamtleistung von 8,7 Gigawatt installiert sein werden.

Überproportionale Umsatzsteigerung

Kommt es zu diesem Ausbauniveau, rechnet die Studie mit einem deutschlandweiten Gesamtumsatz von rund 22,4 Milliarden Euro (2021). Dabei steigen die Umsätze die kommenden Jahre aufgrund der gewaltigen Anlaufinvestitionen nicht gleichmäßig, sondern in den ersten fünf Jahren überproportional um jährlich mehr als 20 Prozent. Insgesamt ist die Offshore-Dividende in diesem Wachstum breit gestreut. Neben der geografischen Streuung, können auch verschiedenste Wirtschaftszweige profitieren. Dennoch ist der wichtigste Wertschöpfungsbereich der Offshore-Windenergieindustrie der Anlagenbau. Und: Etwa 70 Prozent der Offshore-Windenergieindustrie zählen zum Mittelstand.

Bis zum Jahr 2016 wird der Umsatz der deutschen Offshore-Windenergieindustrie auf gut 17,8 Milliarden Euro steigen und sich damit gegenüber 2010 verdreifachen. Nicht berücksichtigt sind die Einnahmen aus der Einspeisevergütung.

Deutlich zu erkennen ist die dominierende Bedeutung der Anlagenfertigung. Um eine Million Euro Umsatz zu erwirtschaften, sind hier in der Regel ca. viermal so viele Mitarbeiter notwendig wie in der Projektplanung und -entwicklung. Ebenfalls personalintensiv, aber mit deutlich geringerem Umsatzvolumen sind die Wertschöpfungsstufen Transport, Montage und Netzanbindung.

Nach dem massiven Beschäftigungszuwachs bis 2016 wird sich die Entwicklung bis 2021 verlangsamen. In diesem Zeitraum werden voraussichtlich weitere rund 8.700 Arbeitsplätze entstehen. Für den Betrieb eines fertigen Windparks werden nur etwa 20 bis 50 Personen benötigt, sodass auf der Wertschöpfungsstufe Betrieb und Instandhaltung ein Personalzuwachs von gut 1.000 Beschäftigten im Jahr 2016 auf knapp 2.300 im Jahr 2021 zu erwarten ist.

Damit die Branche indes in den kommenden Jahren derart erfolgreich agieren kann, gilt es noch einige Investitionsrisiken zu umschiffen:

  • Finanzierungsrisiken: Derzeit sind an der Finanzierung eines Windparks bis zu 16 Banken beteiligt. Die Größe der Kreditgeberkonsortien führt zu Abstimmungsproblemen und entsprechenden Verzögerungen bei der Projektumsetzung.
  • Infrastruktur: Die für den Bau von Offshore-Windparks notwendige Infrastruktur stellt einen möglichen Engpass dar. Spezialschiffe für Transport und Montage der Anlagen und deren Komponenten sind knapp und teuer. Das gilt auch für die erforderlichen Hafenkapazitäten
  • Personal: Die angestrebten Ausbauziele lassen sich zudem nur mit ausreichend verfügbarem, qualifiziertem Personal erreichen. Bis 2021 benötigt die Branche Tausende zusätzliche Fachkräfte
  • Bürokratie: Schließlich behindern auch einige verwaltungstechnische Hürden und bürokratische Auflagen den zügigen Ausbau