Positive Prognosen für Erneuerbare Energien

Die Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien ist einer der wirtschaftlichen Megatrends mit erheblichen Chancen für die deutsche Wirtschaft. So stammten im Jahr 2011 bereits 12,2 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs aus Erneuerbaren Energien - mehr als zweieinhalb Mal so viel wie im Jahr 2000. Mit dem Betrieb von Anlagen mit Erneuerbaren Energien wurden im Jahr 2011 mehr als 13 Milliarden € umgesetzt und die Branche beschäftigt heute über 380.000 Menschen. Eine der wesentlichen Ursachen dieser Entwicklung ist das Erneuerbare Energien Gesetz mit seinem Vorrang für Strom aus Erneuerbaren Energien in Form eines Anschlusszwangs und mit festgelegten Vergütungssätzen für in das Netz eingespeiste Leistung.

Im Gespräch mit Henning Hönsch

Henning Hönsch
Henning Hönsch

Wie werden die Erneuerbaren Energien sich weiter entwickeln?

Henning Hönsch: Alle Prognosen für die Erneuerbaren Energien sind zumindest mittelfristig sehr positiv. Im Einzelnen ist dabei allerdings nach den verschiedenen Energiesektoren Strom, Wärme sowie Kraftstoffe, nach den Regionen und nach den Erzeugungsarten zu unterscheiden. In Deutschland will die Bundesregierung im Jahr 2020 beispielsweise 35 Prozent des Stroms aus Wasser, Wind, Sonne und Biomasse erzeugen. Mitte 2011 stammten erstmals 20 Prozent der Elektrizität von Erneuerbaren Energien. Interessant ist dabei, dass die Bundesregierung neben einem starken Ausbau der Leistungskapazitäten sowohl der Onshore- (rund 8 GW) als auch der Offshore-Windkraft (rund 10 GW) entgegen mancher politischer Stellungnahme auch klar auf die Photovoltaik (rund 30 GW) setzt. Im Zuge der letzten Anpassung der EEG Vergütung der Photovoltaik hat die Bundesregierung eine Förderung dieser Erzeugungsart bis zu einer installierten Leistung von 52 GW festgeschrieben und damit einen zusätzlichen Zubau von rund 25 GW einkalkuliert.

Welchen Herausforderungen sieht sich der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland gegenüber?

Henning Hönsch: Technisch stehen die Speicherung des volatil erzeugten Wind- und Photovoltaik-Stroms sowie der damit verbundene Netzausbau im Vordergrund. An der Schnittstelle von Technik und Betriebswirtschaft liegt der weiterhin hohe Kostendruck, wobei hier zwischen den verschiedenen Erzeugungsarten erhebliche Unterschiede bestehen. Der Effizienzzwang resultiert dabei nicht nur aus der kontinuierlich sinkenden Einspeisevergütung für Strom aus Erneuerbaren Energien, sondern auch aus dem sehr hohen Wettbewerbsdruck, dem die deutschen Unternehmen ausgesetzt sind. Hinzu treten Themen wie Recruiting von Fachkräften sowie die Finanzierung. So rechnet die Bundesregierung allein für den Ausbau der Leistungskapazitäten im Stromsektor (ohne Netzkosten) mit einem jährlichen Investitionsvolumen von rund 20 Milliarden. Das ist eine gewaltige Summe. Dass sie erreichbar ist, zeigt allerdings die bisherige Entwicklung. So flossen im Jahr 2010 rund 25 Milliarden Euro in neue Kapazitäten zur Stromerzeugung mit Erneuerbaren Energien, davon allerdings 19,5 Milliarden Euro allein in Photovoltaik. So flossen im Jahr 2011 rund 22,9 Milliarden Euro in neue Kapazitäten zur Stromerzeugung mit Erneuerbaren Energien, davon allerdings 15 Milliarden Euro allein in Photovoltaik. Verschärft sich die aktuelle Wirtschaftskrise wird die Finanzierung von Unternehmen und Projekten der Erneuerbaren Energien natürlich nicht einfacher.

Wie unterstützt PwC die Unternehmen der Erneuerbaren Energien dabei, ihre Herausforderungen zu meistern?

Henning Hönsch: Wir begleiten Unternehmen vom Einstieg in die Erneuerbaren Energien etwa durch Marktstudien, über die betriebswirtschaftliche, steuerliche und rechtliche Strukturierung von Projekten der Erneuerbare Energien beziehungsweise von Unternehmenserwerben in diesem Bereich bis zu der Veräußerung der Projekte oder von Gesellschaften. Natürlich sind wir auch bei einer Vielzahl von Unternehmen der Erneuerbaren Energien Abschlussprüfer. Unter unseren Kunden befinden sich dabei Unternehmen aller Wertschöpfungsstufen, seien es etwa Energieversorgungsunternehmen, Projektierer, Produzenten oder Finanzierer. Um unseren Kunden den höchst möglichen Nutzen zu bieten, haben wir ein Renewable Energy - Center of Excellence gebildet, indem wir uns über die neuesten Entwicklungen und unsere Erfahrungen austauschen. Beispielsweise diskutieren alle Prüfer von Photovoltaik-Unternehmen regelmäßig über besondere Bilanzierungsthemen der Branche wie etwa die Bewertung von Photovoltaik-Modulen oder die Gewinnvereinnahmung nach der internationalen Rechnungslegungsvorschrift IAS 11 bei kundenspezifischer Fertigung. Dem Center gehören mittlerweile mehr als 160 Kolleginnen und Kollegen an. Dabei stellt sich immer wieder heraus, wie breit unser Erfahrungsschatz ist und mit welcher Begeisterung die Kolleginnen und Kollegen für die Unternehmen der Erneuerbaren Energien tätig werden.