Der weltweite Photovoltaikmarkt ist in den letzten zehn Jahren enorm gewachsen. Der wichtigste Absatzmarkt und eine sehr starke Solarindustrie finden sich aktuell in Deutschland. Durch zunehmende internationale Konkurrenz und gesenkte Einspeisevergütungen steht die deutsche Photovoltaikindustrie heute jedoch am Scheideweg: Schafft sie es, ihre bisherige Vorreiterrolle zu bewahren oder gelingt ihr der hierfür notwendige Anpassungsprozess nicht? PwC hat die langfristigen Herausforderungen für die deutsche Solarindustrie entlang der Wertschöpfungskette in einer Studie systematisch analysiert.
Die Entwicklung und der Ausbau der erneuerbaren Energien und damit auch des Photovoltaik-Marktes stellen ein Kernelement der energiepolitischen Strategie Deutschlands dar. Durch die Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) konnte die Bundesregierung Rahmenbedingungen schaffen, die eine auf allen Wertschöpfungsstufen leistungsfähige und erfolgreiche Photovoltaik-Industrie entstehen ließen.
Nach wie vor setzt die Politik ehrgeizige Ziele. So sieht beispielsweise der am 4. August 2010 vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit veröffentlichte aktuelle nationale Aktionsplan für erneuerbare Energien vor, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Energiebedarf in Deutschland bis zum Jahr 2020 von aktuell circa zehn auf 19,6 Prozent und damit über den verbindlich im Rahmen der EU-Richtlinie 2009/28/EG vorgeschriebenen nationalen Wert von 18 Prozent wachsen soll. Perspektivisch soll der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter vorangetrieben werden und langfristig sollen sie den Hauptteil der Energieversorgung übernehmen.
Der Photovoltaik-Markt hat in den letzten zehn Jahren bei sehr hohen Wachstumsraten weltweit enorm an Bedeutung gewonnen. Den wichtigsten Markt stellte dabei mit Marktanteilen von ab 2004 zumeist um die 50 Przent oder darüber der deutsche Markt dar.
Die deutschen Unternehmen der Photovoltaik-Branche haben dabei bedeutende Aufbauarbeit geleistet. Es gelang nicht nur, Deutschland zum weltweit bedeutendsten Absatzmarkt für Photovoltaik-Produkte zu machen, sondern binnen weniger Jahre entstand eine Industrie, die mittlerweile international aktiv ist. Die starke Marktposition wird jedoch in den letzten zwei Jahren zunehmend durch verschärfte internationale Konkurrenz, insbesondere aus Asien und den USA, in Frage gestellt.
In dieser Situation und angesichts der Änderung des EEG zum 1. Juli 2010 müssen die deutschen Photovoltaik-Unternehmen auf allen Wertschöpfungsstufen über bereits realisierte Preissenkungen und Effizienzsteigerungen hinaus zusätzliche Anstrengungen leisten, um bei den nun sinkenden Vergütungen auch zukünftig rentabel arbeiten zu können.
Damit steht die deutsche Photovoltaik-Industrie am Scheideweg: Schafft sie es, trotz der zunehmenden Wettbewerbsintensität sowie den im EEG beschlossenen Kürzungen der Vergütungssätze durch weitere Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen ihre viel beachtete Vorreiterrolle zu halten oder auszubauen und dabei ihr hohes Qualitätsniveau zu wahren oder gelingt der Anpassungsprozess nicht und führt die Kürzung der Vergütung zu einer Stagnation oder sogar zu einem zumindest kurz- bis mittelfristigen Einbruch auf dem Photovoltaik-Markt?
Vor diesem Hintergrund hat PwC die durch die Änderung des EEG bewirkten langfristigen Herausforderungen und Chancen für die deutsche Photovoltaik-Industrie systematisch untersucht.
Das Ziel der vorliegenden Studie ist es, differenziert nach einzelnen Wertschöpfungsstufen und für unterschiedliche Technologien, eine systematische Markteinschätzung zu gewinnen und ein Stimmungsbarometer der deutschen Photovoltaik-Branche abzubilden. Dafür wurden die einzelnen Teilmärkte untersucht sowie die Bedeutung der deutschen Photovoltaik-Branche darin. Weiterhin wurde im Rahmen von fast 40 Experteninterviews ein intensiver Dialog und Informationsaustausch mit hochrangigen Vertretern von Unternehmen der Photovoltaik-Branche sowie mit Investoren und Banken geführt.
Die deutsche Photovoltaik-Branche am Scheideweg
Herausforderungen und Chancen für Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette
Dr. Peter Claudy
Michaela Gerdes
Janosch Ondraczek
PricewaterhouseCoopers AG WPG
Oktober 2010
110 S.
DIN A4