Gestaltungsmaßnahmen bei der Neuvergabe von Konzessionen: Auswirkung auf die Bilanzierung

Rund 20.000 Konzessionsverträge für Strom- und Gasnetze werden bundesweit in den kommenden Jahren auslaufen. Gleichzeitig ist ein Trend zur Rekommunalisierung zu beobachten. Für Kommunen stellt sich die Frage, ob sie weiterhin Konzessionen an Dritte vergeben, den Netzbetrieb vollständig selbst übernehmen oder als Mittelweg ein Kooperationsmodell wählen. Auch für die bisherigen Netzbetreiber stellt sich die Frage, wie sie sich bei der Neuvergabe bestmöglich aufstellen. Dabei sollten neben geschäftspolitischen Zielsetzungen auch juristische, energiewirtschaftsrechtliche, steuerliche, prozessuale und bilanzielle Fragestellungen beachtet werden

Kooperationsmodelle

Im Zusammenhang mit der Neuordnung des Strom- und Gasnetzbetriebs gibt es verschiedenartig ausgestaltete Kooperationslösungen.

  1. Häufig wird eine Netzeigentumsgesellschaft gegründet, deren Gesellschafter der bisherige Netzbetreiber sowie die jeweilige Kommune sind. Die Kommune schließt mit dieser Netzeigentumsgesellschaft einen Konzessionsvertrag über das Netz ab. Die Netzanlagen werden vom bisherigen Netzbetreiber an die Netzeigentumsgesellschaft veräußert, die diese dann an den bisherigen Netzbetreiber zurückpachtet.
  2. Neben diesem Grundmodell sind eine Vielzahl an Varianten wie beispielsweise Beteiligungsquoten in unterschiedlicher Höhe und disquotale Einlagen, Finanzierungsvereinbarungen zwischen den Gesellschaftern, Abschluss von Betriebs- und Dienstleistungsverträgen, Einlagen von Drittnetzen und Angebot verschiedenster Serviceleistungen denkbar. Hierdurch können höchstkomplexe Kooperationsmodelle entstehen.

Bilanzierungsfragen heute und morgen

Je nach gewähltem Modell können die bilanziellen Folgen andere sein. Insbesondere stellt sich die Frage, wer nun die Netzanlagen und deren Finanzierung zu bilanzieren hat:

  • Erfolgt die Bilanzierung im Rahmen der Konsolidierung der Netzeigentumsgesellschaft oder im Wege eines Finanzierungsleasings?
  • Welche Auswirkungen hat ein Sale-and-Leaseback auf die Erfolgsrealisierung?
  • Mit der Veränderung der Struktur von Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung ändern sich meist auch wichtige Steuerungskennzahlen der Unternehmen - das wiederum könnte Auswirkungen auf Covenants, Vergütungssysteme etc. haben.

Neben HGB stellt insbesondere auch die Bilanzierung nach IFRS, die in der Regel zu einem anderen Ergebnis als HGB kommt, die Unternehmen vor Herausforderungen. Ziel ist, dass das Ergebnis für beide Parteien optimal ist, wobei sich die Kommunen nur auf HGB beziehen und die Netzebertreiber teilweise beide Rechnungslegungswerke zu berücksichtigen haben. Wichtige Bilanzierungsregeln nach IFRS wie die Regeln zu Konsolidierung, Joint Arrangements und Leasing sind derzeit auf dem Prüfstand des IASBs. Greifen künftig die Konsolidierungsregeln nicht, hat das pachtende Unternehmen nach den derzeitigen Entwürfen in jedem Fall ein Nutzungsrecht sowie eine Zahlungsverpflichtung in die Bilanz zu nehmen.

Frühzeitige Analyse verschafft Handlungsspielräume

Sind die Verträge erst einmal abgeschlossen, ist es oft zu spät, negative Folgen auf die bilanzielle Darstellung, die künftige Ergebnisentwicklung und auf bedeutende Kennzahlen zu verhindern. Hierzu gehört unter anderem eine umfassende Analyse der geschäftspolitischen Vorgaben, der relevanten Steuerungsgrößen und deren Auswirkungsbereiche sowie der bisherigen und künftigen Bilanzierungsregeln. PwC-Experten helfen, diese Effekte im Detail zu analysieren und Handlungsalternativen zu finden. Dies ermöglicht Unternehmen, die Effekte aus solchen Transaktionen frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Darüber hinaus gewinnen sie Planungssicherheit, weil die zu erwartenden Effekte auf Bilanz und Kennzahlen frühzeitig analysiert werden.