Viele Gasversorgungsunternehmen sehen sich einer ständig steigenden Wettbewerbsdynamik ausgesetzt, sodass eine Professionalisierung der Gasbeschaffung essenziell wichtig wird. PwC bietet mit dem Gas Risk Manager (GRM) eine Lösung für die Unternehmen, die ihre Gasbeschaffung im Hinblick auf die neuen Rahmenbedingungen wie Wettbewerbsintensivierung, Netzzugangsmodell, Bilanzkreisanforderungen und wachsende Bedeutung der Handelsmärkte neu ausrichten wollen. Diese Fallstudie beschreibt eine Variante entsprechender Projekte.
Der Kunde ist ein lokaler Gasversorger, der rund 15.000 Haushalts- und Industriekunden jährlich mit 950 Millionen Kilowattstunden (kWh) Gas beliefert und bisher einen langfristigen Beschaffungsvertrag abgeschlossen hatte. Gegen Ende der Vertragslaufzeit wandte sich der Kunde mit der Bitte an PwC, eine Markterkundung zu organisieren, durchzuführen und bis zum Abschluss neuer Gaslieferverträge beratend zu begleiten.
Portfoliomanagement im Gasbereich bietet großes Potenzial zur Diversifizierung und Bezugskostensenkung
Bei der bisher gewählten Vollversorgung bezog der Kunde die gesamte Gasmenge von einem einzigen Vorlieferanten. Im Gegensatz dazu decken beim Mehrlieferantenbezug mindestens zwei Vorlieferanten den Bedarf in Form von Band- und Residualmengen ab. Noch komplexer gestaltet sich das Portfoliomanagement, bei dem klassische Lieferverträge mit den an den Energie-Börsen gehandelten Standardprodukten kombiniert werden. Die dafür erforderliche Flexibilität wird über den Einsatz von Speichern oder den Spotmarkt sichergestellt. Die Herausforderung dabei liegt im Erkennen und Steuern der entstehenden Risiken.
Grafik I: Modulübersicht
Im Rahmen eines Tagesworkshops mit dem Kunden wurde demonstriert, wie sich die Aufgaben zur Bestimmung des langfristigen Gasbedarfs und zur Realisierung fundierter Marktanfragen mit Hilfe des Gas Risk Managers bearbeiten lassen. Anschließend wurden die individuellen Anforderungen des Kunden aufgenommen und in den folgenden Tagen in den Gas Risk Manager integriert. Auch künftig wird PwC die GRM-Module kontinuierlich und unter Berücksichtigung der Anforderungen der Mandanten weiterentwickeln.
Aktuell setzt der Kunde vier GRM-Module ein. Im ersten Modul erfasst und vergleicht er Lastgang- und Allokations-Zeitreihen. Auf Basis der TU München Profile (siehe Praxisinformationen des BDEW) kann er die Allokationsgüte seiner Ausspeisenetzbetreiber prüfen. Mit dem zweiten Modul ermittelt er Prognosefunktionen für den Gesamtbedarf aber auch für einzelne bedeutende Industriekunden (RLM-Kunden mit registrierender Leistungsmessung) und nutzt dabei die Möglichkeit, die Prognosegüte sowohl grafisch als auch mathematisch auszuwerten und gegebenenfalls zu verbessern.

Mit dem dritten Modul erstellt der Kunde Langfristprognosen für den Gesamtbedarf, Tagesspitzen, Nutzungsdauern et cetera. Dabei kann er seine bereits eingekauften Bandmengen berücksichtigen und erhält letztlich auf effektive Weise eine vollständige Gasbedarfsanalyse. Das vierte Modul nutzt der Kunde, um die unterschiedlichen Angebote der Vorlieferanten auszuwerten.
Nachdem sich der Kunde entschieden hatte, eine Kombination aus Residualmengen mit einem Festpreisanteil und Strukturmengen mit einer TTF-Preisbindung auszuschreiben, wurden Indikationen bei 15 Vorlieferanten eingeholt und mit dem GRM ausgewertet. Auf Basis dieser Auswertung entschied sich der Kunde in einer Vorauswahl für fünf Vorlieferanten. Während der folgenden Bietergespräche wurden die tagesaktuellen Angebote im Gas Risk Manager zeitnah verglichen und in der abschließenden Präsentation gegenübergestellt.
Durch die Neuausrichtung seiner Beschaffung unter Einsatz des Gas Risk Managers konnte der Kunde die Beschaffungskosten erheblich senken und verfügt nun über eine sowohl hinsichtlich der Kosten, als auch in Bezug auf das Risiko ausgewogene Strategie, die es ihm ermöglicht, auch zukünftig wettbewerbsfähige Produkte für den Endkunden anzubieten.

Grafik II: Wesentliche Schritte zur Neuausrichtung der Gasbeschaffung
"Unsere Kunden erhalten mit dem Gas Risk Manager eine umfassende Tool-Sammlung, die Einsparpotenziale, Risiken und Kosten in der Gasbeschaffung aufzeigt und so eine fundierte Basis für Entscheidungen hinsichtlich künftiger Beschaffungsstrategien bietet. Der modulare Aufbau ermöglicht eine zugeschnittene Anwendung und eine flexible Anpassung an die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen. Dabei gewährleistet MS Excel als Basis einen kostengünstigen Einsatz.
Wir helfen unseren Mandanten bei der strategischen Gestaltung des Beschaffungsportfolios, bei der Durchführung von Vertragsverhandlungen und beim Abschluss von Bezugsgeschäften mit nationalen und internationalen Lieferanten. Außerdem überprüfen wir vorhandene Verträge und analysieren den europäischen Gastransport- und Gasspeichermarkt. Ein breites Netzwerk zu anderen Experten von PwC, die unsere Mandanten in rechtlichen, steuerlichen, bilanziellen und strategischen Fragen beraten, bietet einen signifikanten Geschwindigkeits- und Qualitätsvorteil."