Mit FATCA, dem Foreign Account Tax Compliance Act, verpflichtet der US-Gesetzgeber Finanzinstitute, umfangreiche Informationen über Erträge auf Auslandskonten von US-Bürgern zu übergeben. Denn Staatsangehörige der USA sollen nach dem Welteinkommensprinzip besteuert werden. Bis zum FATCA-Starttermin am 1. Juli 2013 stehen den Finanzinstituten für die Umsetzung der regulatorischen Anforderungen umfangreiche Anpassungen ihrer Prozesse ins Haus. Warum an FATCA kein Weg vorbei führt, erklärt PwC-Experte Achim Obermann im Interview.

Achim
Obermann
Achim Obermann: Die sogenannten "Proposed Regulations" des Internal Revenue Services (IRS) der USA stellen viele der Details klar, die in den bisherigen Vorschlägen offen geblieben waren. Unsere PwC-Kollegen in den USA analysieren in Zusammenarbeit mit Experten aus vielen Ländern des globalen Netzwerks die Regelungen nun mit Hochdruck, klären Inhalte und Auswirkungen. Wir haben schon bei früheren Veröffentlichungen des Internal Revenue Services (IRS) gesehen, dass eine gründliche Analyse das A und O ist, um die Auswirkungen richtig einschätzen zu können.
Obermann: Deutsche Finanzinstitute sollen Informationen über US-amerikanische Kunden an deutsche - nicht mehr wie durch FATCA zunächst vorgesehen - an US-amerikanische Steuerbehörden melden. Daneben soll es Erleichterungen bei der Verpflichtung zum Abzug von Strafsteuern geben, sowohl bei Zahlungen an Kunden als auch an andere Finanzdienstleister. Der Kreis der Betroffenen wird zudem ein wenig fokussierter gefasst und ganz wichtig: der Austausch von Kundeninformationen wird gegenseitig erfolgen, also auch aus den USA in Richtung Deutschland.
Obermann: Die US-Regierung will das weltweite Einkommen ihrer Staatsbürger besteuern. Darum verpflichtet sie im Foreign Account Tax Compliance Act Finanzinstitutionen weltweit, Daten über ihre US-Kunden und deren Erträge an die Steuerbehörden zu übermitteln.
Obermann: FATCA geht darüber hinaus: Zu melden sind nicht mehr nur direkte Beteiligungen von US-Bürgern in amerikanischen Anleihen und Aktien. Es sollen vielmehr sämtliche Kapitalerträge erfasst werden - nicht nur alle Zinsen, Dividenden und Kurserträge, sondern auch beispielsweise Mieteinnahmen. Dazu kommen Daten über US-Kunden, die über eine Beteiligung von mehr als zehn Prozent an einer Nicht-US-Gesellschaft eine indirekte Beziehung zu einem ausländischen Geldhaus unterhalten.
Obermann: Anpassungen sind in nahezu allen Bereichen notwendig, die mit Kunden und ihren Daten zu tun haben: Kunden müssen über die neuen Meldepflichten informiert werden, die Client Communication ist anzupassen. Auch die Datenhaltung müssen Finanzinstitute prüfen und so gestalten, dass im Client Data die relevanten Informationen zuverlässig auffindbar sind. Und schließlich müssen sie FATCA beachten beim Client On- und Off-boarding, also bei jedem neuen Kunden und bei jedem Kunden, der das Institut verlässt. Außerdem müssen Institute das Reporting anpassen.
Obermann: Im Raum stehen Strafsteuern von 30 Prozent auf sämtliche Erträge aus US-Quellen, allerdings könnte das in der Vereinbarung über die Steuer-Zusammenarbeit zwischen den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien, die die Beteiligten im Februar 2012 angekündigt haben, möglicherweise noch wegfallen. Es ist beabsichtigt, FATCA mittelfristig zuu einem Modell für den Informationsaustausch zu machen. FATCA kann man also nicht ignorieren, man sollte sich rechtzeitig über die strategischen und wirtschaftlichen Konsequenzen im Einzelnen bewusst sein, sowohl auf der Anlage- wie auch auf Kundenseite.