Analytical Credit Dataset – das granulare Kreditregister der EZB ab 2017/2018

Der EZB-Rat hat am 18. Mai 2016 die Verordnung für die Erhebung granularer Kreditdaten durch das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) – Analytical Credit Dataset (AnaCredit) beschlossen. Die nationale Anordnung der Deutschen Bundesbank liegt seit Juli 2016 vor. Kreditinstitute werden Kredite gegenüber juristischen Personen ab 25.000 EUR melden müssen. Eine erste Testmeldung ist in Deutschland für das 2. Halbjahr 2017 vorgesehen, erste Echtdaten-Meldungen sind ab Januar 2018 vorgesehen.

Die granularen Meldepflichten für Daten in diversen fachlichen Dimensionen und aus verschiedenen Systemen stellt Banken insbesondere hinsichtlich Datenverfügbarkeit und -qualität vor große Herausforderungen.

Ziele von AnaCredit sind die Schaffung einer umfassenden Datenbasis für statistische und geldpolitische Auswertungen bei den nationalen Zentralbanken und der EZB sowie die Unterstützung bankenaufsichtlicher Aufgaben. Daneben soll AnaCredit zur Reduzierung von Ad-hoc-Abfragen bei Banken beitragen.

Anforderungen im Detail

Die finale EZB-Verordnung vom 18. Mai 2016 enthält die folgenden Anforderungen und Details für die AnaCredit-Umsetzung:

  • Erster Meldestichtag ist der 30. September 2018 (die Vorzieh-Option für nationale Zentralbanken auf Anfang 2018 wird von der Deutschen Bundesbank wahrgenommen)
  • Meldepflichtig sind Kreditinstitute im Euroraum inkl. weltweiter (unselbständiger) Niederlassungen
  • Zu melden sind aktivische Einlagen, umgekehrte Wertpapierpensionsgeschäfte und Kredite gegenüber juristischen Personen
  • Die Meldegrenze beträgt 25.000 EUR je Kunde
  • Die Anzahl der meldepflichtigen Attribute liegt bei 95 (in 10 Tabellen)
  • Es handelt sich um eine statistische Informationssammlung, die Verwendung der Daten ist aber auch durch den SSM und die nationale Aufsicht vorgesehen

Am 18. Juli 2016 erfolgte die nationale Anordnung der Deutschen Bundesbank, die die folgenden nationalen Auslegungen zur europäischen AnaCredit-Verordnung umfasst:

  • „Grandfathering”: 17 Attribute müssen für das Bestandsgeschäft nicht gemeldet werden Keine Verzicht auf Meldepflicht für Auslandsfilialen bzw. Vermeidung von Doppelmeldungen in der Eurozone vorgesehen (Meldeerleichterungen auf Attributebene)
  • Ca. 750 kleine Banken melden einen reduzierten Umfang (kumuliertes Volumen < 2% des nationalen AnaCredit-Volumens; max. 26 Attribute zu melden)
  • Zunächst kein Feedback Loop und keine Rücklieferung von Daten durch die Bundesbank vorgesehen

Die Herausforderungen für Banken

AnaCredit umfasst Daten aus unterschiedlichen fachlichen Dimensionen: Datenquellen sind z. B. die operativen, die Meldewesen-, die Rechnungswesen- und die Risiko-Datenhaushalte der Bank. Dabei werden 95 fachliche Attribute in einem 10 Tabellen umfassenden Datenmodell zusammengeführt. Die abgefragten Informationen beziehen sich auf Instrumente, Gegenparteien und Sicherheiten, wobei die Meldefrequenz der Attribute von einmaliger Meldung mit Änderungsanzeige (Stammdaten) über monatliche (z. B. Kreditdaten) bis hin zu quartalsweiser Datenlieferung an die Aufsicht (z. B. Accounting-Daten) reicht.

Um den Herausforderungen aus AnaCredit erfolgreich zu begegnen, müssen Kreditinstitute insbesondere drei Grundsätze beachten:

  1. Ganzheitliches Projektvorgehen für effiziente Umsetzung unter Berücksichtigung technischer und prozessualer Implikationen:
    Die fachlichen Anforderungen, das steigende Meldevolumen sowie zusätzliche Abstimmprozesse innerhalb und außerhalb des Meldewesens erfordern ein strukturiertes und ganzheitliches Vorgehen, um AnaCredit organisatorisch, prozessual und technisch in den betroffenen Bereichen einer Bank zu verankern. Dabei sollten die Abhängigkeiten zu anderen Anforderungen und Projekten berücksichtigt, die Risiken aktiv gesteuert und strategische sowie Synergie-Potentiale identifiziert und realisiert werden.
  2. Beteiligung verschiedener Bereiche und potentieller Engpassressourcen:
    Die Zusammenführung von Daten aus unterschiedlichen fachlichen Dimensionen und zahlreichen Datenquellen sowie die Sicherung der Datenverfügbarkeit, der Datenqualität und der Datenkonsistenz erfordern eine frühzeitige Einbindung aller relevanten Bereiche.
  3. Rechtzeitige Umsetzung trotz zum Teil weiterhin bestehender fachlicher Unklarheiten:
    Die hohe Komplexität einer AnaCredit-Umsetzung, die Abhängigkeiten zu anderen regulatorischen und technischen Vorhaben sowie die daraus resultierenden Risiken erfordern eine rechtzeitige Konzeption und Umsetzung des Vorhabens auch bei nicht-finalen Anforderungen.

Wie kann PwC helfen, die Herausforderungen aus AnaCredit zu meistern?

PwC unterstützt Sie bei der rechtzeitigen, sachgerechten und effizienten Umsetzung der AnaCredit-Anforderungen – und darüber hinaus! Aus AnaCredit ergeben sich wesentliche strategische Steuerungs-Fragen, die es neben der reinen Umsetzung zu adressieren gilt:

  • Aufbau eines „Datenschatzes“
    Wie lässt sich die interne Datensammlung für AnaCredit strategisch nutzbar machen? Hierfür bringen wir erste Ideen und Erfahrungen mit.
  • Welche Erkenntnisse kann die Aufsicht aus AnaCredit-Daten der Banken gewinnen?
    Wir unterstützen Sie dabei, SSM-relevante Erkenntnisse zu antizipieren und ihre Nutzung im Rahmen des Aufsichtsprozesses (SREP) einzuschätzen.
  • Übergreifende Zusammenhänge und Abhängigkeiten
    In der aktuellen AnaCredit-Verordnung werden bereits weitere Umsetzungsstufen angekündigt – erste Indikationen deuten auf eine deutliche Ausweitung der Meldepflichten hin. In Deutschland steht die Schaffung einer nationalen Immobilienkredit-Abfrage bevor. Zudem sind Änderungen im Großkredit-Regime (BCBS 283) sowie im Millionenkreditmeldewesen absehbar. Parallel ist im Zuge von Basel IV die Umsetzung eines überarbeiteten Kreditrisikostandardansatzes (BCBS 347) angekündigt. Wir unterstützen Sie dabei, den Überblick zu bewahren, Zusammenhänge und Abhängigkeiten in der fachlichen Steuerung zu berücksichtigen und Synergiepotentiale zu heben.
  • IT-Architektur
    AnaCredit wirkt sich an vielen Stellen auf die IT-Architektur auf: Von der Auswahl der passenden Meldelösung über die Integration in die DWH-Architektur hin zur Anbindung operativer Systeme. Wir unterstützen Sie bei der Entwicklung von nachhaltigen Zielszenarien, die über die reine AnaCredit-Datenbewirtschaftung hinausgehen.
  • Datenmanagement
    Mit AnaCredit als granularem Meldewesen wird die Datenqualität der Banken unmittelbar systematisch überprüfbar durch die EZB und die Bundesbank. Somit entstehen neue Anforderungen an die Datenqualität und -konsistenz, auch zu anderen Meldungen. Darüber hinaus kommen – auch im Zusammenspiel mit BCBS 239 – Fragen nach Verantwortlichkeiten und Governance auf, bei deren Beantwortung wir Sie gerne unterstützen.

Die fachlichen Anforderungen der EZB und der Deutschen Bundesbank wurden von PwC-Experten in einer „AnaPedia“ als Dokumentation fachlicher Anforderungen konsolidiert, analysiert und bewertet. Das PwC AnaCredit Cockpit umfasst die Attributeliste mit fachlicher Einschätzung des PwC-Expertenteams sowie ersten Datenquellen-Indikationen und unterstützt einen mandantenindividuellen Soll-/Ist-Vergleich.

Mit diesen Ergebnissen und dem in laufenden AnaCredit-Projekten bewährten Projektvorgehen unterstützt PwC seine Mandanten bei der effizienten Umsetzung von AnaCredit. Das PwC-Vorgehen bietet dabei Sicherheit bei der vollständigen sach- und termingerechten Umsetzung der Anforderung und unterstützt bei der Identifikation und Realisierung strategischer Optionen, die sich aus dem Aufbau des internen „AnaCredit-Datenschatzes“ ergeben können.
 

Vorhandene Dokumentation fachlicher Anforderungen

Die kommunizierten Anforderungen und Indikationen der Europäischen Zentralbank und der Deutschen Bundesbank wurden vom PwC-Expertenteam in einer zentralen Dokumentation fachlicher Anforderungen konsolidiert, analysiert und bewertet.

Die Dokumentation umfasst:
 

  • Adäquate Prämissen für Vorstudien und Fachkonzeptionen
  • Zeitpunkte und Umfang der AnaCredit-Stufen
  • Kriterien und Vorgehen zur Identifikation
    • meldepflichtiger Einheiten
    • meldepflichtiger Kontrahenten
    • meldepflichtiger Geschäfte
  • Datenmodell und Datenanforderungen
  • Neue Anforderungen an Melde-Prozesse und
    Strukturen

Inkl. deutscher Attributeliste und Experteneinschätzungen

Das PwC AnaCredit Cockpit ist das zentrale Steuerungstool für die AnaCredit-Vorstudie und -Konzeption.

Das Cockpit beinhaltet:

  • Aktuelle Attributeliste der EZB
  • Fachliche Definitionen und Ausprägungen inkl. deutscher Übersetzung
  • Detaillierung der Anforderungen durch PwC-Experten
  • Aufwandsindikation je Attribut
  • Vorhandenes ABACUS/DaVinci-Mapping
  • Umfassende Projektmanagement- und Reporting-Funktionen

Durch Berücksichtigung der Dimensionen Prozesse, Organisation, Daten & IT und Governance werden Abhängigkeiten, Risiken und Synergien rechtzeitig erkannt und aktiv gesteuert.

  • Vollständige und sachgerechte Umsetzung der fachlichen Anforderungen
  • Vollständige Integration in die IT- und die Prozess- Architektur
  • Integrierte Kontrollen und Dokumentation als Nachweise der Funktionsfähigkeit
  • Berücksichtigung von Abhängigkeiten zu anderen Projekten und Prozessen

Vorteile im Regelbetrieb:

  • Niedrige Prozesskosten durch hohen Automatisierungsgrad
  • Flexible Anpassbarkeit an neue Anforderungen
  • Hohe Datenqualität und -verfügbarkeit