Europas Bankenaufsicht weitet mit FINREP das Meldewesen massiv aus

Kalt erwischt werden derzeit viele deutsche Banken von den deutlich erweiterten Meldepflichten, die Europas Bankenaufsicht EBA zum 1. Januar 2013 mit dem erstmaligen Meldestichtag 31. März 2013 einführen will. Zwar betont die European Banking Authority, sie verlange hauptsächlich Daten, die Banken ohnehin für Bilanzierungszwecke erheben – entsprechend hat sie das Regelwerk FINREP – Financial Reporting – getauft, dennoch können höchstens die Institute die neuen Vorgaben ohne größere Probleme erfüllen, die ihre Finanzdaten bereits in umfassenden Data-Warehouse-Strukturen verwalten, meint PwC-Regulierungsfachmann Friedemann Loch.

"Generell stehen Aufsichtsbehörden aktuell unter einem gewissen Druck, auch unterjährig bestmöglich über die Lage der Banken in Europa zu informiert zu sein", erklärt Friedemann Loch den immensen Datenhunger der europäischen Bankenaufsicht: "Leider übersetzt die EBA 'bestmöglich' derzeit hauptsächlich als 'so umfangreich wie möglich'."

Deshalb, so Loch, beinhalten die Anforderungen der EBA im Consultation Paper (CP) 50 " Draft Implementing Technical Standards on Supervisory reporting requirements for institutions" einen Detaillierungsgrad, der teilweise über die Anforderungen nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) oder lokalen Rechnungslegungsprinzipien (Generally Accepted Accounting Principles, GAAP) wie etwa dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) hinausgeht und dadurch gegebenenfalls technisch aufwändige Anpassungen der bankinternen Systeme und Prozesse erfordert.

Europas Bankenaufsicht verlangt Finanzdaten deutlich granularer und in höherer Frequenz als für den Jahresabschluss notwendig. Ihr aufsichtsrechtlicher Fokus fordert die Systeme für das Finanzreporting ganz erheblich.

In seinem Anhang enthält das Konsultationspapier in fünf Teilen insgesamt 69 Tabellen, die die Institute ab 1. März 2013 in jedem Quartal ausgefüllt an die Aufsicht übergeben müssen. Viel Arbeit, auch wenn die Meldepflicht der Meldebögen des fünften Teils vom Beschluss der nationalen Aufsicht abhängt. Der Teufel steckt dabei im Detail, denn beispielsweise können die Institute Daten aus ihrem Finanzreporting nicht 1:1 in die FINREP-Meldebögen übertragen, erklärt PwC-Fachmann Loch.

Im Detail unterscheiden sich die FINREP-Meldungen vom herkömmlichen Finanzreporting

Durch ihre aufsichtsrechtliche Herangehensweise verlangt die EBA die Daten der Banken teilweise in anderer Form als sie für die Finanzberichterstattung vorgehalten werden, erklärt Friedemann Loch. Beispielsweise will die EBA bei der Meldung über gehaltene Finanzinstrumente auch wissen, welcher aufsichtsrechtlichen Forderungsklasse die Finanzinstrumente zuzuordnen sind. Diese Daten werden für einen Abschluss beispielsweise nach IFRS gar nicht erst erhoben.

Grundlegender sind allerdings unterschiedliche Auffassungen zum Konsolidierungskreis: Die FINREP-Meldungen stellen auf den aufsichtsrechtlichen Konsolidierungskreis ab, der von dem Konsolidierungskreis im Rahmen des handelsrechtlichen Abschlusses unter Umständen deutlich abweicht. Als große Aufgaben der Finanzinstitute für die FINREP-Umsetzung nennt Friedemann Loch:
  • Analyse des relevanten Konsolidierungskreises
  • Analyse der zu liefernden Daten
  • Umsetzung eines vierteljährlichen Turnus
  • Umstellung auf XBRL, denn die deutsche Aufsicht hat zu einer Übermittlung der Daten via XBRL-Format (eXtensible Business Reporting Language) verpflichtet.

Für Deutschlands Banken wird die Umstellung doppelt hart

"FINREP-Regelungen wurden bereits im Jahr 2005 als CEBS-Empfehlung auf europäischer Ebene verabschiedet und anschließend in vielen Ländern Europas bereits umgesetzt. Für diese Länder ist das Update der FINREP-Regelungen, das die EBA im Dezember 2011 vorgeschlagen hat, ein zwar umfangreiches, aber im Vergleich zu der Situation in Deutschland deutlich weniger problematisches Unterfangen", erklärt PwC-Experte Loch.

Die deutschen Banken jedoch müssen sich auf eine komplett neue Regulierung einstellen. Denn Deutschlands Finanzaufseher hatten sich einst entschieden, FINREP in der ursprünglich durch das CEBS (Committee of European Banking Supervisors) verabschiedeten Version in Deutschland nicht umzusetzen. "Daher kommt auf Deutschlands Banken recht viel Arbeit in vergleichsweise kurzer Zeit zu", meint Friedemann Loch. Er rät dazu, Analysen für die FINREP-Umsetzung schnellstmöglich zu beginnen – selbst wenn noch an vielen Stellen relevante Entscheidungsgrundlagen und detaillierte Vorschriften fehlen.