FATCA: Banken müssen mehr Daten von US-Kunden offenlegen

Geldinstitute müssen mehr Informationen über ihre US-Kunden offenlegen. Das sieht der im März 2010 in den USA verabschiedete "Foreign Account Tax Compliant Act" (FATCA) vor. Auch wenn der Starttermin auf den 1. Juli 2013 verschoben wurde und eine Vereinbarung zwischen den USA und europäischen Ländern das Verfahren wohl vereinfacht, müssen Banken, Investmentgesellschaften und Versicherungen jetzt handeln. PwC-Experten erläutern, wie sich Institute auf FATCA einstellen..

Der US-Fiskus streckt seine Fangarme weltweit aus. So müssen ausländische Geldinstitute weit mehr Daten von US-Bürgern offenlegen als bisher üblich. Melden sollen sie die Daten einer Absichtserklärung der USA, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Spaniens aus dem Februar 2012 zufolge an die jeweiligen nationalen Steuerbehörden. Denn die beteiligten Länder wollen enger zusammenarbeiten und regelmäßig steuerlich relevante Daten austauschen.

"Für Finanzinstitute bedeutet FATCA einen enormen Mehraufwand", sagt Achim Obermann, Steuerexperte bei PwC. Bei Nichtbeachtung steht steht eine Strafsteuer von 30 Prozent auf alle Erträge aus US-Quellen im Raum; möglicherweise wird sie allerdings aufgrund der im Februar 2012 angekündigten Vereinbarung zwischen den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien gar nicht anfallen.

Umsetzung des Neukundenprozesses ab Juli 2013

Die Notice 2011-53 sieht eine stufenweise Einführung von FATCA vor. Im Wesentlichen wird die Umsetzung des Neukundenprozesses auf den 1. Juli 2013 verschoben. Das FATCA-Withholding beginnt (eingeschränkt) am 1. Januar 2014 und das FATCA-Reporting muss erstmals bis zum 30. September 2014 vorgenommen werden. Dieses Reporting erfolgt im Jahr 2014 allerdings einmalig vereinfacht.  

"Insoweit hat sich insgesamt zwar die Einführung um wenige Monate verschoben, die Situation aber nur leicht entspannt", sagt Dr. Karl Küpper, FATCA-Experte bei PwC. Der IRS zeichnet damit lediglich ein realistisches Umsetzungsszenario in der Realität nach, was zuvor als kaum schaffbar galt. 

Eine Umsetzung bis zum 1. Januar 2013 wäre - insbesondere mit Blick auf die notwendigen Anpassungen der relevanten IT-Systeme - unrealistisch gewesen. Die nun vorliegende Einführung kann daher - wenngleich immer noch ambitioniert - als realistischerer Umsetzungsprozess gewertet werden. Um FATCA-compliant zu werden, sollte der Status quo unter FATCA nach wie vor zeitnah analysiert und etwaige Handlungsoptionen aufgezeigt werden.

"Insbesondere mit Blick auf den zum 1. Juli 2013 anzupassenden Neukundenprozess und unter Berücksichtigung der entsprechenden Zeiträume für IT-Entwicklung, Test- und Release-Zyklen sollte das Thema jetzt entsprechend priorisiert werden", erklärt Markus Zillner von PwC Financial Services Consulting.

FATCA geht weiter als das bisherige QI-Regime

"Geldinstitute sollten damit beginnen, die betroffenen Kunden zu identifizieren und zu informieren", meint Markus Zillner von PwC. Denn FATCA erweitert die Anforderungen gegenüber dem bisher geltenden QI-Regime, das Meldepflichten gegenüber US-Finanzbehörden regelt. Bereits jetzt müssen ausländische Finanzinstitutionen über direkte Beteiligungen von US-Bürgern in amerikanische Anleihen und Aktien berichten. 

Hinzu kommen jetzt auch diejenigen US-Kunden, die über eine Beteiligung von mehr als zehn Prozent an einer Nicht-US-Gesellschaft eine indirekte Beziehung zu einem ausländischen Geldhaus unterhalten. Doch damit nicht genug: Mussten ausländische Banken bisher nur über Investments in Aktien und Anleihen von US-Bürgern informieren, weitet sich der Kreis aus: "Nun sind auch Mieterträge und andere Brutto-Erträge aus relevanten US-Investments betroffen. Für Erträge aus Swaps und Repo-Transaktionen auf US-Papiere gelten Spezialvorschriften ", sagt Achim Obermann.

Der Kreis der Geldinstitute, die in Zukunft über ihre US-Kunden berichten müssen, steigt drastisch. Bisher liefern weltweit rund 5.000 Geldinstitute im Rahmen der QI-Meldungen Daten an die US-Steuerbehörden. "Die Zahl wird sich nach unseren Schätzungen mindestens verzehnfachen", sagt Christoph Theobald, QI-Experte von PwC Assurance.

Viele Finanzinstitute betreten mit FATCA Neuland. Für die Banken kommen mehrere Optionen in Frage: Finanzinstitute können das FATCA-Reporting selbst übernehmen oder aber über einen externen Dienstleister abwickeln. "Welche Lösung die bessere ist, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab", erklärt Markus Zillner. Ist ein Finanzinstitut Teil einer Unternehmensgruppe, so müssen auch alle anderen zugehörigen Gesellschaften die Regeln nach FATCA befolgen.

Fast alle Foreign Financial Institutions müssen laut FATCA die neuen Regeln anwenden.

Der Kreis der Foreign Financial Institutions (FFI), die die neuen Regeln anwenden müssen, ist laut Gesetzestext sehr breit gefasst: Darunter fallen Finanzintermediäre außerhalb der USA, die Finanzanlagen für Dritte halten oder die Handel mit Wertpapieren, Beteiligungen an Personengesellschaften und Finanzderivaten betreiben. Neben Banken zählen zu diesem Kreis alle Institute, die Kapitalanlage betreiben – also auch Investmentgesellschaften, Wertpapierverwahrer, Vermögensverwalter sowie Versicherungen. "Der Kreis der Betroffenen wird aller Voraussicht nach durch die Vereinbarung zwischen den USA und europäischen Staaten über die Zusammenarbeit noch einmal genauer gefasst", berichtet PwC-Experte Obermann.

Deutsche Finanzinstitutionen sollten ihre organisatorischen Abläufe auf FATCA ausrichten. Dazu zählt nicht nur die Identifizierung von Kunden: "Auch die Dokumentation und das Reporting der Daten erfordert eine langfristige Projektplanung", sagt Markus Zillner. Denn die Finanzinstitutionen müssen jährlich umfangreiche Daten liefern; dazu gehören:
  • Name des Kontoinhabers,
  • Steuer- oder Depotnummer,
  • Kontosaldo und Depotbestand,
  • alle Veränderungen der relevanten Konten.

PwC begleitet Unternehmen bei diesem Prozess und prüft auch, ob die FATCA-Bestimmungen adäquat umgesetzt werden. Die Experten von PwC haben eine langjährige Erfahrung im Umgang mit Meldepflichten ausländischer Banken gegenüber den US-Finanzbehörden. Dazu kommt: "Auch die OECD und die Europäische Union denken über die grenzüberschreitende Erhebung von Bankdaten nach", sagt Achim Obermann. So soll nach der oben genannten Absichtserklärung FATCA mittelfristig Modellcharakter für den internationalen Austausch von Steuerdaten erhalten. Deswegen ist es sinnvoll, jetzt Systeme und Prozesse zu entwickeln, die auch bei zukünftigen Anforderungen zum Einsatz kommen können.