PwC-Umfrage: Banken in Deutschland noch zurückhaltend bei der Etablierung von Blockchain-Technologie

16 Februar, 2017

Blockchain-Technologie entwickelt sich rasant. Auch die Finanzindustrie diskutiert, welche Chancen die Technologie bietet und welches disruptive Potenzial von ihr ausgeht. Anlässlich einer Umfrage von PwC wurden nun erstmals Führungskräfte deutscher Banken befragt, welchen Stellenwert das Thema Blockchain in ihren Instituten einnimmt und wie sie sich strategisch für den Umgang mit der Technologie aufstellen. Das Ergebnis: Der deutsche Bankensektor steht noch ganz am Anfang des Blockchain-Zeitalters.

Banken in Deutschland haben erkannt, dass die neue Technologie ihre Wertschöpfungsprozesse nachhaltig verändern kann. 47 % der Führungskräfte bestätigen die Relevanz von Blockchain-Technologie für ihr Unternehmen. Trotzdem beginnt ein Großteil der Führungskräfte erst damit, ein Verständnis für mit Blockchain zu entwickeln: 68 % der Befragten sind wenig oder gar nicht mit der Technologie vertraut. Im 10-Jahres-Ausblick sehen 63 % der Befragten (54 % sogar bereits im 5-Jahres-Ausblick) eine mittlere bis hin zu einer extremen Beeinflussung des Geschäftsmodells ihrer Bank durch Blockchain.

An der Umfrage nahmen 150 Führungskräfte deutscher Banken teil.

10-Jahres-Ausblick: Banken rechnen mit einer steigenden Bedeutung von Blockchain


Weitere Ergebnisse der Befragung im Überblick:

  • Der Einfluss auf das Geschäftsmodell von Banken wächst: Rund die Hälfte der Befragten schreibt Blockchain bereits heute eine Relevanz für ihr Geschäftsfeld zu. Die Bedeutung der Technologie soll nach Meinung der Befragten zunehmen: für 2023 rechnen bereits 54 % und für 2027 sogar 66 % mit einem Einfluss von Blockchain-Technologie auf die Geschäftsmodelle von Banken.
  • Blockchain noch nicht im strategischen Fokus: Bei 75 % der Banken ist Blockchain-Technologie nicht Teil der strategischen Ausrichtung. Dies wird deutlich in den bereitgestellten Ressourcen: 58% der befragten Führungskräfte geben an, keine Mitarbeiter zu beschäftigen, die sich regelmäßig mit dem Thema befassen. Drei Viertel der Befragten weisen der Erforschung von Blockchain-Technologie zudem kein Budget zu.
  • Fokus auf Datenintegrität und Audit: Banken setzen in den nächsten 5 Jahren darauf, dass neue Technologien und verteilte Datenhaltung die IT Sicherheit nachhaltig verbessern. 47 % der befragten Führungskräfte werden wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich auf die Etablierung verteilter Ledger für Beglaubigung, Audit, Dokumentation und Datenintegrität reagieren. Für Banken sind vor allem Themen wie die Verbesserung der IT-Sicherheit, Audit und Dokumentation relevant. So würden 67 % der Institute auf fortgeschrittene Methoden, Tools und Technologien reagieren, die die Informationssicherheit verbessern sowie Betrug identifizieren und vorhersagen können. P2P-Payment und Plattformen zum Handel digitaler oder digitalisierter Werte liegen innerhalb der nächsten 5 Jahre jedoch weniger im Fokus. Die Banken reagieren hier offensichtlich sehr pragmatisch. Sie fokussieren sich auf die Themen, deren Umsetzung nicht gleich das gemeinsame Vorgehen des gesamten Marktes erfordern.
  • Blockchain für viele Banken noch nicht entscheidungsreif: Der Großteil der Banken setzt sich noch nicht mit einer strategischen oder praktischen Anwendung der Technologie auseinander. 39 % der Befragten werden sich 2017 nicht mit Blockchain beschäftigen. 76 % möchten Blockchain-Technologie erst dann produktiv einsetzen, wenn sie den Einsatz bei anderen Marktteilnehmern sehen, 25 % sogar erst dann, wenn der Großteil der Wettbewerber bereits für einige Zeit die Technologie einsetzt.
  • Kleine Banken stehen ihren großen Wettbewerbern beim Thema Blockchain nicht nach: Blockchain-Technologie wird von Banken jeder Größe in gleichem Maße als relevant erachtet. Dabei beschäftigen sich kleinere Banken sogar bereits im Schnitt ein Jahr länger mit  der Technologie als Banken mit einer Bilanzsumme von mehr als 1 Mrd. €. Zudem sind ausschließlich bei kleinen Banken bereits Blockchain-basierte Business Use Cases produktiv im Einsatz.

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Dr. Thomas Schönfeld

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