Die Immobilienbranche setzt stärker auf Nachhaltigkeit

"Green Building" ist eines der aktuellsten Schlagwörter des Immobilienmarktes. Nachhaltige Gebäude sind gefragt. Die Zahl der Bauunternehmen und Investoren, die in diesem Bereich eine Marktchance sehen, wächst deutlich. Ökologische Kriterien spielen bei Bau und Betrieb von Immobilien eine immer wichtigere Rolle.

"Wir erkennen ein klares Umdenken bei den Immobilienunternehmen", sagt Susanne Eickermann-Riepe, Partnerin bei PwC für das Thema Real Estate. "Die Branche ist bereit, stärker in grüne Bauten zu investieren." Eines der prominentesten Beispiele für die sogenannten Green Buildings sind die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Das Unternehmen hat seine Zentrale modernisieren lassen, die grüne Sanierung spart pro Jahr allein 67 Prozent Heizenergie; das Sparvolumen würde für 750 Einfamilienhäuser reichen.

"Für energiesparende Wohnungen oder Häuser sind Mieter bereit, mehr zu zahlen – sofern sie dafür bei den Nebenkosten sparen können", berichtet PwC-Expertin Eickermann-Riepe aus ihrer Beratungserfahrung.

Zwischen 10 und 20 Prozent höhere Preise lassen sich beim Verkauf oder der Vermietung nachhaltiger Immobilien erzielen - bei gewerblichen wie bei privaten Objekten. Grund ist vor allem der geringere Energieverbrauch. Denn die Energiekosten sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, die Nebenkosten damit zu einer zweiten kleinen Miete geworden. Immobilienfirmen, die ihren Bestand langfristig pflegen wollen, müssen ihre Wohnung energiesparend sanieren, sagt Eickermann-Riepe.

Transparenz und Orientierung durch Gütesiegel und Nachhaltigkeitsberichte

Zertifikate und Gütesiegel sollen Investoren, Immobilienfirmen und Nutzern von Immobilien mehr Klarheit darüber bieten, wie nachhaltig eine Immobilie wirklich ist. In die Bewertung fließen Faktoren wie Energieverbrauch, Betriebs- und Unterhaltskosten ein. Beispielhaft nennt Eickermann-Riepe das Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) oder das amerikanische Zertifikat LEED (Leadership in Energy and Environmental Design): "Auch wenn die Zertifizierungen regelmäßig viel Aufwand für die Unternehmen bedeuten, werden die Zertifikate in Zukunft eine noch größere Rolle spielen", ist die PwC-Expertin überzeugt. Viele stellten sich durch Zertifizierungen darauf schon heute ein, denn "die Unternehmen müssen ja 20, 30 Jahre und mehr planen, um den Wert der Häuser zu erhalten oder zu steigern", berichtet Eickermann-Riepe.

Auch Fonds werden grüner

Dazu kommt: Auch Immobilien- und andere Fonds achten schon heute zunehmend auf Nachhaltigkeitsaspekte und berücksichtigen bei ihren Investitionsentscheidungen ökologische und soziale Kriterien. Zum Teil stellen Investoren Ausschlusskriterien für ihre Investments auf, etwa eine hohe Schadstoffbelastung oder ein hoher Energieverbrauch. Objekte, die nicht mehr energiesparend zu sanieren sind, werden gezielt abgestoßen; neu in Portfolios aufgenommen werden nur Objekte, die hohe Nachhaltigkeitsansprüche erfüllen.

Langfristig planen, Werte erhalten

"Natürlich sind es momentan vor allem Marketinggründe, die Immobilienunternehmen dazu bewegen, sich für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen - aber immer mehr Unternehmen gehen in ihrer Strategie einen Schritt weiter", fasst Susanne Eickermann-Riepe den Trend in der Immobilienbranche zusammen: Man investiere in die umweltfreundliche Sanierung des Bestands, um auf Dauer Kosten zu sparen, manche Häuser planen von Anfang an nach ökologischen Kriterien, berichtet die PwC-Fachfrau. Denn dadurch lassen sich am Markt häufig höhere Preise erzielen und neue Zielgruppen erschließen. In jedem Fall muss die Strategie zum Unternehmen, insbesondere seiner finanziellen Ausstattung und Ausrichtung, passen und sorgfältig durchdacht sein.