Wettbewerbsvorteile durch Modernisierung von IT-Finanzarchitekturen

"Die IT-Finanzarchitekturen vieler Institute sind geprägt von veralteten und wenig flexiblen Technologien", sagt Marc Billeb, der für PwC Banken und Finanzdienstleister rund um IT-Systeme und IT-gestützte Geschäftsprozesse berät: "Dies äußert sich in heterogen aufgebauten IT-Finanzarchitekturen und stellt die Institute insbesondere bei gesetzlichen oder regulatorischen Änderungen vor erhebliche Schwierigkeiten." Die Umsetzung vieler gesetzlicher und regulatorischer Neuerungen führt zudem zu erheblichen Aufwänden.

"Die immer neuen Anforderungen - wie sie beispielsweise die Implementierung der internationalen Rechnungslegung und das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz gebracht haben - sorgen für vielschichtige Veränderungen der innerbetrieblichen Abläufe", ergänzt Anne Kristin Kuttert, Expertin für IT-Finanzarchitekturen bei PwC. "Das wirkt sich nicht nur auf die Geschäftsprozesse, sondern auch auf die IT-Finanzarchitektur erheblich aus." Das Problem: Unterschiedliche technologische Plattformen und IT-Anwendungen führen zu Medienbrüchen und redundant abgebildeten Funktionalitäten.

Die Vielzahl von manuellen Schnittstellen und individuellen Lösungen, beispielsweise in Form von Excel-Spreadsheets oder Access-Datenbanken bedeutet zum einen eine hohe Fehleranfälligkeit und verursacht zum zweiten hohen manuellen Abstimmaufwand. Die Effizienz IT-gestützter Geschäftsprozesse ist aufgrund der zahlreichen Workarounds bei Weitem nicht optimal. 

Bei vielen Banken fehlen zudem eine zentrale Datenhaltung und ein bankweit einheitliches Datenmodell. Die Datenqualität ist deshalb deutlich verbesserungsfähig. Werden Änderungen an den IT-Anwendungen notwendig, zieht das - aufgrund des geringen Integrationsgrades der IT - immer wieder erheblichen Mehraufwand nach sich.

Bei einer Modernisierung den Integrationsgrad der IT erhöhen

Um die Schwachstellen der IT-Finanzarchitekturen zu beseitigen, gilt es, einheitliche technologische Plattformen und IT-Anwendungen zu implementieren, ein einheitliches Datenmodell zu definieren und die Anzahl von Medienbrüchen deutlich zu reduzieren. Dabei soll zwar einerseits der Aufwand für Implementierung und Betrieb der IT möglichst klein sein. Andererseits wünschen sich aber viele Institute möglichst flexible IT-Anwendungen, die sich leicht an neue Anforderungen anpassen lassen. PwC-Expertin Kuttert allerdings warnt: "Eine möglichst kostengünstige IT-Finanzarchitektur kann dazu führen, dass nicht mehr alle notwendigen gesetzlichen und regulatorischen Mindestanforderungen eingehalten werden können. Diese dürfen jedoch keinesfalls außer Acht gelassen werden."

Optimierung von IT-Finanzarchitekturen fordert Weitblick

Flexibilität, Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen, Kosten sowie Beherrschbarkeit sind wesentliche Kriterien, die bei der Optimierung von IT-Finanzarchitekturen berücksichtigt werden müssen. Die neue Architektur, die Ziel-IT-Finanzarchitektur, ist zu entwickeln auf Basis einer qualitativen Bewertung der bestehenden IT-Finanzarchitektur und unter Berücksichtigung der Unternehmensstrategie. Für die Definition der jeweiligen Ziel-IT-Finanzarchitektur sind Zielerreichungsgrade der einzelnen Kriterien festzulegen, die Kriterien müssen außerdem unter Berücksichtigung der strategischen Ausrichtung, möglicher Wechselwirkungen sowie der Abhängigkeit zu den übrigen Projekten priorisiert werden.

"Darüber hinaus sind Abhängigkeiten zu - möglicherweise bereits gestarteten - längerfristigen Projekten zu berücksichtigen", empfiehlt PwC-Fachmann Marc Billeb. Unerwartet können außerdem immer wieder neue, sich fortlaufend ändernde gesetzliche und regulatorische Anforderungen die Optimierung der IT-Finanzarchitektur tangieren. Oft haben solche Änderungen kurze Umsetzungsfristen, was den Fortschritt der übrigen Projekte bremsen kann.

Ausgehend von der definierten IT-Ziel-Finanzarchitektur ist deren Status im Hinblick auf die Zielerreichung immer wieder neu zu bestimmen und stetig weiterzuentwickeln. Die - möglicherweise längst überfällige - Harmonisierung der eingesetzten Anwendungen kann dabei auch helfen, die Effizienz des internen und externen Reportings weiter zu steigern und die Abstimmbarkeit der Finanzinformationen in allen Unternehmensbereichen gleichermaßen zu gewährleisten.