„Ein Aufpreis für digitale Unternehmen rechnet sich“

Die Digitalisierung steht bei den meisten Finanzinvestoren inzwischen ganz oben auf der Agenda, zeigte eine PwC-Studie. Was die neue Prämisse für die Branche bedeutet, erklärt Steve Roberts, Partner und Leiter des Bereichs Private Equity bei PwC.

Im Gespräch mit Steve Roberts, Leiter Private Equity bei PwC:

PwC hat 100 europäische Private-Equity-Manager gefragt, welche Bedeutung die Digitalisierung für ihr Geschäft hat. Was sind die Ergebnisse?

Steve Roberts: Unsere Umfrage zeigt, dass das Thema bei den meisten Finanzinvestoren inzwischen höchste Priorität genießt. So meinten sieben von zehn Private-Equity-Managern, die Frage, wie weit ein Unternehmen sein Geschäftsmodell bereits digital transformiert habe, spiele eine wichtige oder sehr wichtige Rolle bei den eigenen Akquisitionsentscheidungen. Und: Neun von zehn Beteiligungsspezialisten checken bereits während der „Due Diligence“ den Digitalisierungsgrad eines Übernahmekandidaten.

Steve Roberts

Heißt das, dass analoge Unternehmen im Wettlauf um privates Beteiligungskapital künftig keine Chance mehr haben?

Roberts: Zumindest laufen Unternehmen, die im Vergleich zu ihren direkten Wettbewerbern noch weitgehend analog unterwegs sind, Gefahr, bei potenziellen Investoren frühzeitig ausgesiebt zu werden. Auch und gerade deutsche Firmen sollten dieses Risiko ernstnehmen. Denn laut unserer Umfrage hat die digitale Transformation für Beteiligungsmanager hierzulande sogar eine besonders hohe Priorität. So stimmten deutsche Finanzinvestoren der Aussage, mit der Digitalisierung des Geschäftsmodells lasse sich Wachstum steigern, mit 9,12 von maximal zehn möglichen Punkten zu. Europaweit lag der Zustimmungswert dagegen nur bei 8,63.

Birgt die Fokussierung auf die digitalen Branchenführer nicht die Gefahr, dass sich immer mehr Private-Equity-Firmen auf immer weniger Übernahmekandidaten stürzen – und dass es zu dadurch zu Übertreibungen bei den Preisen kommt?

Roberts: Doch, das ist natürlich so. Schon jetzt sind die Bewertungen relativ hoch. Darum meinten in unserer Umfrage einige Private-Equity-Investoren, es könne im Zweifel lukrativer sein, ein rückständiges Unternehmen preiswert zu übernehmen und dieses dann selbst zu transformieren. Diese Sicht wird allerdings nicht von allen Finanzinvestoren geteilt. Denn: Solche Digitalisierungsprojekte kosten ja ihrerseits eine Menge Geld. Viele Beteiligungsmanager zahlen darum lieber einen Aufschlag bei der Übernahme – und nutzen dann die digitalen Wettbewerbsvorteile ihrer Portfoliofirmen aus, um höhere Renditen zu erwirtschaften.

Und diese Aussicht wiegt die höheren Kaufpreise wirklich auf?

Roberts: Durchaus. Schließlich macht digitales Knowhow in vielen Branchen mittlerweile den entscheidenden Unterschied zwischen den Marktführern und ihren Verfolgern aus. Die von uns befragten Private-Equity-Manager glauben, dass digitale Unternehmen nicht nur schneller wachsen, sondern dass sie zum Beispiel auch Effizienzvorteile und entsprechend niedrigere Kosten aufweisen. Über mittlere und lange Sicht könnte das dazu führen, dass in immer mehr Branchen einige wenige besonders fortschrittliche Unternehmen eine dominierende Rolle spielen – und Wettbewerber in großer Zahl aus dem Markt gedrängt werden. Spätestens dann stellt sich die Frage, ob der Aufpreis für den digitalen Vorreiter berechtigt war, nicht mehr.

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Private-Equity-Branche selber aus?

Roberts: In jedem Fall wird das Geschäft noch einmal komplexer. Denn auch die digitalen Branchenführer generieren die angestrebten höheren Renditen natürlich nicht von selbst. Die Finanzinvestoren müssen ihre Portfoliofirmen in Zukunft noch professioneller führen, was zum Beispiel auch bedeutet, sich für mögliche neue Gefahren wie Cyber-Kriminalität zu wappnen. In solchen Feldern müssen Private-Equity-Häuser eine entsprechende Expertise aufbauen. Und noch ein weiterer einschneidender Trend schält sich in unserer Umfrage heraus: 85 Prozent der Finanzinvestoren glauben, die Digitalisierung führe dazu, dass sich die mit einer Akquisition verbundenen Ziele in Zukunft schneller realisieren lassen – die Haltezeiten also unter Umständen noch kürzer werden. Mit anderen Worten: Das Private-Equity-Geschäft dürfte noch schnelllebiger werden.