Operative Kompetenz wird immer entscheidender

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Deutschland entwickelt sich zum neuen Kernmarkt für Private Equity in Europa. Was das für die Zukunft der Branche bedeutet, erklärt Steve Roberts, Partner und Leiter des Bereichs Private Equity bei PwC.

Herr Roberts, der Beteiligungsmarkt in der DACH-Region floriert seit Jahren. Der aktuelle Private Equity Trend Report von PwC liest sich nun allerdings so, als habe der Boom noch einmal eine neue Stufe erreicht.

Steve Roberts: Das ist richtig. 2016 wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz insgesamt 214 Unternehmen von Finanzinvestoren übernommen. Dabei flossen 25 Milliarden Euro, was im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs von stolzen 83 Prozent bedeutet. Das ist zumindest aus zwei Gründen bemerkenswert: Erstens waren die Ausgangswerte für 2015 auch schon beachtlich; der Markt ist also von einem hohen Niveau aus nochmals zugewachsen. Und zweitens ist das Beteiligungsgeschäft in Europa insgesamt 2016 kaum noch gewachsen. Die DACH-Region sticht also eindeutig hervor. 

Was sind die Gründe?

Roberts: Ein Grund liegt sicherlich im Brexit-Referendum. Durch die Entscheidung der Briten, aus der EU auszutreten, hat der ohnehin boomende deutsche Markt noch einmal einen zusätzlichen Schub erhalten. Denn selbst jene Beteiligungsgesellschaften, die sich bislang vor allem auf UK konzentrierten, sehen sich jetzt vermehrt in Kontinentaleuropa nach Anlagezielen um. Und da ist Deutschland aufgrund seines starken Mittelstands und des „Safe Haven“-Arguments nun mal besonders attraktiv.

Steve Roberts

Das heißt, 2017 geht so weiter, wie 2016 aufgehört hat?

Roberts: In der DACH-Region haben wir ein Level erreicht, wo es gar nicht mehr so leicht ist, weitere Steigerungen zu erzielen. Dennoch fällt auf, dass die deutschen Beteiligungsgesellschaften – die ihr Geld ja häufig auch im deutschsprachigen Raum investieren – für 2017 erneut besonders optimistisch sind. So haben wir im Zuge unserer Trend-Studie eine Befragung unter 250 internationalen Private-Equity-Managern gemacht. Das Ergebnis: Während insgesamt nur jeder dritte für dieses Jahr mit weiterem Wachstum rechnet, waren es unter den deutschen Finanzinvestoren 43 Prozent. Zudem zeigten sich 80 Prozent der deutschen Beteiligungsmanager mit der aktuellen Entwicklung ihres Portfolios zufrieden. International waren es nur 42 Prozent.

Dieser Optimismus erinnert schon fast an die Rekordjahre vor der Finanzkrise …

Roberts: Einerseits stimmt das. Andererseits hinkt der Vergleich aber auch. Denn der jetzige Private-Equity-Boom basiert auf einem deutlich geringerem „Leverage“ als damals – also auf viel weniger Schulden. So haben im vergangenen Jahre gerade einmal acht Prozent der deutschen Beteiligungsgesellschaften ihre Transaktionen mehrheitlich mit Fremdkapital finanziert. Das zeigt: Die Branche ist reifer geworden. Die Zeiten, in denen Renditen vor allem mithilfe des sogenannten Financial Engineering erzielt wurden, sind vorbei. Stattdessen bringen die Beteiligungsfonds ihre Portfoliounternehmen heute in erster Linie operativ nach vorne. Was man übrigens auch an der Zusammensetzung der Deal-Teams erkennt. Früher hatten gern mal acht von zehn Managern einen finanzwirtlichen Hintergrund. Heute hingegen treffen Sie dort auf Leute, die sich in erster Linie mit dem eigentlichen Geschäft auskennen. Also frühere CEOs, ehemalige COOs – und natürlich immer mehr Digitalexperten. Hier hat PE schnell erkannt, dass die digitale Transformation lebensnotwendig ist um Portfolio Unternehmen „future-ready“ zu machen. Dadurch können die Investoren aber auch die länger gewordene Haltedauer sowie die niedrigen makroökonomischen Wachstumsraten entgegenwirken.

Der Boom steht also auf einem soliden Fundament?

Roberts: In jedem Fall. Allerdings müssen die Private-Equity-Häuser aufpassen, sich nicht in einen Preiswettbewerb hineintreiben zu lassen. Immer mehr eigentlich branchenfremde Akteure wie Pensionskassen oder Versicherer entdecken das Private-Equity-Modell für sich selber; das erhöht natürlich den Konkurrenzdruck. Hinzu kommen weitere potente Player wie die Chinesen, die allmählich ernstmachen. Und auch viele deutsche Unternehmen befinden sich längst nicht mehr im Verkaufs-, sondern im Kaufmodus. Das heißt für die originären Beteiligungsgesellschaften: Wenn sie trotz der tendenziell steigenden Preise weiterhin auskömmliche Renditen erzielen wollen, bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als sich noch intensiver um die operative Ausrichtung ihrer Portfoliounternehmen zu kümmern.