Die Private-Equity-Branche blickt nach zwei schwierigen Jahren wieder zuversichtlich in die Zukunft. Besonders unter deutschen Private-Equity-Unternehmen ist die Stimmung gut. Welche Auswirkungen die Krise auf die Branche hatte und wo sie im Jahr 2011 investieren wird, erläutert Steve Roberts, Leiter des Bereichs Private Equity bei PwC, im Interview.

Steve Roberts
Steve Roberts: Nicht so, wie die Fonds selber erwartet hatten. Über 90 Prozent der Befragten haben ihr Geschäftmodell nicht grundlegend verändert. Bei der Befragung im Vorjahr war die überwältigende Mehrheit jedoch von signifikanten Änderungen ausgegangen. Das zeigt, dass das in der Krise totgeglaubte Modell des "Leveraged-Buy-Out", also der weitgehend kreditfinanzierten Firmenkäufe, doch zukunftsfähig ist.
Roberts: Auch hier ist Besserung in Sicht: Für das Jahr 2011 gehen 62 Prozent der deutschen Beteiligungsgesellschaften davon aus, dass die Banken wieder mehr Kapital für die Finanzierung ihrer Beteiligungen zur Verfügung stellen werden. Gleichzeitig ist das Risiko für die Verletzung von Kreditklauseln gesunken: 88 Prozent der deutschen Befragten schätzen das Risiko, dass ihre Portfolio-Unternehmen Kreditklauseln verletzen, als gering ein.
Roberts: Die deutschen Private-Equity-Gesellschaften nehmen vor allem Ziele aus der Industrie ins Visier: 68 Prozent wollen sich bei ihren Investitionen auf Unternehmen aus der industriellen Produktion fokussieren. Also auf den Bereich, in dem die deutsche Wirtschaft traditionell ihre Stärken hat. Mit 38 Prozent folgt die Konsumgüterbranche als Investitionsziel. 35 Prozent nehmen die Automobilindustrie in den Blick.
Roberts: Äußerst attraktiv. Hier stellen wir eine positive Entwicklung für den Standort Deutschland fest: 52 Prozent der befragten Beteiligungsgesellschaften beurteilen die Attraktivität von Deutschland als Zielland für Beteiligungen als gut oder sehr gut. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Etwa 40 Prozent der Beteiligungsgesellschaften, die noch nicht in Deutschland aktiv sind, wollen in den kommenden fünf Jahren hier investieren.
Roberts: Deutsche Fonds werden die Auswirkungen der Richtlinie zur "Regulierung von Managern alternativer Investmentfonds" – kurz AIFMD – spüren. Das sagen 62 Prozent. Sie fürchten höhere Kosten und sehen Probleme, geeignete Mitarbeiter zu finden, die sich mit dieser Compliance-Fragestellung gut auskennen.