NRW: Knapp 40.000 fehlende Pflegekräfte im Jahr 2030

Erkenntnisse der Studie "Fachkräftemangel in Gesundheitswesen & Pflegewirtschaft bis 2030": Die Auswirkungen in Nordrhein-Westfalen werden im Vergleich zu andern Bundesländern ab 2020 noch dramatischer sein. Indes ließe sich durch entsprechende Maßnahmen der Personalmangel deutlich abfedern.

Besonders drastisch im bevölkerungsreichsten Bundesland: Im Gesundheitswesen verdreifacht sich die Zahl der fehlenden Fachkräfte bis 2030, und in der Pflegewirtschaft steigert sich der Mangel sogar um den Faktor 15. Knapp 40.000 Kräfte werden dann fehlen, so keine geeigneten Maßnahmen bis dato unternommen werden. Dies ist ein Negativrekord, den die Studie bislang in noch keinem anderen Flächenland Deutschlands feststellen konnte.

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Abb. 1: Mangel an Fachkräften

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Abb. 2: Versorgung mit
Fachärzten

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Abb. 3: Mangel an
Pflegekräften

Erfreulich ist allerdings, dass sich dieser besonders dramatische Anstieg in der Pflege durch eine Steigerung der Teilnahmequote um zehn Prozent deutlich mildern ließe. Von 38.600 auf weniger als ein Viertel (9.000) ließe sich diese Zahl allein durch die Aktivierung dieser "stillen Reserve" senken. "Diese Erhöhung ist aber nicht alleine durch mehr Berufs- und Studienanfänger machbar, denn sehr viele brechen ihren Beruf nach wenigen Jahren ab und vermindern so die Teilnahmequote", berichtet Michael Burkhart, Partner und Geschäftsbereichsleiter Healthcare/Pharma bei PwC und Leiter der Studie. Um die Quote zu erhöhen, müssten stattdessen die Pflegerinnen und Pfleger erstens in ihrem Beruf gehalten und zweitens zurückgewonnen werden. Beides benötigt hingegen umfassende gesellschaftliche, organisatorische aber auch emotionale Veränderungen. Also die (erleichterte) Anerkennung examinierter Pfleger aus dem Ausland und eine Vereinheitlichung der Ausbildung in Krankenpflege und Altenpflege (siehe auch "Fakten zur Studie").

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Abb. 4: Pflegekräfte im Gesund-
heitswesen

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Abb. 5: Pflegekräfte in der
Pflegewirtschaft

Fakten zur Studie:

Nachdem eine bundesweite PwC-Untersuchung im vergangenen Herbst bereits den dramatischen Anstieg des Personalmangels insgesamt dargestellt hat, kann die regionale Studie jetzt auch detaillierte Aussagen zur Fachkräfteversorgung im Gesundheitswesen und in der Pflegewirtschaft in einzelnen Regionen treffen. Dabei zeigt sich, dass diese in den einzelnen Regionen des Landes sehr unterschiedlich ist. Von PwC entwickelte Szenarien ermöglichen darüber hinaus erstmals, dass sich auch die Wirkung einzelner Maßnahmen abschätzen lässt, inwiefern dieser Mangel noch abwendbar ist.

Fakt ist: Ab 2020 kommt die erste Nachkriegsgeneration in ein Alter, in dem Mehrfacherkrankungen (Multimorbidität) eine deutliche Nachfrage-Steigerung von Gesundheitsleistungen verursachen. 2030 kommt dann erschwerend hinzu, dass die Babyboomer in Rente gehen und es weniger Berufsanfänger gibt, ein Rückgang des Angebots entsteht. Beide Entwicklungen lassen ab etwa 2030 die Situation erst richtig bedrohlich werden. In der Konsequenz, dass es sowohl in der Gesundheits- als auch in der Pflegewirtschaft einen erheblichen Fachkräftemangel geben wird.

Gleichwohl hat PwC Mittel und Wege identifiziert, wie diesem Missstand bestenfalls zu begegnen ist: "Neben nachfrageinduzierten Maßnahmen - etwa kosteneffiziente Gesundheitssysteme – müssen Wege gefunden werden, ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte, die nicht mehr im angelernten Beruf tätig sind, wieder für "ihren" Beruf zu begeistern. Dies hat viel mit Ansehen, Anerkennung und Motivation zu tun", erläutert Michael Burkhart.

Auch sei es wichtig, das Fachkräftepotenzial in Gesundheitswesen und Pflegewirtschaft nachhaltig besser auszuschöpfen. "Dies könnte durch eine Standardisierung der Qualifikation (gleiche Ausbildung bei Kranken- und Altenpfleger), durch eine Verbesserung der Work-Life-Balance mittels innovativer Arbeitszeitmodelle sowie erleichterter Anerkennung ausländischer, gleichwertiger Abschlüsse geschehen", berichtet der Gesundheitsexperte.

Prognose der Fachkräfteentwicklung in drei Szenarien bis 2030

Basisszenario    
Renteneintritt Ärzte ambulant 66 /
stationär 64
 
  Pflege ambulant 62 /
stationär 60
 
Teilnahmequote Ärzte 80% / nicht-ärztlich 90%  
Vollzeitquote Ärzte 89,6% / nicht-ärztlich 73%  
Jahresarbeitszeit 1.540 Stunden  
Szenario: Verbesserte
Rahmenbedingungen
  Realistisches Szenario
Renteneintritt + 2 Jahre wie Basisszenario
Teilnahme- und Vollzeitquote + 10% bis 2030 + 10% bis 2030
Jahresarbeitszeit + 20% (1.900 Stunden) wie Basisszenario
Szenario: Verschlechterte Rahmenbedingungen    
Renteneintritt wie Basisszenario  
Teilnahme- und Vollzeitquote - 10% bis 2030  
Jahresarbeitszeit wie Basisszenario  
  • Teilnahmequoten von 80% bei Allgemeinmedizinern und 82% bei Altenpflegern
  • Vollzeitquoten über alle Berufe von 75%
  • Das Basisszenario schreibt den Stand von heute fort; das Szenario "Verbesserte Rahmenbedingungen" fragt, wie müssten wir die Rahmenbedingungen verändern, um keinen Mangel mehr zu haben? und das Szenario "Verschlechterte Rahmenbedingungen", was passiert, wenn durch die steigende Belastung die Teilzeitquote steigt, das Berufsbild noch unattraktiver wird?

Die Studie entstand nach einer gemeinsamen Idee von PwC und dem Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR

Das unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR unter der Leitung von Dr. Dennis A. Ostwald hat als wissenschaftlicher Partner die Berechnungsmethodik und das Zahlenmaterial erarbeitet und die Berechnung durchgeführt.

PwC lieferte die Interpretation der Daten und die Handlungsempfehlungen.