Indien gewinnt für die Pharmaindustrie an Bedeutung

Die Global Player in der Pharmabranche sind zwar schon seit einigen Jahren in Indien präsent, haben aber bislang nur geringe Marktanteile. Um vom erwarteten Marktwachstum zu profitieren, müssen sie verstärkt mit einheimischen Partnern kooperieren. Auch bei Forschung und Entwicklung sollten die westlichen Konzerne Allianzen mit indischen Unternehmen forcieren.

Für die globale Pharmaindustrie gewinnt Indien in den nächsten Jahren immer mehr an Bedeutung. Der indische Arzneimittelmarkt wird im Jahr 2020 ein Umsatzvolumen von rund 50 Milliarden US-Dollar erreichen. Damit könnte Indiens Pharmamarkt zu den Top Ten weltweit zählen. Derzeit rangiert Indien mit einem Umsatz von rund 19 Milliarden US-Dollar bereits auf Rang 14. Der indische Pharmaboom ist in erster Linie auf das rasante Wirtschaftswachstum zurückzuführen. Zudem verbreiten sich mit zunehmendem Wohlstand und einer alternden Bevölkerung auch Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die eine medikamentöse Therapie erforderlich machen.

Gute Marktchancen für Generika

Bereits heute stammen schätzungsweise 20 Prozent aller weltweit hergestellten Generika aus indischer Produktion und die Aussichten für weiteres Wachstum in diesem Marktsegment sind gut:

Allein in den kommenden drei Jahren läuft in den USA der Patentschutz für Medikamente mit einem Umsatzvolumen von 70 Milliarden US-Dollar ab.

Die Generikahersteller in Indien gehen jetzt strategische Allianzen mit Global Playern der Pharmabranche ein, um ihr Generika-Portfolio zu stärken und diese Medikamente gemeinsam global zu vermarkten. Zusätzlich bauen viele indische Unternehmen ihre eigenen Vertriebsgesellschaften im Ausland auf.

Das Volumen der indischen Pharmaexporte dürfte schätzungsweise von rund acht Milliarden US-Dollar im Jahr 2008 auf 20 Milliarden US-Dollar bis 2020 steigen.

Nur zwei ausländische Hersteller unter Top Ten der Pharmaunternehmen

Derzeit sind unter den zehn umsatzstärksten Pharmaunternehmen auf dem indischen Markt lediglich zwei ausländische Hersteller. Zusammengenommen haben die Top-Ten-Anbieter nur einen Marktanteil von weniger als sieben Prozent. Entsprechend groß ist das Wachstumspotenzial durch Kooperationen oder Zukäufe.

Fusionen und Übernahmen

Im Jahr 2008 verzeichnete die Pharmaindustrie in Indien mit 57 Fusionen und übernahmen ein Wachstum von 128 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Volumen betrug 5,6 Milliarden US-Dollar und belegte somit Platz zwei unter allen Industriesektoren.

Um vom erwarteten Marktwachstum profitieren zu können, müssen die Global Player in der Pharmabranche verstärkt mit einheimischen Partnern kooperieren. Auch bei Forschung und Entwicklung sollten die westlichen Konzerne Allianzen mit indischen Unternehmen forcieren.

Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung sind gut

Für Forschung und Entwicklung (F&E) gaben die zehn größten indischen Hersteller nach PwC-Schätzungen im Jahr 2008 rund 480 Millionen US-Dollar aus.

Allerdings fehlt es indischen Pharmaunternehmen noch an der Finanzkraft, um ein Medikament allein durch die gesamte F&E-Pipeline zu bringen. F&E-Kooperationen mit ausländischen Pharmaunternehmen dürften daher die Regel bleiben.

So sind beispielsweise DRL und Torrent eine Kooperation mit Novartis eingegangen, Ranbaxy mit GSK und Schwarz Pharmaceuticals. Glenmark hat eine Kooperation mit Napo Pharmaceuticals und Piramal Healthcare mit Eli Lily gebildet.

Die Pharmaindustrie kann in Indien auf einen großen Talentpool zugreifen: Jahr für Jahr verlassen etwa 115.000 Studenten mit einem naturwissenschaftlichen Master-Abschluss die Hochschulen. Hinzu kommen schätzungsweise 12.000 Absolventen mit Doktortitel, von denen viele Auslandserfahrung gesammelt haben. 

Zudem müssen ausländische Unternehmen, die in Indien forschen (lassen) wollen, kaum mit Verständigungsproblemen rechnen, da Englisch eine der Amtssprachen ist. Die Lohnkosten betragen in der indischen Pharmaindustrie nur rund ein Drittel im Vergleich mit den Industrieländern.