Klinik stärkt Risikomanagement – Aufsichtsrat kann wesentlich besser steuern und überwachen

Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilmoG) und KonTraG (Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich) sind bei weitem nicht die einzigen Treiber für ein optimiertes Risikomanagement im Gesundheitssektor. Auch andere gefährdende Faktoren wie dolose Handlungen oder Hygienerisiken beispielsweise wirken auf Vorstand und Aufsichtsrat gleichermaßen. Das hat ein süddeutsches Klinikum erkannt und sowohl sein Risikomanagement als auch seine Compliance-Struktur mit Unterstützung durch die PwC-Experten auf eine neue, zeitgemäße Ebene gehoben.

Ausgangslage

Nicht allein die Vorstände und Aufsichtsräte von kapitalmarktorientierten Unternehmen stehen stärker in der Pflicht: Die mediale Aufmerksamkeit gegenüber Verstößen hat zugenommen, und desgleichen hat der gestiegene Kostendruck dafür gesorgt, dass auch im Gesundheitswesen das Risikomanagement auf dem Prüfstand steht. Dabei gilt es, die sehr unterschiedlichen Perspektiven von Medizin, Pflege und Administration zusammenzuführen und in ein schlüssiges Gesamtkonzept zu portieren. Dieses muss den unternehmerischen sowie den aktuellen gesetzlichen Anforderungen gleichermaßen genügen. So hat vor allem das BilmoG dazu geführt, dass Aufsichtsräte intensiver als früher zur Verantwortung gezogen werden. Es existiert demnach eine unternehmerische Verantwortung, das Risikobewusstsein zu stärken und adäquate Methoden wie ein "Compliance-Management-System" (CMS) oder ein "Critical Incident Reporting System" (CIRS) von Vorstandsseite zu implementieren beziehungsweise von Aufsichtsratsseite zu überwachen.

Michael Burkhart, Partner und Geschäftsbereichsleiter Healthcare/Pharma von PwC erläutert: "Was in anderen Branchen bereits geraume Zeit etabliert ist, erreicht nun den Gesundheitssektor. Die Aufsichtsräte sind für das Thema Risikomanagement zunehmend sensibilisiert, da sie mehr in die Pflicht genommen werden als früher. Ein erfolgreich etablierter Corporate-Governance-Kodex hat dabei Ausstrahlungswirkung auf die gesamte Branche. Der Klinikbetrieb hat nun ein schlagkräftiges Instrumentarium, um sowohl aktuellen als auch zukünftigen Risiken in geeigneter Art und Weise zu begegnen."

Vorgehensweise

Erstmalig wurde das Risikomanagementsystem (RMS) des Klinikums in Gänze dokumentiert. Zudem prüften die PwC-Experten, inwieweit Strukturen und Prozesse des RMS und des CMS durchgängig im Unternehmen implementiert waren. Dieser Prozess war indes mehr als eine simple Bestandsaufnahme, sondern eine Synopse aller Pflichten für Vorstand und Aufsichtsrat, gegliedert in "Muss"-, "Kann"- sowie "Soll"-Vorschriften. Zudem erhielten die Gremien eine Übersicht von branchentypischen Best-Practice-Beispielen. Wesentliche Feststellungen zum RMS mündeten darüber hinaus in einer Ampeldarstellung, die plausibel über potenzielle Risiken informiert.

Ergebnis

Von der Einrichtung eines Risikomanagers respektive eines Risikoausschusses über Methoden zur systematischen Risikoidentifizierung und -priorisierung bis hin zur eindeutigen Zuordnung der Risikoverantwortung hat der Klinikbetrieb nun ein schlagkräftiges Instrumentarium, um sowohl aktuellen als auch zukünftigen Risiken zu begegnen. Das Unternehmen ist in die Lage versetzt, dem Aufsichtsrat gegenüber eine strukturierte Risikoberichterstattung zu leisten. Prozessunabhängige Kontrollen, so durch die interne Revision, sind möglich, ein stringenter Corporate-Governance-Kodex lässt sich implementieren.