Das Produktions- und Vertriebsnetz kann zur Achillesferse der Arzneimittelhersteller werden und entscheidet über seine Zukunftsfähigkeit, dies ergab eine neue Studie von PwC. Die Studie "Pharma 2020: Supplying the future. Which path will you take?" diskutiert die Hauptströmungen, die einen Wechsel in Handel und Vertrieb von Medikamenten erfordern, gemeinsam mit Techniken und Technologien, die der Industrie helfen, die notwendigen Schritte zu vollziehen.
Erläutert werden vier gangbare Wege, die die PwC-Experten zur Zukunftsfähigkeit der Branche identifiziert haben und die Schritte, die damit verbunden sind. Die Studie erklärt, warum der Großteil der Pharmaunternehmen Wertschöpfungsketten mit neuen Herstellungsverfahren, Vertriebs- und Servicemanagementtechniken aufbauen sollte und welche kommenden Entwicklungen ihnen dabei helfen könnten.
Bisher war ein unflexibles, nicht kostendeckendes Vertriebsnetz für die Firmen nicht dramatisch, da sie gute Gewinne erzielten. Nun, da immer mehr Patente für Generika auslaufen (in den nächsten sechs Jahren im Wert von 267 Milliarden US Dollar) und die Gesundheitsversorgung aufgrund der engen Kassenlage von therapie- auf ergebnisbasierte Vergütungsmodelle umstellt, ist ein radikaler Umbau des Geschäftsmodells nötig.
Die Arzneimittelhersteller haben bisher zum Teil mit kurzfristigen Maßnahmen reagiert, zum Beispiel durch die Rationalisierung der Produktionskette und durch Zukäufe. Doch nur wenige Vertriebsnetze können sich auf die Marktbedürfnisse von morgen einstellen. Die Experten von PwC raten der Pharmaindustrie deshalb dringend zu einem neuen Produktions- und Vertriebsmodell. In der jetzigen Form seien die Firmen weder wettbewerbsfähig noch auf die zukünftigen Herausforderungen eingestellt. Viele Firmen hätten der Reorganisation und Modernisierung ihrer Wertschöpfungskette bisher zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Um für die zukünftigen Veränderungen gerüstet zu sein, sieht PwC für die Hersteller die Möglichkeit der Spezialisierung als Gesundheitsdienstleister oder die Konzentration auf den Massenmarkt. Spezialisten können entweder zum "virtuellen Hersteller" werden, indem sie ihren Herstellungsprozess auslagern oder sich stärker als "Dienstleistungs-Innovator" auf den Patienten konzentrieren.
Der virtuelle Hersteller delegiert alle Arbeitsschritte, erschafft sich ein virtuelles Netzwerk von integrierten Zulieferern und lagert die Wertschöpfung von der Entwicklung bis zum Vertrieb komplett aus. Hauptproblem dabei ist die Sicherstellung einer gleichbleibenden Qualität.
Für den Dienstleistungs-Innovator hat das genaue Verständnis der Patientenwünsche Priorität. Er nimmt an Foren teil, verlinkt sich mit Patienten, wertet Feedback aus und passt Geräte und Hilfsmittel dementsprechend an. Er überwacht Wirksamkeit und Verträglichkeit von Medikamenten und Therapien und setzt die Erkenntnisse zeitnah um. Service und Know-how machen seine Firma unverwechselbar.
Im Gegensatz zur Spezialisierung gibt es die Möglichkeit, sich als Hersteller auf den Massenmarkt zu fokussieren oder sich als Profit Center für unternehmensinterne und externe Kunden anzubieten. Firmen, die sich auf den Massenmarkt konzentrieren, müssen den angemessenen Preis für ein Produkt bestimmen können. Nur wenn anfallende Kosten jedem Glied der Wertschöpfungskette detailliert zugerechnet werden können, kann genau kalkuliert werden, welches Arzneimittel dauerhaft profitabel ist. Arzneimittelhersteller, die den Wandel zu einem Profit Center vollziehen möchten, brauchen sowohl genaue Informationen über die eigenen Stärken und Schwächen als auch über das Marktumfeld, um wettbewerbsfähig zu sein.
Pharma 2020: Supplying the future - Which path will you take?
PwC New York
Februar 2011
36 S.
Zahlr. Abb.