Studie mHealth: Der Gesundheitsmarkt wird mobiler, schneller und flexibler

Mobile Dienste wie Apps für Smartphones werden den Gesundheitsmarkt grundlegend verändern. Bereits die Hälfte aller Patienten glaubt daran, dass Mobile Health, kurz mHealth, das Gesundheitssystem verbessern wird. Auch die Akteure des Gesundheitswesens, Ärzte, Krankenkassen und die Pharmaindustrie, sehen das enorme Potenzial der mobilen Gesundheitsdienstleistungen. Sie erwarten aber, dass es noch dauert, bis sich die Innovationen durchsetzen werden. Das sind zentrale Ergebnisse der internationalen PwC-Studie „Emerging mHealth: Paths for growth“.

Der Bereich E-Health ist bereits jetzt der drittgrößte Wachstumsmarkt in Europa nach dem Arzneimittelmarkt und der Medizintechnik. Besondere Erwartungen hat die Gesundheitsbranche an die mobilen Dienste.

mHealth: Antwort auf den demografischen Wandel

Die mobilen Gesundheitsdienstleistungen sind mehr als eine technische Spielerei. Sie ermöglichen es, künftigen Versorgungsengpässen durch den demografischen Wandel vorzubeugen. Im Jahr 2025 werden 30 Prozent der Europäer 65 Jahre oder älter sein. Die Zahl chronisch Kranker wird sich in den kommenden 20 Jahren voraussichtlich verdoppeln. Auf diese Herausforderungen muss der Gesundheitsmarkt reagieren. „mHealth wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Dazu trägt auch die rasante Verbreitung von Smartphones in Deutschland bei“, so Michael Burkhart.

„Die Vorteile liegen auf der Hand: Durch mHealth wird der Gesundheitsmarkt flexibler, schneller, leichter zugänglich und preiswerter.“ 



Michael Burkhart, Geschäftsbereichsleiter Gesundheitswesen & Pharma bei PwC

Allerdings wird es Zeit brauchen, bis sich die mobilen Anwendungen flächendeckend durchgesetzt haben. Das sind nach der PwC-Studie die größten Barrieren:

  • Der Gesundheitsmarkt steht Wandel kritisch gegenüber
    Eine neue Technologie allein reicht nicht aus. Die Branche muss sich insgesamt verändern. Die Gesundheitsbranche ist bislang aber sehr konservativ geprägt und stark reguliert. Die mobilen Dienstleistungen verändern die Art der Zusammenarbeit – zwischen Arzt und Patient und den Akteuren des Gesundheitswesens. Darauf muss sich der Markt erst einstellen.
  • Die Interessen von Ärzten und Patienten unterscheiden sich
    Patienten wünschen sich eine qualitativ gute und komfortable Form der Gesundheitsversorgung. Das nennen sie an erster Stelle. Zudem möchten sie die Kosten reduzieren und stärkere Kontrolle über die eigene Gesundheit gewinnen. Dieser Punkt steht im Gegensatz zu den Wünschen der Ärzte, die ungern Kontrolle abgeben – 64 Prozent der Befragten bestätigen das.
  • Skepsis in den Industrieländern
    Während die Emerging Markets als Pioniere der mobilen Gesundheitsdienste gelten, agieren die Industrienationen verhalten. In der Studie bestätigten 61 Prozent der Patienten in Emerging Markets, dass sie mit mHealth vertraut sind; in den Industriestaaten waren das nur 37 Prozent. Dort, wo das Gesundheitssystem gut ausgebaut ist, gibt es mehr Skepsis gegenüber der Innovation.
  • Deutschland: Wenig Wissen über die Möglichkeiten und Sicherheitsbedenken
    Speziell in Deutschland wissen Patienten wenig über die Chancen von mHealth – 46 Prozent der Befragten gaben das als größte Hürde an. Ärzte dagegen haben vor allem Bedenken, was die Sicherheit und den Datenschutz betrifft. Das bestätigten 47 Prozent.

„In Zukunft werden die Anwendungen interaktiver und ortsungebundener sein. Diese Entwicklung wird sich weiter beschleunigen und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. mHealth ist eine gute Lösung zur Steigerung der Patientenmobilität und zur Versorgung von Menschen auch in strukturschwachen Gebieten.“

Dr. Volker Fitzner, Partner und Experte für mHealth

mHealth bietet Unternehmen gute Geschäftsperspektiven. Auf sechs Prinzipien kommt es dabei an. Die mobilen Dienstleistungen sollten:

  1. kompatibel mit anderen, auch nicht-mobilen Funktionen sein, um große Datenmengen verarbeiten zu können.
  2. reibungslose Arbeitsabläufe zwischen Ärzten, Patienten, Krankenkassen etc. ermöglichen.
  3. Problemlösungskompetenz haben.
  4. einen Informationsaustausch zwischen verschiedenen Personen und Gruppen erlauben.
  5. sich finanziell rechnen.
  6. eine Mitarbeit des Patienten ermöglichen.