Der Umsatz der Pharmaindustrie wird sich laut einer PwC-Studie bis zum Jahr 2020 auf weltweit rund 1,3 Billionen US-Dollar mehr als verdoppeln. Schrittmacher dieser Entwicklung sind vor allem der demografische Wandel und der Wirtschaftsaufschwung in den sogenannten E7-Ländern (China, Indien, Brasilien, Russland, Indonesien, Mexiko und die Türkei).
Von dem prognostizierten Wachstum werden aber nur Pharmahersteller profitieren, die in der Lage sind, sich an grundlegend veränderte Rahmenbedingungen anzupassen:
Die Arzneimittelforschung muss sich stärker als bisher an den medizinischen Bedürfnissen orientieren. Neue Präparate, die nur einen geringen Mehrwert gegenüber bereits verfügbaren Medikamenten bringen, haben künftig kaum noch eine Chance auf dem Markt. Umgekehrt ist es möglich, dass sich staatliche und private Kassen beziehungsweise Geldgeber an der Erforschung innovativer Medikamente beteiligen, wenn deren Einsatz langfristig die Kosten des Gesundheitssystems senken könnte.
Das aktuelle Forschungsmodell ist zu überdenken und stärker auf spezifische Patientengruppen auszurichten. Die Entwicklung und die klinischen Tests sollten in enger Kooperation mit den Zulassungsbehörden gestaltet werden. Nach erfolgter, stark eingeschränkter Zulassung könnten die Medikamente weiter getestet und der Anwendungsbereich gegebenenfalls ausgeweitet werden.
Die Aufsichtsbehörden können ihren Teil dazu beitragen, Kosten und Dauer der Zulassungsverfahren zu verringern. Zwar arbeiten bereits heute nationale und regionale Zulassungsstellen und Aufsichtsbehörden zusammen, indem sie Informationen über Wirksamkeit und Sicherheit von Medikamenten austauschen. Es wäre aber bis 2020 denkbar, dass sich alle zuständigen staatlichen Stellen an einem globalen System beteiligen, das länderübergreifend einen schnellen Datenaustausch ermöglicht.
Auf Dauer bleibt Gesundheit nur bezahlbar, wenn Krankheiten vermieden werden, anstatt sie aufwändig zu therapieren. Derzeit fließen in den OECD-Staaten nur drei Prozent der Gesundheitsausgaben in die Prävention, obwohl es nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei einer optimalen Vorsorge fast 80 Prozent weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Diabeteserkrankungen sowie 40 Prozent weniger Krebserkrankungen gäbe. Die Pharmaunternehmen können bei der Prävention eine wichtige Rolle spielen, wenn sie sich stärker als bisher als Gesundheitsmanager verstehen. Ein Schwerpunkt wird die Entwicklung von Impfstoffen sein. Aktuell sind bereits über 250 Präparate in der klinischen Erprobung. Das weltweite Marktvolumen für Impfstoffe dürfte im Jahr 2015 bei 42 Milliarden US-Dollar liegen.
Einer wissenschaftlichen Studie zufolge lösen rund 20 Prozent der Patienten in den USA ihre Medikamentenverschreibung gar nicht ein oder nutzen die Medikamente anderer Personen; 60 Prozent aller befragten Patienten konnten nicht angeben, welche Medikamente sie einnehmen. Dass Patienten ihre Arzneimittel nicht wie verordnet einnehmen, hat nicht nur Auswirkungen auf die Sicherheit, sondern erzeugt Risiken und Umsatzverluste für die Pharmaindustrie. Eine verbesserte Überwachung und Kontrolle der Einnahme von Medikamenten würde nicht nur den Umsatz der Pharmahersteller steigern, sondern auch die Patientensicherheit erhöhen und zu einem niedrigeren Krankenstand beitragen.
Beim Medikamentenvertrieb wird es künftig nicht mehr darauf ankommen, möglichst viele Verpackungseinheiten abzusetzen, sondern ein Therapiepaket von Arzneimitteln und Gesundheitsdienstleistungen anzubieten, das einen höheren Mehrwert für den Patienten hat als die Medikamente alleine. Die Vergütung wird sich daran orientieren, ob und inwieweit sich der Gesundheitszustand des Patienten verbessert hat.
Die starke Abhängigkeit der Pharmaindustrie von Groß- und Zwischenhändlern könnte sich in den kommenden Jahren verringern. So erleichtern neue Technologien den Direktvertrieb: Patienten erhalten von ihrem Arzt ein elektronisches Rezept auf ihrer Versichertenkarte. Die Daten werden dann ausgelesen und über das Internet an eine Online-Apotheke weitergeleitet, die das Medikament direkt an den Besteller ausliefert. Auf diese Weise ist es möglich, dass Arzneimittel für den Patienten billiger werden, obwohl die Marge der Pharmahersteller steigt.
Zu diesen und weiteren Ergebnissen gelangt die PwC-Studie "Pharma 2020: The Vision - Which path will you take?" aus dem Jahr 2007, die als kostenloser Download zur Verfügung steht.