Die deutsche Ernährungsindustrie verzeichnet seit Jahren im Inland nur geringe Wachstumsraten. So hat sich der Absatz deutscher Lebensmittel und Getränke von 1998 bis 2006 im Inland jährlich um 1,2 Prozent gesteigert, während im Ausland ein Anstieg von sechs Prozent zu verzeichnen war. Die Exportquote belief sich 2006 auf 23,2 Prozent. Der Export hat damit eine existenzielle Bedeutung für deutsche Produzenten von Lebensmitteln und wird auch zukünftig als Wachstumsmotor entscheidend die Entwicklung der Branche beeinflussen.
Sowohl im In- als auch im Ausland gibt es eine Fülle von Instrumenten und Maßnahmen, sowohl von staatlicher als auch von halbstaatlicher Seite, die der deutschen, zum Großteil mittelständisch strukturierten Ernährungsindustrie bei der Erschließung von Auslandsmärkten zur Verfügung stehen.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und die PwC haben vor diesem Hintergrund den Status quo des Exportförderungsangebots untersucht, um daraus Handlungsempfehlungen für die Ausgestaltung der Förderinstrumente und die Erschließung von Auslandsmärkten abzuleiten. Die Studie ist das Ergebnis einer quantitativen Befragung von Unternehmen aus der deutschen Ernährungsindustrie und einer qualitativen Analyse auf Basis von Interviews mit Unternehmensvertretern sowie Vertretern staatlicher Institutionen und Organisationen.
Europa behauptet seine Spitzenposition
Zielregion deutscher Lebensmittel ist hauptsächlich Europa. Insbesondere asiatische Länder haben bislang keine nennenswerte Bedeutung für den Export deutscher Lebensmittel und Getränke. Die Befragung unter den Unternehmen bestätigt zum einen die hohe Bedeutung des europäischen Absatzmarktes und zum anderen, dass asiatische, amerikanische und afrikanische Länder in naher Zukunft nicht daran anschließen können. Einzig die osteuropäischen Staaten, insbesondere Russland und Polen werden für die Unternehmen zunehmend wichtiger.
Im Bereich der Förderung der Auslandsmarkterschließung gibt es ein vielfältiges Angebot an Instrumenten, von denen einige auf die Belange der Ernährungsindustrie zugeschnitten sind. Als Beispiele kann das Messeprogramm des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) mit Ausrichtung auf Agrar- und Ernährungsmessen genannt werden. Eine besondere Bedeutung kommt auch der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH (CMA) als Hauptanlaufstelle für Unternehmen der Ernährungsindustrie bei Exportaktivitäten zu. Neben der Spezialisierung der CMA auf die besonderen Fragestellungen der Ernährungsindustrie ist besonders das umfassende Angebot verschiedener Dienstleistungen aus einer Hand hervorzuheben. Hierbei wird das gesamte Spektrum möglicher Förderinstrumente, angefangen bei branchenbezogenen Marktinformationen bis hin zur Kontaktanbahnung mit Importeuren, abgedeckt.
In der mittelständisch geprägten deutschen Ernährungsindustrie ist der Export über die Muttergesellschaft in Deutschland der Umfrage zufolge die dominierende Organisationsform für den Vertrieb ihrer Produkte ins Ausland. Insbesondere zur Erschließung geografisch entfernter Märkte sollten Mittelständler ähnlich wie die großen internationalen Konsumgüterhersteller allerdings alternative Optionen zum Export in Betracht ziehen. Eigene Produktionsstätten im Ausland oder der Vertrieb über eigene oder als Joint Venture betriebene Tochtergesellschaften im jeweiligen Zielland bieten eine deutlich größere Marktnähe, sind auf der anderen Seite aber auch mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Noch deutlich mehr als für den Export gilt hier: Der Gang ins Ausland bedarf einer sorgfältigen Vorbereitung.