Die deutsche Ernährungsindustrie blickt optimistisch in die Zukunft. Das belegt das PwC-Exportbarometer der deutschen Ernährungsindustrie, das die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie bei der Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft in Auftrag gegeben hat. Bereits zum fünften Mal in Folge wurden 400 Geschäftsführer beziehungsweise Exportleiter zu Status Quo und Aussicht ihrer Exportkonjunktur befragt.
Die Unternehmen der deutschen Ernährungsindustrie sind hinsichtlich ihrer Exportmöglichkeiten unverändert positiv gestimmt. Das ist die wichtigste Aussage des PwC-Exportbarometers 2012. Vor allem im Hinblick auf die Geschäftserwartung für die kommenden sechs Monate ist von den Unternehmen der Ernährungsindustrie eine optimistischere Einschätzung zu hören als noch vor einem halben Jahr. Der Saldo stieg im Vergleich zum Dezember-Wert von plus 28 Punkte auf plus 35 Punkte an.
Erheblich heterogener zeigt sich allerdings eine Ausdifferenzierung der einzelnen Branchen: während bei Molkereiprodukten, Backwaren, Bier und alkoholfreien Getränken die Geschäftslage mit jeweils über 60 Punkten überwiegend als gut bezeichnet wird, ist die Lage bei Fleisch mit plus 7 deutlich schlechter als vor 6 Monaten , als noch ein Wert von 48 Punkten erreicht wurde.
Die drei wichtigsten EU-Länder, in die Unternehmen regelmäßig exportieren
Wichtigste Exportregion für deutsche Lebensmittelausfuhren ist und bleiben die Länder der Europäischen Union mit 80 Prozent aller Exporte. Zu den bedeutendsten Absatzmärkten zählen Österreich, Frankreich, Niederlande, Italien und Polen. Polen wird als Exportmarkt insbesondere im Vergleich zu Spanien und Großbritannien immer wichtiger.
Gegenüber der Dezember-Befragung sind die Exporterwartungen für die großen Märkte Frankreich, Niederlande und Österreich weitgehend stabil. Erfreulich verbessert haben sich die Erwartungen der Unternehmen hinsichtlich der Exporte nach Italien: Hier rechnen wieder 36 Prozent der befragten Unternehmen (Dezember 2011: nur 27 Prozent) mit steigenden Absätzen und nur noch 14 Prozent (Dezember 2011: 19 Prozent)erwarten rückläufige Exporte. Für Spanien haben sich die Exporterwartungen wegen der schlechten konjunkturellen Lage dagegen eingetrübt: nur noch ein Fünftel der Befragten geht von steigenden Exporten aus, während nahezu der gleiche Anteil weiter sinkende Absätze erwartet.
Die wichtigsten Absatzmärkte außerhalb der EU sind weiterhin die USA, Russland und die Schweiz. Die Absatzerwartungen für die USA sind nach dem Hoch im Dezember deutlich zurückgegangen: nur noch 41% der Befragten (nach 63 Prozent im Dezember) gehen von steigenden Absätzen aus. Die Ausfuhren nach Russland laufen dagegen trotz des bevorstehenden WTO-Beitritts des Landes weiterhin eher schleppend. Die nach wie vor schwierigen Exportbedingungen, insbesondere beim Fleischexport, und die gemäßigte Konsumlaune in Russland sorgen dafür, dass weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen (nach 72 Prozent im Mai 2011) von steigenden Exporten ausgeht.
Die drei wichtigsten Nicht-EU-Länder, in die Unternehmen regelmäßig exportieren
Auffallend ist die besonders positive Einschätzung der Exportentwicklung für Japan ein: 58 Prozent erwarten in den nächsten sechs Monaten steigende Absätze. Der japanische Markt stabilisiert sich nach Fukushima wieder auf hohem Niveau.
Ein Sonderschwerpunkt der aktuellen Befragung ist das Thema Exporterwartungen für die so genannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China, die die weltweit wachstumsstärksten Lebensmittelmärkte sind. Für das Exportgeschäft der kommenden Jahre stehen Russland und China ganz eindeutig im Fokus der Unternehmen. Von den befragten Exportleitern messen 38 Prozent Russland große beziehungsweise sehr große Bedeutung bei, der vergleichbare Wert für China beträgt 31 Prozent. Die Bedeutung des chinesischen Marktes für deutsche Lebensmittelexporte wächst deutlich schneller als die Russlands. Nur knapp 10 Prozent der Befragten glauben hingegen, dass Brasilien und Indien für ihr Exportgeschäft in den nächsten Jahren Bedeutung erlangen wird.
Die drei größten Hemmnisse, die eine Markterschließung erschweren
Den Marktzugang erschweren neben abweichenden Konsumbedürfnissen und kulturellen Unterschieden vor allem nicht-tarifäre und tarifäre Handelshemmnisse, in Russland und China kommt die mangelnde Rechtsicherheit hinzu. Um diese Wachstumsmärkte für deutsche Lebensmittelexporte besser zu erschließen, sind somit vor allem verstärkte handelspolitische Anstrengungen notwendig.