Nachhaltige Verpackung noch nicht einheitlich definiert

Nachhaltigkeit spielt sich bei Handels- und Konsumgüterunternehmen bisher hauptsächlich im Einkauf ab. In jüngster Zeit wird jedoch auch verstärkt über nachhaltige Verpackungen diskutiert. Doch so einig sich die Experten über die Wichtigkeit des Themas an sich auch sind, so uneinig sind sie sich bei der Definition von nachhaltiger Verpackung. Das beweist aktuell eine Umfrage des EHI Retail Instituts zum Thema "nachhaltige Verpackungskonzepte".

Dabei kann das Handelsinstitut auf eine breite Datenbasis zurückgreifen. 61 Teilnehmer beantworteten den Fragebogen der Handelsexperten, davon 25 aus dem Handel und 36 aus der Konsumgüterindustrie. Die Mehrheit der Befragten misst dabei dem Thema nachhaltige Verpackung eine zumindest gleich bleibende Relevanz in der Zukunft zu. Allerdings glauben nur 16 Prozent der Befragten, eine klare Definition von Nachhaltigkeit in Bezug auf Verpackungen zu erkennen. Die große Mehrheit geht vielmehr davon aus, dass zwischen Geschäftspartnern und in der Öffentlichkeit kein einheitliches Verständnis darüber existiere.

Gemeinsame Definition muss noch gefunden werden

Es fehlen also einheitliche, adäquate Konzepte, mit denen individuelle Verpackungslösungen bewertet werden können und die der Komplexität des Themas gerecht würden. Denn bei der Bewertung und somit auch bei der Kommunikation der Nachhaltigkeit von Verpackungen können nicht nur Teilbereiche betrachtet werden - sei es das Produkt an sich und beispielsweise seine Recyclingfähigkeit oder auch sein Mehrfachverwendung. Um eine wirklich nachhaltige Definition zu finden, sollten für jedes Produkt das gesamte Verpackungssystem aus Primär-, Sekundär- und Tertiärverpackung einschließlich des Produktes selbst und der gesamte Lebenszyklus Berücksichtigung finden. Für die Bewertung der Nachhaltigkeit in Bezug auf Verpackungen und die Transparenz gegenüber dem Verbraucher ist innerhalb der Supply Chain noch ein verbesserter Kommunikations- und Abstimmungsbedarf notwendig.

Unterschiedlichste Verpackungsmaterialien und Herstellungsverfahren

Die Krux an der Beurteilung von Verpackungen: Es werden die unterschiedlichsten Ausgangsmaterialien angewendet.

  • Glas beispielsweise besteht aus einigen der in der Erdrinde am häufigsten vorkommenden Rohstoffe, nämlich Sand, Soda und Kalk, und es kann ohne Qualitätsverlust unbegrenzt immer wieder verwendet werden.
  • Kunststoffe werden auf der Basis von Mineralöl hergestellt, derzeit sind aber diverse Bio-Kunststoffe in der Entwicklung, die aus unterschiedlichen nachwachsenden Rohstoffen produziert werden können.
  • Papier und Pappe werden bereits auf der Basis nachwachsender Rohstoffen hergestellt, diese müssen aber extrem energie- und wasserintensiv aufbereitet werden.

Noch werden die auf nachwachsender Basis hergestellten Produkte in der Konsumgüterindustrie zögernd angewendet - sei es, dass die Produkte an sich noch nicht ausgereift sind oder ihre Herstellung noch zu kostenintensiv ist.

Wettbewerbsvorteil in Sicht?

Eines zeigen die Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der nachhaltigen Verpackungen aber auf alle Fälle: Die Handels- und Konsumgüterindustrie hält das Thema für wichtig und zukunftsweisend. Und damit dürfte es sich zu einem echten Wettbewerbsvorteil herauskristallisieren.