Nahrungsmittelversorgung der Zukunft: Auf innovative Technologien kommt es an

Klimawandel und Rohstoffknappheit, eine wachsende Weltbevölkerung und veränderte Konsumgewohnheiten stellen die europäische Agrar- und Nahrungsmittelindustrie vor große Herausforderungen. Um die Nahrungsmittelversorgung der Weltbevölkerung sicherzustellen, kommt es mehr denn je auf innovative Technologien an. Zu diesem Ergebnis gelangt die PwC-Analyse „Futures of food provision“. Die Studie entwirft vier Szenarien für die Lebensmittelversorgung der Zukunft.

Die Agrar- und Nahrungsmittelbranche bekommt die Auswirkungen von Klimawandel und Ressourcenknappheit deutlich zu spüren: Trockenheit und extreme Wetterereignisse vernichten Ernten, steigende Wassertemperaturen bedrohen den Fischfang. Die Weltbevölkerung wächst um eine Million Menschen pro Woche. Wenn im Jahr 2050 rund 9,7 Milliarden Menschen auf der Erde leben, müssen 70 Prozent mehr Lebensmittel produziert werden als heute.

Besonders die Nachfrage nach Fleisch, Eiern und Milchprodukten steigt rasant, da Menschen rund um den Globus die westlichen Essgewohnheiten übernehmen. Gleichzeitig liegen nachhaltig produzierte Lebensmittel weltweit im Trend. Konsumenten möchten wissen, woher ihr Essen stammt und unter welchen Bedingungen es produziert und verkauft wird.

Technologische Neuerungen wie Smart Farming erhöhen die Effizienz

Um den Lebensmittelbedarf in Zeiten des Klimawandels und der Ressourcenknappheit zu decken, spielen Innovationen eine zentrale Rolle. „Mit technologischen Neuerungen bei Saatgut, Dünge- und Futtermitteln hat die Branche ihre Effizienz bereits spürbar erhöhen können. Smart Farming hilft den landwirtschaftlichen Betrieben dabei, ihre Prozesse bei Aussaat, Bewässerung, Düngen und Ernten auf der Basis von Daten zu optimieren“, kommentiert Reinhard Vocke, Partner, Leiter des Geschäftsbereichs Handel und Konsumgüter in DACH für PwC Strategy&.

Vier Szenarien für die Versorgung der Zukunft

Die Kernfrage lautet, inwiefern innovative Technologien die Probleme, die für die Agrarindustrie durch Klimawandel und neue Konsumgewohnheiten entstehen, lösen können. Die PwC-Studie zeichnet vier mögliche Zukunftsszenarien:

Szenario 1: Genügend Lebensmittel für alle
In diesem Szenario setzt sich der westliche Ernährungsstil weltweit durch. Bauern und Nahrungsmittelhersteller nutzen Technologien, um ihre Effizienz zu erhöhen. Die Branche ist dadurch in der Lage, genügend Lebensmittel für alle herzustellen. Die Preise sinken – zulasten der Qualität. Große Unternehmen dominieren den Markt.

Szenario 2: Der Trend zur Nachhaltigkeit setzt sich durch
Konsumenten legen mehr Wert auf nachhaltig produzierte Lebensmittel und sind bereit, dafür einen Aufpreis zu zahlen. Um den großen Bedarf an nachhaltigem Essen zu decken, nutzt die Agrarindustrie neue Technologien wie Smart und Indoor Farming. Die Branche ist fragmentiert: Größere Unternehmen bestehen neben vielen kleineren Betrieben.

Szenario 3: Die landwirtschaftliche Produktion ist zweigeteilt
Nachhaltig produzierte Lebensmittel werden verstärkt nachgefragt. Die Auswirkungen von Klimawandel und Ressourcenknappheit auf die Nahrungsmittelbranche lassen sich aber auch mit innovativen Technologien nicht in den Griff bekommen. Wer es sich leisten kann, kauft nachhaltige Produkte bei lokalen Händlern. Viele Nischenanbieter existieren neben großen Konzernen.

Szenario 4: Renationalisierung der Branche
Technologischer Fortschritt kann die Folgen des Klimawandels nicht abfedern. Die Preise für nachhaltig produzierte Lebensmittel sind extrem hoch, die Nachfrage entsprechend gering. Die Landwirtschaft unterliegt wieder stärker staatlichen Einflüssen und Regulierungen, um die Versorgung der Bevölkerung mit bezahlbaren Lebensmitteln sicherzustellen.

Klare Botschaften und Differenzierung vom Wettbewerb

„Keines dieser vier Szenarien wird in Reinform eintreffen. Vermutlich werden wir Kombinationen verschiedener Szenarien beobachten“, so die Einschätzung von Reinhard Vocke. Er ist überzeugt: „Unternehmen müssen sich darüber klar werden, wie sie im Markt auftreten und wie sie sich vom Wettbewerb abheben wollen. In der Kommunikation mit Kunden und Verbrauchern stehen klare Botschaften und Transparenz zu Produkten und Wertschöpfungskette an erster Stelle.“