Südafrika hat als Gastgeber der Fußball-WM 2010 einen guten Eindruck in der Welt hinterlassen. Das Motto der WM war der Slogan "Ke Nako", was in der Übersetzung "Es ist Zeit" bedeutet. Doch reicht der Überschwang aus dem großen Sportereignis auch für die Zeit danach? Oder mit anderen Worten, ist das Land bereit für die wirtschaftlichen Herausforderungen, die es zu bewältigen hat und kann die Dynamik, die durch die Ausrichtung der Veranstaltung die Menschen erfasst hat, auch auf die Wirtschaft übertragen werden?
Südafrika war Gastgeber für die Welt: Mehr als 200.000 Touristen aus Übersee besuchten das Land am Kap zur Fußball-WM 2010 nach Angaben des südafrikanischen Innenministeriums. Mehr als 9,5 Milliarden Euro hat die WM unabhängigen Schätzungen zufolge der südafrikanischen Wirtschaft eingebracht, davon steuerten allein die Touristen und WM-Besucher 16 Prozent bei. Doch schon der Ausbau der Infrastruktur im Vorfeld der Großveranstaltung kostete das Land umgerechnet rund 15 Milliarden Euro. Baugruben und Bagger prägten die Stadtbilder in den Austragungsorten.
Der Bauboom kam jedenfalls auch ausländischen Unternehmen zugute. Deutsche Unternehmen haben nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gute Geschäfte rund um die WM gemacht. Der DIHK beziffert das Volumen der Aufträge, die die deutsche Wirtschaft rund um die WM erhalten hat, auf 1,5 Milliarden Euro. Insgesamt exportierten deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr Waren im Wert von 5,9 Milliarden Euro ans Kap der Guten Hoffnung mit seinen knapp 50 Millionen Einwohnern, während Südafrika nach Deutschland Waren im Wert von 3,7 Milliarden Euro ausführte. Allerdings: Die Volksrepublik China hat Deutschland als wichtigsten internationalen Handelspartner der Südafrikaner abgelöst.
Die Weltwirtschaftskrise hat das südlichste Land des afrikanischen Kontinents stärker getroffen als zunächst angenommen – da kam die Fußball-WM mit ihren Wachstumsimpulsen gerade zur rechten Zeit. Nach zwei konsumschwachen Jahren rechnen die Länderexperten von Germany Trade and Invest mit einem starken Anstieg des privaten Verbrauchs. Gefragt sind vor allem Konsumgüter wie Lebensmittel, Kosmetika und Textilien. Zu den guten Nachrichten über Südafrikas Wirtschaft trägt die Landwirtschaft bei. Obwohl sie nur etwa vier Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Kap-Republik beiträgt, macht sie Südafrika zum drittgrößten Exporteur von Agrarprodukten weltweit. Ausgeführt werden vor allem Zitrusfrüchte, Äpfel, Birnen, Mais, Weizen, Zuckerrohr, Tabak, Schnittblumen und Wein.
Gerade die Winzer aus den Kap-Provinzen haben nach der Fußball-WM Grund zur Freude. Im Zeitraum Januar bis Juni 2010 erzielten die Flaschenweinexporte von Weiß- wie Rotwein aus Südafrika ein Absatzplus von vier Prozent – und das trotz der erstarkten südafrikanischen Währung Rand, die Ausfuhren erheblich behindert. Allein nach Deutschland sind die Flaschenweinexporte in den ersten sechs Monaten des Jahres um 50 Prozent auf 11,5 Millionen Liter gestiegen. Und auch die USA, das Land, das die meisten WM-Tickets gekauft hat, hat 23 Prozent mehr Flaschenweine geordert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der spanische Konzern Inditex, zu dem Modeketten wie Zara und Massimo Dutti zählen, will sein Geschäft in Südafrika aufbauen und eröffnet in diesem Jahr die ersten Zara-Stores des Landes. Das gab das Unternehmen aus La Coruña auf seiner Hauptversammlung bekannt. Die wachsende Mittelschicht in Südafrika wird sich auf die kommenden Angebote freuen, denn sie treibt mit ihren Konsumwünschen die Binnennachfrage.
Die Fußball-WM hat wichtige Impulse für die südafrikanische Wirtschaft geliefert und erheblich zu einer Steigerung der Konsumlaune der Bevölkerung beigetragen. Wie lange sich die Euphorie über das runde Leder im Lande halten kann, lässt sich derzeit nur schwer abschätzen. Jedenfalls wurden durch die Investitionen in die Infrastruktur des Landes wichtige Meilensteine für die erfolgreiche Teilnahme der Kap-Republik an der Weltwirtschaft gelegt.