Handels- und Konsumgüterunternehmen beschaffen schon lange Waren aus China – doch als Absatzmarkt hat das Reich der Mitte zumindest für deutsche Unternehmen im Branchenvergleich bisher nur geringe Bedeutung. Das ist ein Ergebnis der Studie "Logistik-Markt in China: all inclusive". Aber das könnte sich bald ändern. Schon heute gibt es eine kaufkräftige und an westlichen Markenprodukten interessierte Mittelschicht und die chinesische Regierung will den Binnenkonsum weiter stärken.
Die Volksrepublik China ist für deutsche Handels- und Konsumgüterunternehmen und hier vor allem für die Großen der Branche mit mehr als einer Milliarde Euro Jahresumsatz einer der wichtigsten Beschaffungsmärkte weltweit. Fast 80 Prozent der Unternehmen, die für die Studie "Logistik-Markt in China: all inclusive" befragt wurden, beschaffen Waren und Vorprodukte in der Volksrepublik – zwei Drittel fertigen sogar ganz in China. Produziert werden vor allem Elektro- und Elektronikgeräte, Möbel, Schmuck, Spielwaren und Bekleidung. Jedes vierte Unternehmen hat sogar seine Designfunktion in die Volksrepublik verlagert.
Doch so sehr deutsche Händler und Hersteller China als Produktionsstandort schätzen, so vernachlässigen sie bisher noch den chinesischen Markt. Während durchschnittlich 57 Prozent aller befragten Unternehmen ihre Produkte in der Volksrepublik auch verkaufen, tun dies bei Handels- und Konsumgüterunternehmen nur 42 Prozent. Dabei könnte das Land ein Markt mit enormem Potenzial für Handels- und Konsumgüterunternehmen sein, denn der chinesische Handelsmarkt wächst jährlich stabil um zehn Prozent und es ist eine kaufkräftige Mittelschicht von schätzungsweise 200 Millionen Verbrauchern entstanden, die sehr an westlichen Markenprodukten interessiert ist.
Branchenexperten gehen davon aus, dass China bereits im Jahr 2015 die USA als größten Lebensmittelmarkt der Welt ablösen wird. Zudem wächst der Onlinehandel in der Volksrepublik dank steigender Verbreitung des Internets, sicherer Zahlungsmethoden und zuverlässiger Warenbelieferung stark an. Allein zwischen den Jahren 2004 und 2010 ist der Internethandel um mehr als das Doppelte gewachsen. Da sich auch die Einkommenssituation auch der Menschen unterhalb der Mittelschicht stetig verbessert, gehen Prognosen davon aus, dass die jährlichen Konsumausgaben in China um rund 70 Milliarden Euro steigen werden.
Allen guten Vorhersagen zum Trotz sollten Handels- und Konsumgüterunternehmen aber im Blick behalten, dass der Markt mit Endverbrauchern anderen Regeln unterliegt als beispielsweise der Maschinen- oder Anlagenbau. So selbstverständlich es klingen mag: eine Anpassung an die chinesischen Konsumgewohnheiten ist die wesentliche Voraussetzung für Akzeptanz und Erfolg beim chinesischen Verbraucher. Einigen chinesischen Herstellern gelingt es, mit ihren Produkten den westlichen Konkurrenten Marktanteile abzujagen.
Markterfolge in der chinesischen Republik kommen aktuell aus dem Lebensmitteleinzelhandel. Nach rund einem Jahrzehnt haben sich Vertriebsformate wie Supermärkte, SB-Warenhäuser und Convenience Stores insbesondere in den Metropolen neben den traditionellen Handelsformaten etabliert. Westliche Konzerne beginnen nun, auch die entfernteren Landesprovinzen zu erobern. Voraussetzung für diese Expansion sind funktionierende logistische Strukturen als Rückgrat der Warenwirtschaft. International tätige Unternehmen wie Carrefour, Metro Group, Tesco und Wal-Mart haben sich über die letzten Jahre hinweg funktionierende Kühlketten aufgebaut und so die Grundlage für den modernen Lebensmitteleinzelhandel gelegt. Ausdauer hat hier zum Ziel geführt – und den Lebensmitteleinzelhandel in eine Vorreiterrolle gebracht. Ein Erfolgsbeispiel, dem andere folgen könnten.