Fürs Alter vorsorgen: Warum Beschäftigte betriebliche Angebote nicht nutzen

Eigentlich ist es jedem klar: Die gesetzliche Rente reicht im Alter für alles Lebensnotwendige kaum aus. Wer später einmal nicht jeden Cent umdrehen will, tut gut daran, frühzeitig privat vorzusorgen. Zwar ist die betriebliche Altersversorgung (bAV) nach einer Studie von PwC dabei die beliebteste Form, dennoch nutzen nur 30 Prozent der Arbeitnehmer die Vorteile, die sich ihnen als Beschäftigte in einem Betrieb bieten. Vor allem die steuerlich attraktive Form der Entgeltumwandlung ist viel zu wenig bekannt.

Im Gespräch mit Jürgen Helfen, Partner bei PwC, und Jens Denfeld, Senior Manager und Leiter des Frankfurter Bereichs Pension Consulting

Die betriebliche Altersversorgung ist die beliebteste Form der privaten Absicherung. Sie rangiert noch vor der Riester-Rente. Ist das nicht ein Erfolg?

Jürgen Helfen

Jürgen Helfen: Ja und nein. Tatsächlich genießt die betriebliche Altersvorsorge bei Arbeitnehmern besonderes Vertrauen. Trotzdem ist es nur eine Minderheit von 30 Prozent, die eine Betriebsrente in Anspruch nimmt. Und weniger als ein Drittel von ihnen nutzt die steuerliche attraktive Form der Entgeltumwandlung, bei der eigene Beiträge vom Bruttogehalt abgabenfrei eingezahlt werden. Unterm Strich lässt also mehr als die Hälfte der Angestellten ihr Recht auf eine staatlich geförderte Altersvorsorge ungenutzt.

Liegt das daran, dass Beschäftigte keine eigenen Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung zahlen wollen?

Helfen: Man muss ja nicht alle Einlagen vollständig mit Assets bedecken! Es ist offensichtlicher denn je, dass die Anlage am Kapitalmarkt nicht in jedem Fall die beste aller Alternativen darstellt. Denkbar ist durchaus auch, die Gelder der betrieblichen Altersversorgung wie Investitionen in das eigene Unternehmen zu behandeln. Die Eigenkapitalrendite wird in vielen Unternehmen langfristig höher liegen als die Renditen an den Kapitalmärkten, ansonsten wäre letztlich ja auch die unternehmerische Zielsetzung verfehlt.

Ist denn die betriebliche Altersversorgung in Unternehmen kein Thema?

Helfen: Offensichtlich wird in Betrieben zu wenig darüber gesprochen. Die Studie zeigt, dass Arbeitnehmer bei der betrieblichen Altersversorgung die Angebote und Möglichkeiten viel zu wenig kennen, es fehlt die nötige Kommunikation. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen informieren nicht über die Angebote, und selbst große Unternehmen bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück, Ressentiments auszuräumen und Irrtümer aufzuklären. Die Folgen sind dramatisch: So scheuen Arbeitnehmer vor einer betrieblichen Altersversorgung zurück, weil sie den Sparaufwand für viel zu hoch halten – er wird durchschnittlich um 60 Prozent überschätzt!

Was würden Sie Unternehmen empfehlen, um die betriebliche Altersversorgung voranzubringen?

Helfen: Unternehmen brauchen ein Gesamtkonzept, das neben dem eigentlichen Angebot zur bAV auch die Kommunikation mit den eigenen Mitarbeitern umfasst. Der direkte Austausch ist da immer am wirkungsvollsten. Das kann ganz schlicht in Form von allgemeinen Informationsveranstaltungen im Unternehmen, individueller Beratungsgespräche oder mithilfe von interaktiven Apps sein. Beim Angebot selbst wären 80 Prozent der Arbeitnehmer bereits mit einer Standardlösung zufrieden, die eine sichere Verzinsung – die vergleichsweise gering ausfallen darf – und eine lebenslange Altersrente garantiert. Mit attraktiven Optionen wie Kapitalwahlrecht und flexibler Eigenbeteiligung wären dann noch die interessierten und vorsorgeaffinen Mitarbeiter mit ins Boot zu holen.