Demografischer Wandel: Unternehmen fehlt ein strategisches Gesamtkonzept

Deutsche Unternehmen laufen Gefahr, den demografischen Wandel zu verschlafen. Das ist das Ergebnis einer Studie, zu der PwC mehr als 200 Unternehmen aller Branchen und Größen befragte. Vor allem fehlt das Bewusstsein, dass auch Geschäftsmodelle auf den Prüfstand gehören. Die Kunden werden zwar immer älter, gleichzeitig aber auch immer weniger.

Fast alle der befragten Unternehmen (94 Prozent) halten die Suche nach Fachkräften beim Thema demografischer Wandel für die wichtigste Herausforderung. Wenn also überhaupt etwas unternommen wird, konzentrieren sich die Bemühungen auf Personalthemen wie flexible Arbeitszeiten, innovative Beschäftigungsmodelle und Ausbildung.

Geschäftsmodell auf sinkende Kundenzahl ausrichten

Doch unterm Strich wird viel zu wenig getan, lautet die Botschaft der PwC-Studie „Auf einem Auge blind – Unternehmen unterschätzen den demografischen Wandel“. Unternehmen vernachlässigen vor allem die Frage, was ein immer kleiner und immer älter werdender Kundenkreis für das eigene Geschäftsmodell bedeutet.

Nach Einschätzung der PwC-Experten gehen die Verantwortlichen die Probleme nur zögernd und punktuell an. Zwar sind große Unternehmen bei der Entwicklung innovativer Arbeitszeitmodelle etwas weiter als kleinere, doch selbst ihnen fehlt ein durchdachtes Gesamtkonzept. Statt den demografischen Wandel aktiv und problemorientiert anzugehen, bleibt es bei einem halbherzigen Trial-and-Error-Verfahren.

Wer heute nichts unternimmt, hat morgen Probleme

Diese Lethargie beruht offensichtlich auf einer Fehleinschätzung: So erwarten 68 Prozent der Unternehmen die starken Auswirkungen des demografischen Wandels erst in sieben bis zehn Jahren. Doch die PwC-Experten warnen davor, diese Fragen auf die lange Bank zu schieben. Schon heute sollten Unternehmen damit beginnen, Chancen und Risiken zu identifizieren, um ihr Geschäftsmodell rechtzeitig darauf auszurichten und sich entsprechend auf dem Markt zu positionieren.

Weitere Erkenntnisse der Studie

Personalthemen überwiegen: 20 Prozent der befragten Unternehmen sehen keine Notwendigkeit, sich mit dem demografischen Wandel zu beschäftigen, 80 Prozent arbeiten punktuell an einzelnen Themen wie Ausbildung (35 %), Gesundheitsförderung (18 %), Personalplanung (16 %) und Arbeitszeitmodelle (10 %).

Auswirkungen spürbar: Schon heute sind die Auswirkungen des demografischen Wandels spürbar. Das sagen zwei Drittel der befragten Unternehmen. 96 Prozent von ihnen beziehen das vor allem auf die Mitarbeiterstruktur – schon heute stellen die über 60-Jährigen ein Viertel der Mitarbeiter. Die werberelevante Zielgruppe, die die Altersstufe zwischen 14 und 49 Jahre umfasste, hat sich inzwischen fast zehn Jahre nach hinten (20 bis 59 Jahre) verschoben.

Ungenutzte Chancen: Ansatzpunkte im Bereich Personalplanung sieht die Studie im ungenutzten Beschäftigungspotenzial von Frauen und dem verstärkten Wissenstransfer zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern. Das Duale Studium ist als Modell attraktiv, um junge Fachkräfte frühzeitig an das Unternehmen zu binden. 38 Prozent der befragten Unternehmen arbeiten bereits damit.