„Lebenslanges Lernen wird zur Realität“

11 September, 2017

Die PwC-Studie „Workforce of the future“ geht der Frage nach, wie sich die Arbeitswelt unter dem Eindruck der Digitalisierung bis 2030 verändern wird. Nicole Elert, Leiterin der Praxisgruppe Arbeits- und Sozialrecht bei PwC in Deutschland, und Till Lohmann, PwC-Experte für Personalmanagement, fassen die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Für die Studie  hat PwC  in Deutschland, Großbritannien, China, Indien und den USA insgesamt mehr als 10.000 Beschäftigten befragt. Warum dieser enorme Aufwand?

Till Lohmann: Im digitalen Zeitalter wird die Arbeitswelt immer komplexer. Neue technologische Entwicklungen wie „Künstliche Intelligenz‘“ oder „Machine Learning“ lassen alte Jobs verschwinden, aber auch neue entstehen. Dabei ändern sich die Anforderungen an Arbeitnehmer: Es kommt nicht mehr so auf das einmal erworbene Wissen an – sondern darauf, sein Knowhow fortlaufend den sich verändernden Umständen anzupassen. Anders ausgedrückt: Lebenslanges Lernen wird vom Schlagwort zur Realität. Wir wollten bei unserer Umfrage deshalb unter anderem wissen: Inwieweit sind die Beschäftigten bereit, diesen Wandel mitzugehen?

Und das Ergebnis?

Nicole Elert: Wir haben die Befragten mit folgendem Statement konfrontiert: „Um meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu wahren, bin ich bereit, mir neue Fähigkeiten anzueignen oder sogar komplett umzuschulen.“ Bezogen auf Deutschland stimmten 24 Prozent der Aussage ausdrücklich zu, 41 Prozent unterstützten sie zumindest vom Grundsatz her – und 18 Prozent zeigten sich unentschlossen. Dagegen meinten nur 12 Prozent, sie seien nicht dazu bereit. Aus unserer Sicht ist das ein sehr positives Signal, auch wenn die Zustimmungsraten in den anderen untersuchten Ländern im Schnitt etwas höher ausfielen.

Was steckt hinter dem Ergebnis? Geht die Angst um, im digitalen Zeitalter den Arbeitsplatz an eine Maschine bzw. einen Roboter zu verlieren? Oder sehen die Menschen in der neuen, digital geprägten Arbeitswelt auch eine Chance?

Elert: Sowohl als auch. Befragt nach ihren zukünftigen Aussichten auf dem Arbeitsmarkt, zeigten sich unter den deutschen Teilnehmern 36 Prozent „sehr zuversichtlich, den Anforderungen gerecht zu werden“.  22 Prozent meinten sogar, sie sähen für sich selber „tolle Gelegenheiten“. Zugleich meinen allerdings 33 Prozent, sie betrachteten ihre persönlichen Jobperspektiven für die Zukunft eher mit Sorge.

Können Sie den Menschen diese Sorgen nehmen – oder ist es tatsächlich so, dass die digitale Arbeitswelt viele Menschen überfordern wird?

Lohmann: Exakt kann das niemand vorhersagen. Unsere Studie skizziert vier mögliche Pfade, die der Jobmarkt bis 2030 nehmen könnte. Ein Szenario handelt von einer Arbeitswelt, die immer stärker von den Bedürfnissen entfesselter digitaler Unternehmen dominiert wird – auf Kosten klassischer Arbeitnehmerrechte.  Ebenso ist allerdings denkbar, dass es Politik und Verbrauchern auch im digitalen Zeitalter gelingt, die Innovationskraft der Wirtschaft in Bahnen zu lenken, die einen gesellschaftlichen Mehrwert versprechen.

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