Die Unternehmen in der Industriellen Produktion glauben nicht mehr an ein starkes Jahr 2012. Die meisten CEOs gehen von einem Abschwung der Weltwirtschaft aus und sind durch die Eurokrise verunsichert. Die eigenen Zukunftsaussichten beurteilen die Firmen hingegen optimistischer: Ein Großteil der Unternehmen ist überzeugt davon, den Umsatz noch in diesem Jahr steigern zu können. Die Manager setzen dabei vor allem auf die neuen Märkte in Asien sowie auf neue Produkte und Dienstleistungen. Das sind zentrale Ergebnisse der Survey-Auswertung für den Bereich Industrielle Produktion.
"Die Unternehmen haben sich der aktuellen Wirtschaftslage sehr schnell angepasst", sagt Martin Theben, Leiter des Bereichs Industrielle Produktion bei PwC. "Ihre wichtigsten Handlungsfelder momentan: die Unternehmensstrategie überdenken und die eigene Organisation verschlanken." Die deutliche Mehrheit der Unternehmer bestätigt im 15. CEO-Survey von PwC, ihre Arbeitsprozesse effizienter gestalten zu wollen. Für die meisten Firmen bedeutet das zugleich, Ausgaben zu kürzen. Viele haben damit bereits im vergangenen Jahr begonnen. Beispiel Maschinenbau: 78 Prozent der Unternehmen haben in den vergangenen zwölf Monaten Prozesse verschlankt, 70 Prozent planen dies für das aktuelle Jahr.
"CO2-Emissionen reduzieren und dabei Energiekosten sparen - in dieser effizienten Verknüpfung sehen die meisten Firmenchefs der Industriellen Produktion einen Erfolgsfaktor."
Martin Theben, Leiter Industrielle Produktion
Im Jahr 2011 waren die Unternehmen mit einer Vielzahl von Risiken konfrontiert, die sie auch finanziell zu spüren bekamen - unter anderen Schuldenkrise in Europa, politische Umbrüche im arabischen Raum, die Nuklearkatastrophe in Japan. "Die schnelle Strategieänderung der Unternehmen ist auch auf diese Ereignisse zurückzuführen", so Martin Theben. Beispielsweise geben 51 Prozent der Unternehmen im Maschinenbau an, dass sie unmittelbar von der Eurokrise betroffen waren; für 47 Prozent von Ihnen hat die Krise zu Anpassungen in der Unternehmensstrategie oder im Risikomanagement geführt.
Weitere Risiken für die Unternehmen: instabile Finanzmärkte, Wechselkursrisiken, hohe Energiepreise und ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.
Die meisten Unternehmen arbeiten bereits weltweit. Auch wenn Deutschland immer noch eine wichtige Basis ist und einen Innovationsvorsprung gegenüber den BRIC-Staaten und Lateinamerika hat: Die größten Wachstumschancen versprechen sich die Firmen in diesen Ländern. "Vor allem China hat sich zu einem Schlüsselmarkt entwickelt", sagt Martin Theben. "Für die Unternehmen ist es entscheidend, sich zum richtigen Zeitpunkt Marktanteile und den Zugang zu Rohstoffen zu sichern." Beispiel Stahl: China dominiert hier den Markt und hat mit Abstand den größten Bedarf weltweit. Die Märkte für die Industrielle Produktion in Westeuropa hingegen stagnieren oder schrumpfen größtenteils.
Chemieindustrie
Die CEOs der Chemiebranche haben zwar wenig Vertrauen in die Kraft der Weltwirtschaft, glauben aber an ihr eigenes Unternehmen: 39 Prozent sind sehr sicher, dass sie im Jahr 2012 die Umsätze ihres eigenen Konzerns steigern können, obwohl nur zehn Prozent von einem Aufschwung der Weltwirtschaft ausgehen. Noch optimistischer sind die Manager, was die längerfristigen Perspektiven betrifft: In den kommenden drei Jahren erwarten 51 Prozent eine deutliche Steigerung ihrer Umsätze.
Die Unternehmen der Chemiebranche haben schnell auf die Wirtschaftslage reagiert. 68 Prozent senkten 2011 bereits Kosten, die Hälfte nahm ebenso strategische oder operative Veränderungen vor. Das ist vor allem der Schuldenkrise in Europa geschuldet. Weitere Risikofaktoren für die Branche neben der ungewissen Wirtschaftslage: die Sicherung der weltweiten Zulieferkette und die Energiekosten. "Gerade die hohen und volatilen Rohstoffpreise beunruhigen die Branche", sagt Eckhard Sprinkmeier, Partner bei PwC im Bereich Chemieindustrie. "Rohstoffe sind Einsatzstoffe in der chemischen Wertschöpfungskette und Energie wird für den chemischen Produktionsprozess benötigt. Daher gaben 63 Prozent der Befragten die hohen Energiepreise als einen wesentlichen Risikofaktor an."
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Maschinenbau
Die Unternehmen in der Maschinenbaubranche sind vergleichsweise zuversichtlich in das Jahr 2012 gestartet: Rund 80 Prozent der CEOs sind sehr oder zumindest einigermaßen überzeugt davon, dass sie ihren Umsatz steigern können, während nur 18 Prozent von ihnen an einen Aufschwung der Weltwirtschaft glauben. Viele der Unternehmen planen einen Strategiewechsel (71 Prozent). 68 Prozent der Befragten setzen dabei auf Innovationen, durch die sich Produktionsprozesse schlanker und kostengünstiger gestalten lassen.
Wichtige Absatzmärkte für den Maschinenbau: Asien und Lateinamerika. "Hier sehen die Unternehmer die besten Perspektiven, während sie davon ausgehen, dass ihre Umsätze in Westeuropa stagnieren oder schrumpfen", sagt Martin Theben, Leiter Industrielle Produktion von PwC. Insbesondere China betrachten die CEOs als Schlüsselmarkt innerhalb Asiens. Die Unternehmen wollen sich hier vor allem Marktanteile und den Zugang zu Rohstoffen sichern.
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Metallindustrie
Die CEOs der Metallindustrie rechnen mit einem schweren Jahr 2012: 30 Prozent sind eher skeptisch, dass ihr Unternehmen wachsen wird; 58 Prozent gehen von einem Rückgang der Wirtschaft aus – die Branche ist stark konjunkturabhängig. Entsprechend wollen zwei Drittel der Unternehmer ihre Strategie an die veränderte Wirtschaftslage anpassen. Top-Priorität dabei: Kosten reduzieren und die eigene Organisation schlanker gestalten, das bestätigen drei Viertel der Befragten.
Sorgenfalten bereiten den CEOs auch die hohen Energiekosten, das bestätigen 75 Prozent der Befragten in der Metallindustrie (zum Vergleich: unter den allen befragten CEOs sind es nur 46 Prozent). "Wir gehen davon aus, dass die Energiekosten zukünftig maßgeblich für Produktionsstandortentscheidungen sein werden und somit sich auch auf den Arbeitsmarkt einzelner Staaten auswirken können", sagt Thomas Stieve, Partner bei PwC im Bereich Metallindustrie. Ebenfalls im Fokus der CEOs: der Zugang zu Rohstoffquellen. Mehr als die Hälfte der Unternehmensleiter will in den kommenden drei Jahren mehr in die Sicherung von Bodenschätzen investieren.
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Holzverarbeitungs-, Papier- und Verpackungsindustrie
Die Unternehmer blicken skeptisch auf das Jahr 2012: Mehr als die Hälfte (53 Prozent) rechnet mit einem wirtschaftlichen Abschwung – mit Folgen für das eigene Geschäft, denn die Branche ist traditionell an die allgemeine Wirtschaftslage gebunden und häufigen Schwankungen unterworfen.
Entsprechend gehen nur 22 Prozent der CEOs fest davon aus, dass ihr Unternehmen 2012 wachsen wird. Zum Vergleich: Unter den Unternehmern aller Branchen, die für den 15. CEO Survey befragt wurden, sind es 40 Prozent. Die Unternehmen haben Konsequenzen gezogen: 84 Prozent haben bereits 2011 begonnen, Kosten zu reduzieren; 37 Prozent planen, Mitarbeiter in den kommenden zwölf Monaten zu entlassen.
"Die Branche steht vor einem radikalen Wandel", sagt Ian Murdoch, Director bei PwC. "Das betrifft Märkte, Technologien, aber auch einzelne Segmente wie das Zeitungsgeschäft." Auch die Ansprüche der Kunden verändern sich, beispielsweise wünschen sich die Käufer umweltfreundlichere Produkte. Darauf stellen sich die Firmen ein: 63 Prozent erwarten eine Strategieänderung in diesem Jahr, 24 Prozent planen bereits fundamentale Veränderungen.
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