Die Wachstumsformel der Maschinenbaubranche: Innovationen und China

Das Vertrauen in die Zukunft der Maschinenbauindustrie steigt. Die Top-Manager der Branche versprechen sich Wachstum vor allem aus den boomenden Regionen in China und Indien. Die Märkte in diesen Schwellenländern sind allerdings hart umkämpft: Das zeigen die sinkenden Margen. Mit marktgerechten Produktinnovationen und Effizienz steigernden Prozessinnovationen wollen die CEOs ihre Marktstellung stärken. Das ist das Ergebnis aus dem 14. CEO Survey von PwC.

So sehen 58 Prozent der CEOs aus der Maschinenbaubranche den chinesischen Absatzmarkt als entscheidend für das künftige Wachstum. Damit sind sie deutlich optimistischer als ihre Kollegen aus den anderen Branchen: Hier sehen 39 Prozent der Führungskräfte China als entscheidenden Markt an. Für 32 Prozent der Top-Manager aus dem Maschinenbau ist auch Indien ein wichtiger Absatzmarkt. Die steigende Rolle Chinas auch auf der Bezugsseite bestätigen 54 Prozent der CEOs aus der Branche.

Sorgenfalten bereiten ihnen weiterhin das unbeständige Wirtschaftswachstum und die Volatilität der Wechselkurse.

In Zeiten des Aufschwungs steht der Fachkräftemangel wieder stärker im Fokus. Drei Viertel der CEOs aus der Maschinenbauindustrie befürchten einen personellen Engpass. Besonders in den Schwellenländern, wo die Branche verstärkt wachsen möchte, fehlt es an geeigneten Talenten.

Weitere detaillierte Auswertungen lesen Sie im 14. CEO Survey, für den PwC über 1.200 Top-Manager weltweit befragt hat. Die Zusammenfassung der Maschinenbauindustrie basiert auf Interviews mit 76 CEOs aus 30 Ländern. Interviews von Führungskräften geben einen Einblick in die Praxis. Zu Wort kommen Ed Breen CEO von Tyco International und Armando Garza Sada, Vorstandsvorsitzender von Alfa, S.A.B. de C.V.

Im Gespräch mit Martin Bork, als Partner bei PwC Deutschland zuständig für die Maschinenbauindustrie, über die wesentlichen Ergebnisse der Befragung:


Martin Bork

Die Weltwirtschaft zieht wieder an. Hat die Maschinenbaubranche aus der Krise gelernt?

Martin Bork: Viele Unternehmen mussten in der Krise auf die Kostenbremse treten. Das ging oft einher mit einer Organisationsverschlankung, allerdings haben die deutschen Maschinenbauer in der letzten Krise weitgehend auf Personalentlassungen verzichtet - das ist jetzt ein wichtiger Vorteil. 86 Prozent der befragten CEOs bestätigen, dass sie in der Krise an der Unternehmensorganisation gefeilt haben. Das alleine reicht jedoch nicht aus. Vielmehr müssen auch Effizienz steigernde Prozessinnovationen vorangetrieben werden. 81 Prozent der Befragten teilen diese Meinung. Eine Kooperation mit externen Partnern wie beispielsweise Zulieferern kann dabei fruchtbar sein.

Die Kosten sind allerdings nur die eine Seite der Medaille. Wie wollen die Unternehmen ihren Umsatz sichern?

Bork: Es wird immer wichtiger, die Bedürfnisse der Kunden richtig zu kennen. Produktinnovationen müssen auf ihre Wünsche gerichtet sein. Diese verstärkte Kundenorientierung lässt sich auch anhand der zunehmenden Relevanz von Umweltaspekten ablesen. Das Thema "Nachhaltigkeit" gewinnt auch in der Maschinenbauindustrie an Bedeutung: 70 Prozent der CEOs verstehen die Entwicklung von umweltfreundlichen Produkten und Dienstleistungen als einen wichtigen Teil der Unternehmensstrategie. Für die Entwicklung dieser so genannten "grünen" Produkte ist ein Kontrollsystem zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards entlang der gesamten Liefer- und Wertschöpfungskette notwendig. Der CO2-Ausstoß auf den verschiedenen Wertschöpfungsstufen sollte dabei berücksichtigt werden. Entscheidend ist aber, ob die Anlagen in ihrem Lebenszyklus vielmehr Treibhausgase einsparen als bei ihrer Produktion entstehen.

Für viele Unternehmen ist China der Zukunftsmarkt. Wie sehen sie das?

Bork: Der chinesische Hunger ist nach wie vor sehr groß. In einigen Sektoren hat China auch den weltweit größten Binnenmarkt. Im Vergleich zu anderen Schwellenländern bietet das Reich der Mitte auch eine gute Infrastruktur. Die Regierung muss und ist auch gewillt weiter in Infrastrukturprojekte zu investieren. Vor diesem Hintergrund bleibt der chinesische Absatzmarkt im Fokus vieler Unternehmen. Wechselkursänderungen und Markteintrittsbarrieren sind bei den Investitionsentscheidungen allerdings nicht zu unterschätzen.

Wovor sollte der Maschinenbausektor gewappnet sein?

Bork: Die Unternehmen wollen wachsen - vor allem in Asien. Fehlende personelle Ressourcen können die Wachstumsaussichten allerdings trüben. Die Unternehmen brauchen genügend geeignete Talente auch vor Ort. Internationale Entsendungen erfordern eine hohe Flexibilität der Mitarbeiter beziehungsweise der Bewerber. Der Kampf um qualifiziertes Personal wird sich verschärfen. Die Personalstrategie sollte daher auch spezifische Zielgruppen ansprechen, um die richtigen Anreize für junge oder ältere Mitarbeiter oder speziell für Frauen zu schaffen.

Bibliographische Daten

Growth reimagined - Industrial manufacturing industry summary

Autoren

Graeme Billings
Erica McEvoy

Herausgeber

PwC, New York

Bibliographie/Quelle

Mai 2011
8 S.