Don't kill ideas - Innovationen sind für die Spezialchemie überlebenswichtig

Ohne Innovationen kein Unternehmenserfolg - das steht fest. Einen Königsweg dahin gibt es auch in der Spezialchemie nicht, aber es gibt sehr wohl einige Parameter, die Unternehmen gezielt steuern können: das Commitment des Managements, frühzeitiges Erkennen von Markttrends, Forschungsfreiräume für die Mitarbeiter, funktionierende Netzwerke innerhalb und außerhalb des Unternehmens sowie eine abschließende Erfolgsmessung gehören unbedingt dazu. Das zeigt eine aktuelle PwC-Studie; einige wichtige Aussagen diskutieren die Autoren Dr. Volker Fitzner und Dr. Dominik von Au.

Im Gespräch mit Dr. Volker Fitzner, Partner, und Dr. Dominik von Au, Experten für die Chemiebranche:


Dr. Dominik
von Au  

Mit dem Prädikat "innovativ" schmücken sich Unternehmen gerne. Das ist leicht gesagt, doch auf dem Weg von der Idee zu einem erfolgreichen Produkt ist ein konsequentes und systematisches Vorgehen notwendig. Warum sind Innovationen gerade für die Unternehmen der Spezialchemie überlebenswichtig?

Dr. Dominik von Au: Der industrielle Kunde bildet für die Unternehmen der Spezialchemie den treibenden Wettbewerbsfaktor, das heißt die Kunden- und Anwendungsorientierung rückt in den Vordergrund, die Bedeutung von Innovationen steigt. Der entscheidende Wettbewerbsvorteil erschließt sich demnach ganz klar in der marktorientierten Steuerung und Beschleunigung von Innovationen. Daher auch unsere Untersuchung.


Dr. Volker
Fitzner  

Wie sieht nach Ihren Erkenntnissen die Strategie der Unternehmen aus der Spezialchemie aus?

Dr. Volker Fitzner: Die befragten Unternehmen leiten ihre Innovationsstrategie vornehmlich aus der Unternehmensstrategie ab. Das ist ganz klar eine Aufgabe der Führungsspitze.

Wir raten den Unternehmen, diesen Weg konsequent weiter zu gehen, die Erfolgsmessung stärker zu systematisieren und genau festzulegen, wie Wachstums- und Ertragsziele mit Innovationsleistungen realisiert werden können - Informationen, die auch Anleger verstärkt nachfragen.

Das ist die eine Seite der Medaille: Projektabbrüche und wirtschaftliche Misserfolge werden sich realistischer Weise kaum vermeiden lassen. Wie können Unternehmen daraus für sich doch noch einen Gewinn ziehen?

von Au: Eine Kultur des Scheiterns gehört zum Erfolg dazu! Ich erwarte, dass Projekte, die bereits erste Phasen des Innovationsprozesses durchlaufen haben, künftig zunehmend in einem fortlaufenden Review überzeugen müssen und es dadurch sogar noch zu mehr Abbrüchen kommt. Diese Entwicklung resultiert aus einer Professionalisierung des Projektmanagements, höheren Anforderungen seitens der Investoren und der Notwendigkeit des gezielten Einsatzes von Ressourcen. Es gilt daher, den Mehrwert an Wissen in jeder Projektphase frühzeitig sicherzustellen und für weitere Projekte nutzbar zu machen.

Fitzner: Idealerweise setzt man natürlich schon vorher an und achtet genau auf die Priorisierung der Projekte und damit der Zuteilung von Ressourcen. Innovationscontrolling als zusätzliches Instrument der Unternehmenssteuerung begleitet ein effektives und effizientes Innovationssystem.

Welche organisatorischen Strukturen wählen die Unternehmen und wie beantworten sie die Gretchenfrage: zentral oder dezentral?

von Au: Der Trend ist eindeutig: Die Dezentralisierung der Innovations‐Bereiche dominiert. Zentrale Forschungseinrichtungen erweisen sich dann als sinnvoll, wenn über die aktuellen Geschäftsfelder hinausgehende und langfristig, strategisch orientierte Innovationsprojekte verfolgt werden.

Fitzner: Dabei hat keines der befragten Unternehmen spezielle Einheiten geschaffen, die sich ausschließlich auf die Suche nach radikalen Neuheiten konzentrieren. Zwar hat eine Reihe von ihnen zentrale Forschungsabteilungen eingerichtet, die sich mit langfristigen visionären Themenstellungen befassen. Jedoch ist die Mehrzahl der Innovationen in der Spezialchemie rein evolutionärer Natur.

Wie und mit welchen Bereichen arbeiten diese dezentralen Einheiten zusammen, um die oft beschworenen Synergien zu nutzen und Doppelarbeit zu vermeiden?

von Au: Schnittstellen innerhalb der Geschäftsbereiche und zu zentralen Unternehmensabteilungen sicherzustellen, wird immer wichtiger. Die Aktivitäten der operativen Bereiche stehen im Mittelpunkt des betrieblichen Innovationssystems, jedoch bleiben leider wertvolle Möglichkeiten oftmals aufgrund von Bereichsdenken ungenutzt. Effektive Kommunikationssysteme können hier gegensteuern.

Können Unternehmen denn Bedingungen schaffen, die Innovationen fördert?

Fitzner: Ganz klares: Ja. Und es ist wichtig, eine Innovationskultur für alle Mitarbeiter zu etablieren. Auch hier ist das Management gefordert, Werte und Normen einer offenen Kommunikation, Kreativität und Leistungsbereitschaft vorzuleben. Denn die Mitarbeiter brauchen Freiraum und die Zeit, sich mit neuen Ideen zu beschäftigen. Sie müssen sich trauen, sie auch dann vorzustellen, wenn sie noch nicht direkt umsetzbar sind.

Kann ein einzelnes Unternehmen diese komplexen Aufgaben denn alleine stemmen?

Fitzner: Für die Mehrzahl der befragten Spezialchemieunternehmen ist der Kunde der wichtigste Kooperationspartner in der Produktentwicklung. Diese Arbeitsgemeinschaft ist in den frühen Phasen der Produktentwicklung unabdingbar. Von den Vorteilen profitieren beide Seiten: So führen insbesondere Innovationen in der chemischen Industrie neben Verbesserungen der Produkteigenschaften auch zu positiven Effekten auf der Kostenseite nachgelagerter Kunden.

von Au: Von ebenso großer Bedeutung ist die Entwicklung von Wissen. Entsprechend kooperieren Unternehmen mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen sowie anderen Unternehmen. Kooperationen mit Forschungsinstitutionen stehen zumeist für die Grundlagenforschung, für Sonderprojekte, die außerhalb der Kernkompetenzen liegen, und besonders zukunftsträchtige Projekte. Verbreitet ist die Gründung und Finanzierung von Einrichtungen, in denen die Unternehmen mit Hochschulen sowie zum Teil mit Kunden unter einem Dach zusammenarbeiten.

Analyse des betrieblichen Innovationssystems in Spezialchemieunternehmen

Wie gehen in ihren Marktsegmenten führende Unternehmen von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Einführung einer Innovation vor? Welche Methoden der Ideenfindung nutzen sie und wer ist an der Innovationsgenerierung beteiligt? Wie fördern diese Unternehmen Innovationen? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die vorliegende Studie. Fünf Modellparameter bilden das Innovationssystem ab: Prozess, Struktur, Strategie, Ressourcen, Kultur. Handlungsempfehlungen geben Ansatzpunkte für eine Erhöhung der Innovationskraft sowie eine Steigerung der Innovationsgeschwindigkeit.

Hier finden Sie die Studie zum Download.

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