Logistikmarkt in China: Zuverlässige Services auf hohem Niveau gefragt

Der chinesische Markt gewinnt für deutsche Unternehmen weiter an Bedeutung. Allerdings beurteilen die Firmen die Logistikdienstleister in China bislang sehr zurückhaltend: Nur ein Viertel der deutschen Unternehmen vergibt etwa Aufträge an externe Kontraktlogistiker. Das zeigt die PwC-Studie "Logistikmarkt in China: all inclusive?". Martin Theben, Leiter des Geschäftsbereichs Industrielle Produktion bei PwC, über die Geschäftschancen für die Branche und die logistischen Herausforderungen in China.

"In der industriellen Produktion, insbesondere im Großanlagenbau sind die Projekte langfristig, kostspielig und komplex", so Martin Theben. "Entsprechend hoch muss das Vertrauen in externe Logistikpartner sein." Die für die aktuelle PwC-Studie befragten Unternehmen organisieren ihre Logistikprozesse momentan noch vorwiegend intern. Sie beurteilen die Qualität der externen Logistikdienstleistungen eher skeptisch und halten die Partner für nicht flexibel genug. Die Experten sehen aber ein großes Potenzial für die Logistikbranche in China. Das gilt insbesondere für Firmen, die spezialisierte Dienstleistungen in hoher Qualität anbieten.

Im Gespräch mit Martin Theben, Partner bei PwC und Leiter des Geschäftsbereichs Industrielle Produktion


Martin Theben

China boomt, viele Unternehmen zieht es dorthin. Wie beurteilt die Branche die logistische Infrastruktur?

Martin Theben: Momentan ist die Branche eher skeptisch. Beispiel Bau- und Großanlagenbau: Hier sind die Unternehmen – wie unsere Studie gezeigt hat – gegenüber Logistikdienstleistern noch kritischer eingestellt als die anderen Branchen. Die Bau- und Großanlagenbauunternehmen wickeln komplexe Großprojekte ab und müssen zahlreiche Vertragspartner koordinieren. Daher benötigen sie eine zuverlässige und möglichst lückenlose Logistik auf hohem Qualitätsniveau.

Skepsis herrscht auch in der Maschinenbaubranche vor: Für die Maschinenbauer ist die Bedrohung durch Produktpiraterie und Know-how-Abfluss nach wie vor ein drängendes Problem. Das zeigt auch die Tatsache, dass die Wertschöpfungsstufe Transport, Logistik beziehungsweise Distribution in China gerade einmal von rund der Hälfte aller befragten Unternehmen in der Branche umgesetzt wird. Lediglich ein Viertel der Maschinenbauer vergibt Aufträge an Kontraktlogistiker.

Wie steht es um das Thema Sicherheit?

Theben: Den Entwicklungsstand im Bereich Sicherheitsstandards beurteilt die deutliche Mehrheit der Unternehmen über alle Branchen hinweg als mittel und niedrig. Überraschend für uns war, dass die Chemiebranche hier vergleichsweise positiv eingestellt ist, sie attestiert chinesischen Logistikanbietern im Bereich Sicherheit einen höheren Entwicklungsstand als andere Branchen. Gerade Chemieunternehmen stellen hohe Sicherheitsansprüche an die Logistiker, da es sich in der Regel bei den Gütern um sensible Produkte oder Gefahrenstoffe handelt.

Wo sehen Sie Chancen für deutsche Unternehmen?

Theben: Vor allem im Green Building. Die chinesische Regierung hat grünes Bauen zu ihrem Ziel erklärt. Gründe für diese Trendwende sind die Verknappung von Rohstoffen, die zunehmende Umweltbelastung und die kontinuierliche Verstädterung. Im Bereich Nachhaltigkeit gibt es ein enormes Marktpotenzial für deutsche Bauunternehmen. Ihre Stärke liegt – wie bereits schon erwähnt - im Bau komplexer Gebäude und in den Dienstleistungen rund um den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie. Eine Chance, an der übrigens auch Logistiker in China teilhaben können, indem sie ihr Leistungsportfolio auf den Transport, die Lagerung und die Montage ressourcenschonender Materialien abstimmen.

Trotz der einschlägigen Erfahrungen der Maschinenbaubranche im Hinblick auf den Know-how-Abfluss gewinnt China nicht nur als Produktionsstandort, sondern mehr und mehr auch als Handels- und Absatzmarkt an Bedeutung. China ist und bleibt der Wachstumsmotor für die Branche. Das gilt auch für die deutsche Chemieindustrie. Knapp die Hälfte der befragten Chemiekonzerne plant den Ausbau ihrer Forschung in den asiatischen Schwellenländern. Im Vergleich zeigt sich, dass die Chemieindustrie ihre Forschung und Entwicklung in China intensiver betreibt als andere Branchen.

Ein Blick in die Zukunft. Wie können Unternehmen ihre globalen Beschaffungs-, Produktions- und Absatzaktivitäten verbessern?

Schill: Das Beispiel China zeigt: Unternehmen, die global aktiv sind, müssen ihre gesamte Wertschöpfungskette im Blick haben. Die Optimierung der Supply Chain ist der Schlüsselfaktor. Dabei müssen die komplexen Beziehungen nach außen, mit Kunden und Lieferanten, aber auch innerhalb des Unternehmens berücksichtigt werden. Unternehmen sollten mögliche Schwachstellen innerhalb ihrer Wertschöpfungskette frühzeitig erkennen und schnell darauf reagieren. Ein zielgerichtetes Risikomanagement kann helfen, die Anfälligkeit der Supply Chain zu reduzieren und sie insgesamt krisenfester zu machen.

Welche Trends stellen Sie momentan in der Branche fest?

Theben: Die Unternehmen verstehen sich nicht mehr ausschließlich als Produzenten von Produkten oder Komponenten. Bereits jetzt erzielen viele Firmen hohe Umsätze durch umfassende Serviceangebote und Lösungen. Unternehmen, die an diesem Trend teilhaben wollen, müssen die Bedürfnisse ihrer Kunden kennen und sie in die Produktentwicklung integrieren. Produzierende Unternehmen und ihre Zulieferer, die darüber hinaus auch nachhaltige Produkte und Prozesse anbieten, können nicht nur einen Imagegewinn verzeichnen, sondern sich auch einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil erarbeiten. Wichtig ist, Chancen im Produkt-Lebenszyklus zu erkennen und eine nachhaltige Wertschöpfung anzustreben.

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