Nach steigenden Rohstoffpreisen in der Vergangenheit kam es im Zusammenhang mit der Kreditkrise und deren Auswirkung auf die Realwirtschaft zu stark fallenden Preisen. Durch diese extremen und nicht prognostizierbaren Rohstoffpreisentwicklungen sowie deren hohe kurzfristige Volatilität hat die Bedeutung der Steuerung von Rohstoffpreisrisiken in der Chemieindustrie in den letzten Jahren stark zugenommen.
Der Terminmarkt für Rohstoffe ist jedoch weit davon entfernt, voll entwickelt zu sein. Die Implementierung von Prozessen zur Steuerung der Warenpreisrisiken im Treasury sowie die Bilanzierung dieser Sicherungsinstrumente stellen weitere Hürden dar, die es in der Chemieindustrie zu überwinden gilt.
Für die Mehrheit der Produkte in der Chemieindustrie besteht entweder kein oder nur ein illiquider Terminmarkt. Der Einsatz von derivativen Sicherungsinstrumenten auf diese Rohstoffe ist somit nur eingeschränkt möglich und gegebenenfalls teuer, da die Marktenge zu erheblichen Kursaufschlägen führt.
Die Sicherung von Rohstoffpreisen erfolgt deshalb zumeist über liquide handelbare Vorprodukte wie Rohöl oder Naphtha. Aufgrund schwankender Weiterverarbeitungskosten entwickeln sich die Preise der Vorprodukte und der benötigten Rohstoffe jedoch nicht identisch, so dass eine Sicherung nur bedingt effektiv ist.
Dieses Problem kann häufig umgangen werden, indem die Preise in langfristigen Beschaffungsverträgen an sicherungsfähige Vorprodukte gekoppelt werden.
Eine effektive und umfassende Steuerungsstrategie hinsichtlich Rohstoffpreisrisiken setzt ein sehr gut funktionierendes Risikomanagement voraus. Vielfach werden Derivate jedoch auf Einzelfallbasis eingesetzt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Aufbau eines umfassenden Risikomanagements von Rohstoffpreisen aus verschiedenen Gründen schwierig ist:
Nach IAS 39 sind derivative Finanzinstrumente mit ihrem beizulegenden Zeitwert in der Bilanz anzusetzen. Die Änderungen des Zeitwerts sind als Gewinne und Verluste erfolgswirksam zu erfassen, sofern kein Hedge Accounting angewendet wird. Die Anwendung von Hedge Accounting ist jedoch an restriktive Kriterien gebunden. Diese Vorschriften führen bei der Sicherung von Rohstoffpreisen in der Chemieindustrie regelmäßig dazu, dass eine Anwendung von Hedge Accounting nicht möglich ist.
Des Weiteren stellen Koppelungen der Preise an Vorprodukte in Lieferverträgen eingebettete Derivate dar. Die Verträge sind entsprechend auf trennungspflichtige eingebettete Derivate zu untersuchen. In den Fällen, in denen eine Trennungspflicht vorliegt, ist das eingebettete Derivat erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert zu bilanzieren.
Die Abteilung Corporate Treasury Solutions von PwC bietet Mandanten Lösungen zum Commodity Risk Management an. Wir unterstützen Sie bei der Konzeption und Umsetzung einer angemessenen Organisation und der Einrichtung von Prozessen und Kontrollen. Des Weiteren unterstützen wir Sie bei der Erstellung von Bilanzierungs- und Risikorichtlinien.