Rohstoffrisiken absichern

Nach steigenden Rohstoffpreisen in der Vergangenheit kam es im Zusammenhang mit der Kreditkrise und deren Auswirkung auf die Realwirtschaft zu stark fallenden Preisen. Durch diese extremen und nicht prognostizierbaren Rohstoffpreisentwicklungen sowie deren hohe kurzfristige Volatilität hat die Bedeutung der Steuerung von Rohstoffpreisrisiken in der Chemieindustrie in den letzten Jahren stark zugenommen.

Der Terminmarkt für Rohstoffe ist jedoch weit davon entfernt, voll entwickelt zu sein. Die Implementierung von Prozessen zur Steuerung der Warenpreisrisiken im Treasury sowie die Bilanzierung dieser Sicherungsinstrumente stellen weitere Hürden dar, die es in der Chemieindustrie zu überwinden gilt.

Für die Mehrheit der Produkte in der Chemieindustrie besteht entweder kein oder nur ein illiquider Terminmarkt. Der Einsatz von derivativen Sicherungsinstrumenten auf diese Rohstoffe ist somit nur eingeschränkt möglich und gegebenenfalls teuer, da die Marktenge zu erheblichen Kursaufschlägen führt.

Die Sicherung von Rohstoffpreisen erfolgt deshalb zumeist über liquide handelbare Vorprodukte wie Rohöl oder Naphtha. Aufgrund schwankender Weiterverarbeitungskosten entwickeln sich die Preise der Vorprodukte und der benötigten Rohstoffe jedoch nicht identisch, so dass eine Sicherung nur bedingt effektiv ist.

Dieses Problem kann häufig umgangen werden, indem die Preise in langfristigen Beschaffungsverträgen an sicherungsfähige Vorprodukte gekoppelt werden.

Anforderungen an das Risikomanagement

Eine effektive und umfassende Steuerungsstrategie hinsichtlich Rohstoffpreisrisiken setzt ein sehr gut funktionierendes Risikomanagement voraus. Vielfach werden Derivate jedoch auf Einzelfallbasis eingesetzt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Aufbau eines umfassenden Risikomanagements von Rohstoffpreisen aus verschiedenen Gründen schwierig ist:

  • Die Märkte für Commodity-Derivate in der Chemieindustrie sind noch jung. Somit gibt es vergleichsweise wenig erfahrene Treasurer in diesem Bereich.
  • Die Organisation und Prozesse im Treasury von Chemieunternehmen sind historisch bedingt für Treasury-Bereiche wie Liquiditäts-, Zins- oder Währungsrisiken ausgelegt. Ein effektives Risikomanagement von Warenpreisen erfordert erhebliche Anpassungen dieser Prozesse.
  • Derivate auf Rohstoffe sind in der Regel nicht in denselben Treasury-Management-Systemen abbildbar, die das Treasury zur Steuerung der Finanzrisiken nutzt.

Bilanzierung

Nach IAS 39 sind derivative Finanzinstrumente mit ihrem beizulegenden Zeitwert in der Bilanz anzusetzen. Die Änderungen des Zeitwerts sind als Gewinne und Verluste erfolgswirksam zu erfassen, sofern kein Hedge Accounting angewendet wird. Die Anwendung von Hedge Accounting ist jedoch an restriktive Kriterien gebunden. Diese Vorschriften führen bei der Sicherung von Rohstoffpreisen in der Chemieindustrie regelmäßig dazu, dass eine Anwendung von Hedge Accounting nicht möglich ist.

  • Die Sicherung von Rohstoffpreisen durch Derivate auf Vorprodukte führt zu Ineffektivitäten, so dass die geforderte Hedge Effektivität von 80 Prozent bis 125 Prozent nicht erreicht sein kann.
  • Die Sicherung einer einzelnen Komponente aus einer Preisgleitklausel in einem Bezugsvertrag stellt nach IAS 39 keine zulässige Sicherungsbeziehung dar, da nicht finanzielle Geschäfte nur in ihrer Gesamtheit gesichert werden können. Eine Sicherung aller Einsatzfaktoren ist jedoch häufig nicht möglich, da einzelne Komponenten, zum Beispiel Transportkosten, nicht sicherungsfähig sind.

Des Weiteren stellen Koppelungen der Preise an Vorprodukte in Lieferverträgen eingebettete Derivate dar. Die Verträge sind entsprechend auf trennungspflichtige eingebettete Derivate zu untersuchen. In den Fällen, in denen eine Trennungspflicht vorliegt, ist das eingebettete Derivat erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert zu bilanzieren.

Lösungen zum Commodity Risk Management

Die Abteilung Corporate Treasury Solutions von PwC bietet Mandanten Lösungen zum Commodity Risk Management an. Wir unterstützen Sie bei der Konzeption und Umsetzung einer angemessenen Organisation und der Einrichtung von Prozessen und Kontrollen. Des Weiteren unterstützen wir Sie bei der Erstellung von Bilanzierungs- und Risikorichtlinien.