Stahldistribution: Ein Markt im Umbruch

Stahlhändler spüren als Bindeglied zwischen Produzenten und Endkunden deutlich die Folgen der Wirtschaftskrise. Distributeure werden sich künftig verstärkt in die Wertschöpfungskette integrieren und auf neue Geschäftsmodelle fokussieren müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der historische Anstieg der Stahlpreise bis zum Herbst 2008 hatte direkte Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse der Stahlhändler. Sowohl bei den lagerhaltenden Händlern als auch im Trading führten die höheren Einkaufspreise zu einem preisbedingten Anstieg des Vorratsvermögens. Im Herbst 2008 fiel das Preisniveau für Stahlerzeugnisse drastisch. Der Stahlabsatz ging infolge der Wirtschaftskrise bei wichtigen Kundengruppen des Stahlhandels - allen voran dem Maschinen- und Schiffbau sowie der Fahrzeugindustrie - zurück. Dies führte dazu, dass die Lagerreichweite der deutschen Stahlhändler im Dezember 2008 einen neuen Rekordwert erreichte. Zudem konnten die zu hohen Anschaffungskosten erworbenen Stahlerzeugnisse nur noch zu günstigeren Verkaufspreisen abgesetzt werden Der "Schrottpreiszuschlag für Träger" sank nach der Statistik des Bundesverbandes Deutscher Stahlhandel (BDS) von Juli 2008 zum Februar 2009 um 72 Prozent.

Stahldistribution und die Wirtschaftskrise

Thomas Hofmann, Partner bei PwC, erläutert: "Der allgemeine Preisverfall für Stahlprodukte führte beziehungsweise führt in der Regel zu Abwertungen auf den Vorratsbestand. So sind die Vorräte nach den internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IAS 2) zu den Anschaffungskosten oder dem niedrigeren Marktpreis zu bewerten." Die Abschreibungen haben - so Hofmann weiter - in der Branche unter Umständen zu operativen Verlusten in Quartalsergebnissen geführt.

Wegen der Wirtschaftskrise sind auch das Forderungsmanagement und die laufende Überwachung der mit dem Warenkreditversicherer vereinbarten Kreditlimits in den Fokus gerückt. Die Abnehmerrisiken sind in dem dynamischen Umfeld gestiegen. Eine besondere Bedeutung gewinnt das Risikomanagement. Risiken zum Beispiel aus Gewährleistungen oder Finanzierungen müssen frühzeitig identifiziert und Strategien zur Risikobegrenzung entwickelt werden.

Künftige Positionierung in der Wertschöpfungskette

Die Rolle der Stahldistributeure hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Nach wie vor übernehmen sie wichtige Funktionen in der Marktversorgung. Zusätzlich haben die Stahlhändler aber verstärkt in die Anarbeitung von Stahlprodukten investiert und konnten so ihren Wertschöpfungsanteil erhöhen. Outsourcingtendenzen und der Wunsch der Kunden nach einer "Just-In-Time" Belieferung ermöglichen den Distributeuren den Aufbau von langfristigen Lieferbeziehungen.

Thomas Hofmann stellt heraus: "Der Übergang vom Handel zur Anarbeitung führt zu veränderten Prozessen und einer höheren Komplexität beispielsweise bei der Produktkalkulation, der Inhouse-Logistik, der Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften und dem internen Kontrollsystem." Die Optimierung von Unternehmensprozessen - wie beispielsweise im Bestandsmanagement - erfordert auch bei mittelständischen Stahlhändlern ein integriertes Enterprise Resource Planing (ERP)-System.

Optimale Finanzierungsmodelle gefragt

Aufgrund des veränderten wirtschaftlichen Umfelds gewinnt auch der optimale Einsatz von Finanzierungsmodellen immer mehr an Bedeutung. Neben der klassischen Kreditfinanzierung stehen den Unternehmen zum Beispiel Factoring, Asset Backed Securities oder Borrowing-Base-Finanzierungen zur Verfügung. Zusätzlich können die Unternehmen die Möglichkeiten zur Optimierung der Bilanzkennzahlen - beispielsweise der Eigenkapitalquote - nutzen, um auf diesem Wege ihre Bewertung bei den Kreditgebern zu verbessern. 

Eine weitere Maßnahme ist das Leasing von Sachanlagevermögen oder der Verkauf der Forderungen im Rahmen der Finanzierung. Hierbei sind jedoch die nationalen und internationalen Rechnungslegungsnormen zu beachten.

Nach der Erfahrung von Branchenexperte Thomas Hofmann nimmt darüber hinaus die Überwachung von Covenants, die in Kreditverträgen festgeschrieben sind, an Bedeutung zu. Vorraussetzung hierfür ist ein verlässliches Reporting und eine integrierte Finanzmittelplanung im Unternehmen.

Bei der Entwicklung und dem Review von Finanzierungs- und Businessmodellen, bei Transaktionen, bei Fragestellungen zur Bilanzierung nach nationalen und internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen sowie der Optimierung der Unternehmensprozesse, bieten die PwC-Branchenexperten mit ihrem Know-how kompetente Unterstützung an.