China hat einen enorm hohen Energiebedarf. Einen Teil davon will das Land über erneuerbare Energien abdecken. Bis zum Jahr 2020 sollen sich die Kapazitäten aus Windkraft, Photovoltaik und Biomasse mehr als vervierfachen, von knapp 50 Gigawatt in 2010 auf 200 Gigawatt am Ende des Jahrzehnts. Damit bietet der Markt deutschen Unternehmen, die dort produzieren oder ihre Produkte verkaufen wollen, große Chancen. Ihr technologisches Know-how ist ihr Kapital. Allerdings ist der Weg nach China für europäische Firmen noch immer riskant; umso wichtiger ist es, den Markt genau zu kennen.
Die China Greentech Initiative, ein Zusammenschluss von Unternehmen und Organisationen, schätzt den Markt für grüne Technologien in China auf 500 Milliarden bis eine Billion US-Dollar jährlich. Erneuerbare Energien spielen dabei eine wichtige Rolle. Beispiel Windenergie: Im Jahr 2010 hat China die USA bereits überholt und gilt seitdem als der weltweit größte Erzeuger von Windenergie. Mit dem aktuellen 12. Fünf-Jahres-Plan hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, dass bis 2015 11,4 Prozent der Energie aus nicht-fossilen Quellen stammen sollen, derzeit sind es 8,3 Prozent. Damit will China seinen hohen Kohlendioxid-Ausstoß verringern und unabhängiger von den Öl-Preisen auf dem Weltmarkt werden. Grüne Energie ist also ein wichtiges Thema für die chinesische Staatsführung und ein großer Wachstumsmarkt. Damit zieht der Sektor ausländische Unternehmen an.
Auch deutsche Unternehmen lockt der Renewables-Markt in China. "Viele Firmen lassen sich bislang allerdings noch von dem steinigen Weg dorthin abschrecken", sagt Dr. Henning Hönsch, PwC-Partner und Koordinator des PwC-Center of Excellence für Erneuerbare Energien. Für ausländische Konzerne sind die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Verbindungen von Staat und Industrie oft undurchsichtig. Tatsächlich bevorzugt China häufig nationale und staatseigene Unternehmen. Ein Großteil des Marktes ist momentan in der Hand von fünf staatseigenen Unternehmen.
Dennoch ergeben sich Chancen für deutsche Unternehmen, gerade auch für kleine und mittelständische, die sich in dem Segment spezialisiert haben. Westliche Firmen besitzen die ausgefeiltere Technik, zudem sind sie bereits seit vielen Jahren auf dem europäischen Markt aktiv und haben die entsprechende Expertise. Diesen Vorsprung gilt es allerdings zu halten. "Deutsche Unternehmen müssen ihre Technik konstant weiterentwickeln. Ansonsten werden sie von den chinesischen Firmen überholt, die sehr schnell nachziehen und Produkte dann günstiger anbieten können", so Dr. Henning Hönsch.
Der chinesische Markt bietet deutschen Unternehmen aber auch Vorteile: Die Regierung fördert das Segment in ihrem Fünf-Jahres-Plan; Experten gehen davon aus, dass China das Ziel von 200 Gigawatt aus erneuerbaren Energien bis 2020 noch übertreffen wird. Die Staatsführung hat durch finanzielle Anreize, regulatorische Vorgaben und steuerliche Sonderregelungen die Grundlagen für das Marktwachstum geschaffen. China war das erste Land außerhalb der EU, das Einspeiseprämien für den Windsektor, sogenannte feed-in tariffs (FiTs), festgelegt hat. Sie liegen je nach Region 30 bis 50 Prozent höher als die Tarife für Strom aus konventionellen Quellen. Mit dieser Unterstützung hat die Regierung dafür gesorgt, dass der Markt sich in den vergangenen Jahren sehr schnell entwickeln konnte.
Im Bereich der Windkraft hat sich die chinesische Führung – neben der Wasserkraft – besonders ehrgeizige Ziele gesetzt. Hier liegen die Kapazitäten heute bereits 300-fach höher als noch im Jahr 2004. Windkraft hat auch im Fünf-Jahres-Plan Priorität. Deutsche Unternehmen haben zwar Zugang zu diesem Segment, allerdings dominieren momentan noch die staatseigenen Betriebe mit einem Anteil von 90 Prozent den Markt. Da sich die Kapazitäten bis 2020 verdreifachen sollen, sieht die China Greentech Initiative in ihrem Report 2011 weitere Potenziale für ausländische Unternehmen. Den Markt schätzt sie als sehr groß ein, ebenso die Unterstützung durch die Regierung. Dagegen beurteilt die Initiative, zu der auch PwC gehört, die Profitchancen nur als mittelmäßig. Der harte Wettbewerb senkt die Preise.
Auch im Bereich Solarenergie schätzt die China Greentech Initiative den Markt als sehr groß ein. Bislang sind nur wenige Solaranlagen installiert, das Land bietet aber klimatisch und landschaftlich, etwa durch Wüsten, das Potenzial dafür. Der Markt wird in den kommenden Jahren stark wachsen. Experten erwarten auch deshalb einen Aufschwung für Photovoltaik-Projekte, weil die chinesische Staatsführung einen Einspeisetarif festgelegt hat. Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft soll er bei etwa 12,5 Cent pro Kilowattstunde für in 2011 beendete Projekte und bei 11 Cent für spätere Initiativen liegen.
Allerdings sind auch hier die Profitchancen durch den Konkurrenzdruck und durch hohe Investitionskosten begrenzt. "Dennoch sehen wir für besonders innovative deutsche Unternehmen Chancen", sagt Dr. Henning Hönsch.