Deutsche Exporte boomen, das Risiko-Bewusstsein bleibt

Nach der Finanzkrise haben die deutschen Exporte wieder stark zugenommen, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländer. Die Banken vergeben seit 2010 wieder vermehrt Kredite für Exporte und Investitionen. Dennoch bleibt das Risikobewusstsein von Banken und Exporteuren erhöht. Bei vielen ausländischen Abnehmern treten Zahlungsverzögerungen oder sogar -ausfälle auf. Da dies die Liquidität von Exporteuren gefährden kann, setzen viele auf staatlich gedeckte Exportfinanzierungen.

Nach einem starken Rückgang im Jahr 2009 hat sich der Welthandel 2010 wieder erholt und ist um 14,5 Prozent gestiegen. Auch die Beliebtheit des Labels "Made in Germany“ ist ungebrochen: 2010 stieg die deutsche Warenausfuhr um 18,7 Prozent. Die deutschen Exporte haben wieder ihr Vor-Krisen-Niveau erreicht, auch wenn Deutschland seine über viele Jahre führende Position im Warenexport an China abgetreten hat.

Vor dem Hintergrund der starken Konjunktur steigt auch die Kreditnachfrage der Unternehmen für Exporte und Investitionen weiter an. Banken erhöhen ihre Kreditvergabe, sodass es deutlich weniger Engpässe bei der Unternehmensfinanzierung gibt als noch vor einem Jahr.

Dennoch bleibt die Finanzkrise den Exporteuren und Banken präsent und hat ihr Risikobewusstsein geschärft. Auch sind mit Überwindung der Finanzkrise nicht alle Risiken ausgeräumt. Weltweit laufen die von den Regierungen aufgelegten Konjunkturpakete aus. Währungsrisiken werden zunehmen und knappere Rohstoffe teurer werden.

Außenwirtschaftsförderinstrumente – wichtig besonders für kleine und mittlere Unternehmen

Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen können Exportkreditgarantien von existenzieller Bedeutung sein. Sie ermöglichen oft erst den Zutritt zu neuen Märkten und bieten eine Absicherung gegen Forderungsausfälle aus den Exportgeschäften. Viele Exportgeschäfte könnten ohne diese Absicherung nicht durchgeführt werden. Denn zur Finanzierung des Handels spielen staatlich gedeckte Exportfinanzierungen eine wichtige Rolle.

Um Käufer- und Länderrisiken abzusichern, können deutsche Exporteure die Exportkreditgarantien der Bundesrepublik Deutschland - so genannte Hermesdeckungen - in Anspruch nehmen. Seit Banken und Finanzinstitute bei der Kreditvergabe risikobewusster sind, stieg weltweit die Nachfrage bei den staatlichen Exportversicherern (Export Credit Agencies, ECA).

"Die Anzahl der im Rahmen der Exportkreditgarantien des Bundes beantragten Deckungen und ihr Volumen hat im Jahr 2009 Rekordniveau erreicht. Auch 2010 hielt die starke Nachfrage nach ECA-Finanzierungen an und setzt sich 2011 fort", so Andreas Klasen, PwC-Partner und Experte für Handels- und Exportfinanzierung. Die staatlichen Exportkreditgarantien werden in Deutschland von PwC zusammen mit Euler Hermes als gemeinsame Partner des Bundes gemanagt.

Neu gedeckte Exporte in Milliarden Euro

Exportgarantien der Bundesrepublik Deutschland, Jahresbericht 2010
Quelle: Euler Hermes Kreditversicherungs-AG, Exportgarantien der Bundesrepublik Deutschland, Jahresbericht 2010

Die Finanzkrise hat gezeigt: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird nicht nur die Finanzierung von großen Exportgeschäften schwerer. Auch das eher kleinteilige Geschäft zu kurzfristigen Zahlungsbedingungen wurde teilweise unmöglich. Die Hermesdeckungen helfen dabei, diese schwierigen Phasen zu überstehen. Aus diesem Grund wünschen sich Exporteure und Banken auch für künftige wirtschaftlich angespannte Zeiten effektive und flexible Absicherungsmöglichkeiten.

"Die Deckungsinstrumente für Exporteure und Banken werden kontinuierlich weiterentwickelt und den sich ändernden Rahmenbedingungen angepasst“, so Andreas Klasen.

Länder mit den höchsten neu übernommenen Deckungen in Milliarden Euro

Exportgarantien der Bundesrepublik Deutschland, Jahresbericht 2010
Quelle: Euler Hermes Kreditversicherungs-AG, Exportgarantien der Bundesrepublik Deutschland, Jahresbericht 2010

Im Gespräch mit Andreas Klasen, Partner bei PwC und Experte für Handels- und Exportfinanzierung:

Andreas Klasen
Andreas Klasen

Frage: Welche Rolle spielen die Exportkreditgarantien für Unternehmen?

Klasen: Deutsche Produkte und Dienstleistungen sind mehr denn je gefragt. Das lässt sich am hohen Exportwachstum ablesen. Zusammen mit dem erhöhten Risikobewusstsein nach der Finanzkrise führt dies zu einer stetigen Nachfrage nach den staatlichen Exportkreditgarantien. Die staatlichen Exportkreditgarantien sind für viele Unternehmen durch ihre Verlässlichkeit noch wichtiger geworden. Wichtig ist auch, dass das Instrument der Exportkreditgarantien ständig an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst wird.

Frage: Wo liegen die Chancen für die deutsche Exportwirtschaft?

Klasen: Positiv auf die deutsche Exportwirtschaft auswirken wird sich vor allem das anhaltende Wachstum in den Schwellenländern. Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Technologien und erneuerbaren Energien – traditionell Gebiete, auf denen deutsche Hersteller weltweit großes Vertrauen genießen – wird weiter steigen. Als sehr vielversprechend für deutsche Exporteure stufe ich den Infrastrukturbereich ein. Besonders in Entwicklungsländern und vor allem in China haben sich Infrastrukturprojekte zu einem enormen Investitionsfeld entwickelt. Nach Jahren rasanten Wachstums ist der Bedarf an Straßen, Schienen, Brücken und Krankenhäusern in diesen Regionen besonders hoch.