Vor allem wachsende Märkte und ihr infrastruktureller Bedarf führen dazu, dass sich die Transport & Logistikbranche in Teilbereichen strategisch neu positionieren muss. Was das für diese aber auch andere Branchen bedeutet, erläutert Klaus-Dieter Ruske, Global Transportation & Logistics Leader bei PwC.

Klaus-Dieter Ruske
Klaus-Dieter Ruske: Das ist richtig. Grundsätzlich erwarten wir eine Verlagerung weg von den hochentwickelten Industrienationen hin zu den Emerging Markets. Dies wird zum einen durch den überproportional wachsenden Urbanisierungsgrad und der damit einhergehenden starken Nachfrage der Bevölkerung nach wirtschaftlicher Infrastruktur und zum anderen durch den Wechsel der Produktion bestimmter Güter hin zu eben diesen Ländern getrieben.
Klaus-Dieter Ruske: Da haben wir ein eindeutiges Bild durch unseren jährlichen CEO-Survey ermitteln können, der zuletzt im Februar 2011 stattfand. Demnach sagen 73 Prozent der CEOs aus Transport und Logistik, dass sie ihre Strategien anpassen werden, um auf das wachsende Potenzial in den Emerging Markets adäquat reagieren zu können.
Klaus-Dieter Ruske: Wenn es darum geht, neue Märkte zu erschließen, sind grundsätzlich eine längerfristige Planung und eine sorgfältige Umsetzung wichtig. Darüber hinaus sollten Unternehmen nicht vergessen, nicht nur ihre Geschäftsbeziehungen abzusichern, sondern auch ihre Assets, seien es Wirtschaftsgüter oder Mitarbeiter. Zudem sollten sie politische und geostrategische Unwägbarkeiten in Betracht ziehen und sich darüber hinaus damit vertraut machen, wie die regulatorischen Bedingungen vor Ort sind. Eine Inflation ist genauso in die Strategie einzuarbeiten wie der Wettbewerb zwischen einzelnen Ländern. Zudem gibt es auch in den Wachstumsmärkten stark voneinander differierende Steuersätze und ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Risiko: die Korruptionsgefahr!
Klaus-Dieter Ruske: Wir haben vor allem drei Bereiche identifiziert: Erstens im Handel zwischen Asien und Lateinamerika. Wir erwarten in dieser Region einen starken Anstieg der Handelsbeziehungen in den kommenden zwanzig Jahren. Hier sehen wir für Transport- und Logistikunternehmen substanzielles Potenzial. Zweitens prognostizieren wir, dass die Warenströme zwischen Deutschland und China im Jahr 2030 mit mehr als 200 Milliarden Dollar das fünftgrößte Volumen weltweit ausmachen. Und, drittens wird der gesamte Raum Asien-Pazifik für deutsche Firmen immer interessanter.
Klaus-Dieter Ruske: Ganz klar: dass ihnen genug Fachkräfte zur Verfügung stehen. 65 Prozent der CEOs in Transport und Logistik konstatierten im CEO-Survey, dass eine ausreichende Zahl an entsprechend qualifiziertem Personal der kritischste Erfolgsfaktor ihrer strategischen Planungen ist. Von daher raten wir zu vorausschauendem Personalmanagement und Recruiting, um personellen Engpässen vorzubeugen und nicht Gefahr zu laufen, die Expansionstrategie zu gefährden.